In der Franken-Therme in Bad Windsheim gibt es einen Ort, an dem auch bei hohen Außentemperaturen eine Räumpflicht herrscht: in der Schneesauna. Bei minus zehn Grad türmt sich hier feiner Pulverschnee für ein prickelndes Abkühlerlebnis. Vor nunmehr zehn Jahren war die Sauna eingebaut und anschließend eingeweiht worden.
An den Tag kann sich Thermen-Geschäftsführer Oliver Fink noch gut erinnern. Die neue Schneesauna war schließlich genau das, was er und der damalige technische Teamleiter Peter Koch gesucht und auf einer Messe schließlich gefunden hatten. Denn das Vorläufermodell, eine schnöde Kältekammer mit Plastiksitzen und purem Eis, sei technisch sehr anfällig gewesen. „Es war eigentlich selten richtiger Schnee drin”, so Fink. Und Koch ergänzt, dass der Betrieb zuletzt einer Katstrophe geglichen habe. Irgendwann sei die Kammer dann komplett kaputtgegangen.
Hersteller der aktuellen Schneesauna ist das Tochterunternehmen einer Firma für Schneekanonen. Fink und Koch waren vor nunmehr zehn Jahren eigens nach Bozen gefahren, um sich die Sauna direkt vor Ort anzuschauen, und um sie selbst zu testen. „Wir waren von Anfang an von der Anlage überzeugt”, erinnert sich Fink. Und sie seien es noch heute. Zwar sei der Wartungsaufwand der Schneesauna im Vergleich zu den anderen Saunen höher, aber das liege nun mal in der Natur der Sache. So sei man beispielsweise nicht davor gefeit, dass die Zuluft und die Abluft vereise. Wenn der Luftstrom allerdings nicht richtig fließe, könne allein das zu Problemen führen.
Auch das Gerät, das die Kälte und damit letztlich den Schnee erzeuge, müsse regelmäßig abgetaut werden, damit es nicht einfriere. Dafür sei Koch zufolge ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl notwendig. Genauso wie für den gesamten Betrieb der Anlage, deren Herzstück im Keller untergebracht worden ist. Denn das dort platzierte Aggregat, mit dem die Kälte erzeugt wird, ist extrem laut. Im Thermen-Untergrund indes stört es niemanden. Hier kann es auch ungestört vom Saunabetrieb gereinigt oder repariert werden.
Auf diese Weise kann der Gast die Wirkung der Schneesauna voll und ganz genießen. Ihr Sinn ist, dass man nach einem rund 15-minütigen Saunaaufenthalt bei Temperaturen von 80 bis hundert Grad, sanft abkühlen kann. „Das ist für den Körper schonender, als wenn man sich unter einen kalten Wasserschwall stellt, was eher einem Schockerlebnis gleicht”, sagt Fink. Frauen sollen maximal fünf Minuten in der Schneesauna verweilen, Männer maximal acht Minuten. Wer mag, darf auch Mütze und Handschuhe anziehen. Als mögliche Wirkungen werden genannt: Blutgefäßtraining, Muskelentspannung, schmerzstillend, verbessert die Sauerstoffversorgung, wirkt hautstraffend und Schlafstörungen entgegen, außerdem verbessert es bei Rheuma die Gelenkbeweglichkeit und stärkt das Immunsystem.
Der Schnee gleicht dem, der von Beschneiungskanonen auf einer Skipiste produziert wird. In die Schneesauna der Franken-Therme werden die Flocken eingeblasen, so dass in der Kammer kurzzeitig ein richtiger Schneesturm herrscht, erklärt der Geschäftsführer. Damit niemand ausrutscht, werde der Steh-Bereich regelmäßig geräumt, ganz so wie im Winter die Gehwege und Straßen. „Das dient der Sicherheit unserer Saunagäste.”
Rund 150.000 Euro hatte der Bau der Sauna vor zehn Jahren gekostet. Darin enthalten war auch die Umgestaltung des Bereiches, in den die Anlage integriert worden ist. Es ist eine Winterlandschaft mit viel Schnee, Eiszapfen, kahlen Bäumen und ein paar Bergen. Entworfen und umgesetzt hat die Szenerie Alfons Schraml aus Waldershof (Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz). Der Künstler hat sich auf Wand- und Illusionsmalerei spezialisiert. Sein Werk in der Therme hat er signiert und auf den 27. Mai 2015 datiert.
Doch nicht nur wegen der Schneesauna lohnt ein Thermenbesuch während der Spätommer- und Herbstzeit, betont Fink. „Bei uns hat man mit Strandkörben, den kleinen Gärten als Ruheoasen und Sonnenschirmen schnell ein Urlaubsgefühl.” Und im Wellnessbereich gibt es speziell auf die jeweilige Jahreszeit zugeschnittene Angebote. Geleitet wird der Bereich von Sandra Weber. Sie zeigt „arktische Glaskugeln”. In denen schwappt eine blaue Flüssigkeit hin und her. Bevor sie in der Massage eingesetzt werden, kommen sie in den Kühlschrank. „Das sorgt für einen Frische-Kick, ist belebend und fördert die Durchblutung.” Schwere und geschwollene Beine indes freuen sich Weber zufolge über „kühlende Wickel”, die mit einer Algen-Kampfer-Menthol-Lösung angereichert werden.
In der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 30. Juni haben insgesamt 209.169 Gäste die Franken-Therme besucht. Das sind 6335 weniger als im Vorjahr. Die Monate mit weniger Besuchern als in 2024 waren der Februar (minus 4576), der April (minus 1894) und der Mai (minus 1974). Im Juni hingegen wurden 1372 Besucher mehr gezählt als im selben Monat des vergangenen Jahres, im Januar waren es 331 mehr und im März wurde ein Plus von 406 Besuchern gezählt.
Im Saunabereich sind in der ersten Hälfte dieses Jahres insgesamt 61.503 Gäste erfasst worden, im vergangenen Jahr waren es 63.479. Das sind 3,1 Prozent weniger Saunagäste. Thermen-Geschäftsführer Fink ist aber optimistisch, dass der Besucherstrom in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 noch einmal anziehen wird. Schließlich würde es die Menschen erfahrungsgemäß eher in den kalten Herbst- und Wintermonaten in die Solebecken ziehen.