Gemeinsam Kuchen essen, ins Gespräch kommen und einen schönen Nachmittag verbringen: Gelegenheit dazu hatten Einheimische und Geflüchtete in Burgoberbach beim Café International. Veranstaltet hat es bereits zum dritten Mal der Helferkreis, der im Ort die Geflüchteten betreut.
Was war das nicht für eine Aufregung im Juli 2023: Auf die Nachricht, dass gegenüber der Grundschule eine Asylbewerber-Unterkunft entstehen soll, reagierte ein Teil der Bevölkerung mit Ablehnung – und machte dieser auch lautstark Luft.
Am 12. September kamen dann tatsächlich die ersten Geflüchteten in Burgoberbach an. Zwei Jahre später zeigt sich: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Neuankömmlinge von damals haben sich nach Auskunft des Helferkreises gut integriert. „Wenn man von Anfang an die Menschen an die Hand nimmt, kann Integration gelingen”, meint Norbert Hauer, Sprecher des Helferkreises.
Zwischenzeitlich gab es schon einige Wechsel in der Unterkunft. Die ersten Syrer, die zugewiesen wurden, seien teils schon in anderen Mietverhältnissen, einige seien auch weggezogen oder zurück in die Heimat. Neben zwei türkischen Familien mit je vier Kindern wohnen aktuell noch vier Syrer, ein Türke und zwei Afrikaner in dem Haus.
„Ein Teil kann heute nicht kommen, weil sie arbeiten”, erklärte Hauer. Die Männer seien beispielsweise im Schichtdienst bei einem Versandhandel beschäftigt. „Die sind jeden Tag elf Stunden unterwegs – fleißige Leute”, so Hauers Urteil. Auch seine Kollegin Silvia Unger schwärmte: „Es ist eine große Freude, zu sehen, wie willig sie sind, hier anzukommen und einen Beitrag zu leisten.”
Rund 50 Personen interessierten sich im August 2023 für eine Mitarbeit im Helferkreis. Sie unterstützten die Neuankömmlinge bei Alltagsproblemen, beim Beschaffen von Möbelstücken oder Fahrrädern, der Gartenarbeit oder der sportlichen Eingliederung, um nur einige Beispiele zu nennen. „Hilfe zur Selbsthilfe” sei das Motto, erzählte Hauer.
Mittlerweile besteht der Helferkreis noch aus etwa fünf bis zehn Aktiven. Einige geben Deutschunterricht, andere unterstützen bei Behördenangelegenheiten und Ärztebesuchen oder übernehmen notwendige Fahrdienste. „Wir bräuchten noch mehr Aktive”, wirbt der Sprecher.
Erfreut zeigte sich beim Café International auch Burgoberbachs Bürgermeister Gerhard Rammler darüber, dass „sich die Familien eingewöhnt haben und ein Bestandteil der Gemeinde wurden”. Er dankte Norbert Hauer und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern für die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Inzwischen sei „ein ganz großes Stück Normalität eingekehrt - bei den Familien, aber auch bei uns im Dorfleben”. Rammler bedankte sich auch bei den Geflüchteten, die sich aktiv eingebracht hätten, „damit dieses Projekt hier in Burgoberbach funktioniert”.
Auf einen Kaffee schaute auch Landrat Dr. Jürgen Ludwig vorbei. „Es gibt ein schönes Wortpaar, das heißt ‚Miteinander - Füreinander‘”, stellte er in seinem Grußwort fest. „Wenn man sich das gelegentlich durch den Kopf gehen lässt, sieht man, dass es ganz wichtig ist in der Familie, in der Gemeinde, aber auch insgesamt in unserer Gesellschaft.”
Es sei notwendig, dass man sich mit den Herausforderungen, die die Aufnahme von Geflüchteten mit sich bringe, auseinandersetze. „Da können wir nicht sagen, das geht nur andere an”, betonte der Landrat. Er dankte allen, die diese Aufgabe angenommen haben. Klaus Miosga, Kreisrat und ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter des Landkreises, bestätigte im Gespräch mit der FLZ, dass die Zahl an Zuweisungen von Asylbewerbern derzeit stark abgenommen hat. Entsprechend habe sich die Thematik auch in anderen Landkreis-Kommunen zwischenzeitlich entschärft.
Das Begegnungscafé fand diesmal in der Albrecht-von-Eyb-Grundschule statt. Die Schulkinder trugen Kinderrechte vor, andere sangen ein Lied auf Englisch – schließlich hieß die Veranstaltung ja Café International. Und dann wurde endlich, endlich das Buffet eröffnet. Die Mitglieder des Helferkreises hatten Kaffee und Kuchen, aber auch herzhafte Snacks mitgebracht. Schon den ganzen Vormittag hatten sich die Kinder Gedanken gemacht, ob sie wohl auch etwas abbekommen, war zu vernehmen. Integration geht manchmal eben auch durch den Magen.