Thomas Schwab liebt Frösche. Seit er 15 ist, sammelt er Amphibienfiguren aus Holz, Stoff und Keramik. Mittlerweile ist er in Platznot geraten und sucht Ausstellungsorte, sammelt aber trotzdem weiter.
Der Urlaub der Eltern nach Südtirol im Sommer vor 40 Jahren hatte für Thomas Schwab schwere Folgen: Er bekam als Mitbringsel nämlich einen Frosch. Den ersten von etwa 8000, die bis heute noch folgen sollten. „Weil ich den Frosch gut fand, brachten sie mir jedes Jahr einen aus dem Urlaub mit, denn in Südtirol gab es damals Geschäfte, die fast ausschließlich Froschfiguren verkauften.”
Irgendwann hat das jeder in der Familie gewusst und hat Thomas mal einen Frosch einfach so mitgebracht oder zum Geburtstag geschenkt. Dann keimte die Sammelleidenschaft auf. „Ich bin dafür schon durch die halbe Republik gefahren”, erzählt der Frosch-Experte. Eine Frau bei Leipzig zum Beispiel, musste umziehen und konnte nicht all ihre Exemplare mit in das neue Zuhause mitnehmen: „Der hab' ich 1.500 Stück abgekauft. Mein ganzes Auto voll mit Fröschen. Darunter auch ein paar Besondere. Wie zum Beispiel den „Grinch” als Frosch.”
Besonders sind eigentlich alle seine Kunstamphibien. So, wie der Michael-Jackson-Frosch. Immer, wenn Schwab in Urlaub fährt, schaut er sich im Land nach Stücken für seine Sammlung um. In Costa Rica fand er seine Art Paradies: „Da gibt's Frösche ohne Ende. Ich hab’ mir ein paar Pfeilgiftfrösche mitgenommen.” Ganz besonders findet er seinen echten, präparierten Frosch aus Kuba. Der einzige in seiner Kollektion, der jemals gelebt hat. „Den hab’ ich noch vor dem Artenschutzabkommen gekriegt. Das ist heute, glaube ich, auch nicht mehr erlaubt.” Als Thomas Schwab vor zwei Jahren persönlich auf Kuba war, hat er keine Frösche gefunden: „Da gibt’s keine mehr.”
Früher in Schaukästen in der Wohnung ausgestellt, wanderte die Sammlung schließlich in den Partykeller. Da war mehr Platz für „die mindestens 7.000, vielleicht sogar 8.000 Frösche”. In einzelne Regale verfrachtet, in denen es mittlerweile auch sehr eng zugeht. Es stehen sogar noch ungeöffnete Kartons im Raum. Schwab weiß nicht mehr, wohin damit.
Trotzdem ist er immer noch eifrig beim Sammeln. Er kauft nicht mehr alles, nur noch besondere Exemplare, betont er. In Erfurt muss er noch etwa 150 Frösche abholen. Die hat er für einen Spottpreis erstanden (30 Euro für alle). „Wenn man die Viecher verkaufen will oder muss, bekommt man kaum etwas dafür”, weiß Schwab. Es gibt keinen Markt dafür oder gar spezielle Tauschbörsen. Von einer Sammlerin mit etwa 3000 Fröschen hat er in einer Zeitung gelesen. Von einem Ehepaar, das eine 12.000 Exemplare starke Sammlung haben soll, hat er gehört. Kontakt gibt es keinen.
Auf die Frage, ob seine Frau schon mal mit Maßnahmen gedroht habe, wenn er nicht aufhöre, die Figuren anzuschleppen, muss Schwab lachen. „Nein, sie sammelt ja mit.” Und sie hat ihn ja als Sammler kennen und lieben gelernt.
Ohne Katalog oder Karteikarten geht es bei den Schwabs zur Sache. Schwab kennt jedes Exemplar im Keller. „Ich weiß ganz genau, was ich habe oder nicht. Ein paar Doppelte gibt es zwar. Aber das sind wirklich ganz wenige.”
Auch ist nicht alles Frosch, was im Partykeller hängt, steht oder liegt. Seine Mutter kennt eine Töpferin und die hat schon ein paar schöne Einzelstücke gefertigt. Als Wasserspeier für den Garten oder als Schüssel. T-Shirts hat er ein paar. Auch aus Costa Rica. Und Handtücher. In einer Ecke stehen Gemälde mit Fröschen drauf. Von einer Nürnberger Künstlerin, der Schwab die Unikate abgekauft hat. Es gibt auch noch Schürzen, Tischdecken oder Froschmagnete.
Etwas ganz Besonderes sind Schwabs Frosch-Christbaumkugeln. In der Weihnachtszeit stellt er zwei Bäume auf: den normalen und einen kleinen mit den Fröschen dran.
Bettwäsche für sein Schlafzimmer hat er keine. Das möchte er seiner Frau nicht antun. Zwar weist die Sammlung auch Bettwäsche auf, „die ist aber für Kinder und die lasse ich verpackt”. Und wo wir gerade bei den Kindern sind. „Meine Kinder sagen immer: Hoffentlich lebst du noch lange, damit wir die Frösche nicht verwalten müssen.”
Den Punkt, ab dem man nicht mehr zurückkann, hat er schon lange überschritten. „Da war ich noch nicht verheiratet und hatte bereits so viele Frösche, dass ich mir gesagt hab': Ich sammle einfach weiter.” Seine Jagd brachte ihn zu einer Frau nach Landshut. Sie hatte eine Sammlung von ihrem frisch von ihr geschiedenen Ehemann und wollte sie unbedingt loswerden. „Sie war etwas in Geldnot und hat mir einen ganzen Wäschekorb voller Frösche verkauft.”
Und so oder ähnlich geht das munter weiter. Freunde bringen Frösche mit, manchmal sieht er ein günstiges Angebot im Internet oder er findet, wie schon passiert, Froschfiguren im Wertstoffhof.
„Ich fände es schön, wenn ich wenigstens einen Teil davon zeigen könnte. Im Schaufenster eines geschlossenen Geschäftes oder ähnlichem. Die brauchen ja kein Licht oder Heizung. Aber ich brauche ein bisschen Platz.”
Wer Thomas Schwab eine Ausstellungsmöglichkeit bieten kann oder mit ihm ins Gespräch kommen möchte, kann dies per Mail unter thomasschwab1@t-online.de tun.