Die Teamkollegen von Jeffrey Gouweleeuw um Youngster Juma Bah standen längst unter der Dusche, da stapfte der neue Bundesliga-Rekordspieler des FC Augsburg immer noch in seiner Arbeitskluft von Interview zu Interview. Der 35 Jahre alte Niederländer stand nach dem 1:1 (0:0) gegen Union Berlin in Ermangelung eines Matchwinners anfangs im Blickpunkt.
Der Kapitän sprach nach seinem 275. Erstliga-Einsatz von „Stolz“ und einer Rekordmarke, „die mir sehr viel bedeutet“. Trainer Manuel Baum wiederum sprach von einer „Mega-Leistung“ des nicht mehr gesetzten Kapitäns, der seit zehn Jahren für die Fuggerstädter in der Fußball-Bundesliga aufläuft.
Doch Gouweleeuws besonderer Tag und das nun schon fünfte sieglose Spiel des mit zwei Siegen und als erstmaliger Tabellenführer so furios in die Saison gestarteten FCA wurden im Laufe des Abends zur Nebensache. Denn Stunden nach dem Heimspiel veröffentlichte der Verein eine Stellungnahme.
Der 20 Jahre alte Abwehrspieler Bah aus Sierra Leone wurde nach seiner Roten Karte auf Instagram „auf widerwärtigste Weise rassistisch beleidigt und mit dem Tod bedroht“, wie der FC Augsburg entsetzt mitteilte. „Wir sind erschüttert über diesen Hass“, schrieb er in den sozialen Netzwerken.
Es gab zahlreiche Kommentare. Gegner Union versah das Statement auf X mit einem roten Ausrufezeichen. Bei Instagram schrieben die Berliner: „Wichtiges Statement!“ Weitere Bundesligisten solidarisierten sich. Augsburgs Torschütze Han-Noah Massengo versicherte Bah die totale Unterstützung des Teams: „Wir sind bei dir Bruder“, postete der Franzose auf Englisch, versehen mit einem Herz. Gouweleeuw bezog mit einem „NO to racism“ ebenfalls klar Position.
Was war passiert? Die Augsburger spielten nach einer Roten Karte für den ehemaligen FCA-Profi Felix Uduokhai in der 19. Minute lange in Überzahl, bis Bah nach einem groben Foulspiel ebenfalls Rot sah (63.). Der Vorteil war dahin. Trotzdem ging der FCA in Gleichzahl durch einen Kopfball von Massengo in Führung (71), bevor Janik Haberer nur drei Minuten später den Ball zum 1:1-Endstand ins FCA-Tor stocherte.
Der Unmut der Rassisten entlud sich auf Instagram an Bah. Nach Angaben des Vereins wurde auch die Familie des Abwehrtalentes bedroht, den der FCA von Manchester City ausgeliehen hat. „Wer einen unserer Spieler rassistisch beleidigt oder bedroht, greift nicht nur einen Einzelnen an, sondern die Werte unserer gesamten FCA-Familie. Egal, welche Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Nationalität - jeder Mensch verdient Respekt, Würde und Sicherheit“, schrieben die Augsburger.
Die Club-Führung will es zudem nicht bei der öffentlichen Empörung belassen. „Wir werden diesen Vorfall konsequent zur Anzeige bringen und alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte prüfen“, hieß es. Der letzte Satz der deutlichen Stellungnahme lautete: „Wir stehen geschlossen hinter Dir, Juma!“
Bevor das Rassismus-Thema um Bah alles andere in den Schatten stellte, hatten die Augsburger noch mit dem Ergebnis und auch ihrer Leistung während der 44 Minuten langen Überzahl gehadert. „Wir müssen das viel besser ausspielen“, meinte Gouweleeuw, der früh zu seinem Rekordspiel gekommen war, als er den am Kopf verletzten Calvin Brackelmann ersetzte. Der Abwehrspieler musste nach einem heftigen Zusammenprall mit Uduokhai mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden.
„So richtig weiß ich mit dem Punkt nichts anzufangen“, sagte Baum in der Spielanalyse. Es fehlte in Überzahl die Kreativität. Das Spiel zu machen, ist keine FCA-Stärke. „Da muss mehr rausspringen“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber und befand: „Wir schaffen es gerade nicht, die Ergebnisse zu ziehen.“
Ist es eine Ergebnisdelle? Oder der Beginn einer Krise? Auf diese Frage reagierte Gouweleeuw, der Daniel Baier (274 Bundesliga-Einsätze) als Rekordspieler ablöste, ziemlich erstaunt: „Krise? Jetzt schon?“
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