Nein, zum 30. Jubiläum des Streits um den Ipsheimer Bahnübergang wird es nicht mehr kommen: Noch in diesem Jahr soll die Beschrankung der Übergänge an der Hohenecker Straße und an der Waldstraße fertiggestellt werden. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Hans Herold (CSU) zeigt sich darüber „sehr glücklich“.
Wen fragt man, wenn es um die Geschichte der Ipsheimer Bahnübergange geht? Richtig: Hans Herold. Der hat dieses Thema in den vergangenen knapp 30 Jahren immerhin zu seinem gemacht: Er kämpfte für die Schranken, führte Gespräche und schrieb Briefe. Viele Briefe.
Begonnen haben Herolds Aktivitäten für die Schranken an den Ipsheimer Bahnübergängen im Jahr 1996, als er noch frisch Bürgermeister in Ipsheim war. Während seiner Amtszeit und auch danach ereigneten sich an den unbeschrankten Bahnübergängen immer wieder auch teils schwere Unfälle. „Auch wenn man als Bürgermeister dafür nicht direkt zuständig ist. Die Bürger kommen zu einem und wollen, dass du was unternimmst“, unterstreicht Herold.
An der B470 zwischen Ipsheim und Oberndorf ging es dann schnell: Ein tödlicher Unfall brachte Bewegung in die Debatte. „Die Aktivitäten vorher haben uns da natürlich geholfen.“ Für Herold war ohnehin klar: An die B470 müssen Bahnschranken. Bei den beiden anderen Übergängen in Ipsheim selbst sollte es dann aber noch länger dauern.
Seinerzeit sah die Finanzierung noch wie folgt aus: Bund, Bahn und Straßenträger, also im Ipsheimer Fall Gemeinde oder Landkreis, sollten sich die Kosten teilen. Im Kreishaushalt, so der Landratsstellvertreter, hatte es jahrelang einen eigenen Posten für die Schranken gegeben. Aber das Geld wurde nie abgerufen – die Arbeiten ließen auf sich warten. Der Leiter der DB-Regionalnetze Thomas Engel hatte dies wie folgt begründet: Die Bahn könne bei 1647 Bahnübergängen in Bayern nicht bei jedem Unfall sofort reagieren.
Etliche Unfälle folgten: Es passierte nichts. Zahlreiche Schreiben gingen an die Deutsche Bahn: Es passierte nichts – sehr zum Ärger von Herold, der mit zwei Brandbriefen an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn, Klaus-Dieter Josel, reagierte. Mit ihm hatte Hans Herold seit seinem Einzug in den Landtag sehr häufig Kontakt: „Er hat immer versucht, Lösungen zu finden.“
Trotzdem hatte es lange gebraucht, die Bahn zu überzeugen. Die DB-Vertreter lenkten aber irgendwann ein und installierten erste Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise Warnschilder und eine Tempobeschränkung. Außerdem wurde das sichteinschränkende Funkschalthaus abgebaut. Aber auch damit war der Ipsheimer nicht gänzlich zufrieden.
Die Bahn lenkte ein, stellte 2015 die Inbetriebnahme neuer Signalanlagen samt Schranke für 2018 in Aussicht. Aber der Termin verschob sich weiter. Weitere Jahre vergingen, weitere Unfälle passierten: 2019 wurden dann tatsächlich die Planungen aufgenommen. Aber: Intern sei nicht alles richtig gelaufen, hatte die DB seinerzeit eingeräumt. Unterlagen bliebe lange unbearbeitet liegen, das Projekt wurde ausgebremst.
August 2024: Aktuell laufen die Bauarbeiten für den Ausbau des Bad Windsheimer Bahnhofs, der barrierefrei wird. In diesem Zuge sollen dann auch die neuen Signalanlagen mit den Schranken in Ipsheim installiert werden. Die Inbetriebnahme der Schranken soll noch vor Jahresende erfolgen. Beides soll Ende November/Anfang Dezember abgeschlossen sein, betont Herold im Gespräch mit unserer Redaktion.
Und etwas Positives hat die Verzögerung auch: Mittlerweile gab es eine Änderung bei der Finanzierung. Die Kosten für die Signalanlagen teilen sich nun Bund und Bahn – Landkreis und Gemeinden müssen nichts mehr zuschießen.
Die „absolute Verkehrssicherheit“ durch die Schranken dürfte sich auch positiv auf die Sicherheit des Schulwegs einiger Kinder auswirken, der entlang des Bahnübergangs verläuft. Weitere Vorteile bietet die Beschrankung außerdem für Autofahrende auf der B470: Die Wartezeit an der Schranke bei Oberndorf wird sich erheblich verkürzen, sagt der ehemalige Landtagsabgeordnete. Und auch die Bahnfahrenden aus Nürnberg dürfen sich freuen: Bislang verpassen sie am Neustädter Bahnhof immer wieder die Bahn in Richtung Steinach.
Der Grund: Der Regionalexpress aus Nürnberg ist häufig verspätet. Allerdings kann die Aischtal-Bahn, um den Fahrplan einhalten zu können, nur kurz warten. Das könnte sich laut Herold nun ändern: Da die Aischgrundbahn an den beschrankten Bahnübergängen nun schneller fahren darf, braucht er entsprechend weniger Zeit für dieselbe Strecke. Das gibt einen Zeitpuffer, den Hans Herold auf rund fünf Minuten schätzt.
Am Donnerstag schickte unsere Redaktion einen Fragenkatalog zu diesem Thema an die Deutsche Bahn. Eine kurzfristige Antwort war allerdings nicht möglich, ein Sprecher erbat sich mehr Zeit, Antworten soll es im Laufe der nächsten Tage geben.
Der Kampf um die Ipsheimer Bahnschranken war lange und zäh. 27 Jahre nachdem das Thema das erste Mal im Ipsheimer Gemeinderat aufkam, ist es bald also endlich so weit: In Ipsheim werden beide ortsinneren Bahnübergange nicht nur eine Lichtanlage, sondern auch Schranken bekommen. Entsprechend groß ist die Freude jetzt bei Hans Herold: „Wir haben nicht aufgegeben und nun sind wir endlich am Ziel.“