Das Jahr 2024 ist ein besonderes. Denn am 20. September findet wieder nach zehn Jahren die Osingverlosung statt. Der Auftakt erfolgte beim Osingfest mit dem Zuwürfeln der Osingzeichen an die vier Ortschaften.
„Es war einmal“ – so beginnen die meisten Märchen. Mit diesen Worten könnte auch die Sage um die Kaiserin Kunigunde und den Osing anfangen. Diese Geschichte gehört aber nicht der Vergangenheit an, sondern wird von engagierten Menschen lebendig gestaltet. „Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern das Aufrechterhalten der Flamme“ ist ein Zitat wohl von Thomas Morus, welches später auch anderen zugeschrieben wurde. Von wem auch immer, es trifft die Arbeit des Vereins zur Osingdokumentation.
„Die Flamme unserer Tradition brennt dieses Jahr besonders hell“, sagte Vereinsvorsitzende Carina Thal, die von 2012 bis 2015 als vierte Kaiserin Kunigunde den Osing repräsentierte, bei der offiziellen Eröffnung des Festes.
Ihre Freude war groß, dass trotz regnerischen Wetters viele Menschen den Weg auf den Osing gewagt hatten. „Dies zeigt, wie einzigartig und wichtig unser Osing im gesamten Landkreis und darüber hinaus ist.“ Auch aus der Stadt Mainbernheim im benachbarten Landkreis Kitzingen war mit Bürgermeister Peter Kraus und Alt-Bürgermeister Karl Wolf an der Spitze eine Gruppe gekommen. Auf deren Gemarkung liegt die Wüstung Rügerrieth – einst selbst eine Ortschaft. Sagen ranken sich um das Gebiet, eine erzählt von einer Frau, die sich auf dem Gebiet verirrt hatte. Der Klang von Kirchenglocken habe sie wie einst Kaiserin Kunigunde gerettet. Die Folge: Karl Wolf bringt immer wieder die Rügerrieth-Glocke zum Osing.
Für Tatjana Feindert, die schon seit sechs Jahren die Kaiserin Kunigunde verkörpert, war es das letzte Osingfest in ihrer Amtszeit. Sie wird das Ehrenamt noch in diesem Jahr weitergeben. Sie erinnerte an die Osinggeschichte und spannte den Bogen zur Osingverwaltung, an deren Spitze Obmann Günther Rabenstein steht. Für besagte Verwaltung beginnt nun kurz vor der Verlosung der einzelnen Flächen ein sehr arbeitsreicher Abschnitt. „Durch den Verein und die Verlosung lebt auch die Kaiserin Kunigunde weiter“, erklärte Feindert.
Obmann Rabenstein erläuterte den Gästen alles rund um die Osingverlosung für die Orte Herbolzheim, Krautostheim, Rüdisbronn und Humprechtsau. Alle zehn Jahre findet die Verteilung der 274 Hektar großen Fläche mit den 213 Rechten statt. In diesem Jahr gibt es laut Rabenstein 141 Rechtler. Falls Höfe in den Ortschaften aufgegeben würden, könnten andere aus dem Ort die Rechte übernehmen. „Die Fläche bleibt im jeweiligen Ort“, versicherte Rabenstein.
Er warf die Hülsen mit den Würfeln, mit denen jedem Osingdorf und jedem Feldstück die Osingzeichen zugewürfelt werden. Die jeweiligen Ortsvertreter der Osingverwaltung hoben eine der Hülsen auf. Das große Kreuz hat nun Herbolzheim, das kleine Kreuz Rüdisbronn. Das Zeichen für Krautostheim ist jetzt die Pflugschleife, Humprechtsau hat den Pferchschlegel. Danach fand noch ein Schauvermessen statt.
Lob und Dank für die Erhaltung des in Europa einzigartigen Kulturerbes kamen vom Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler, vom Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl und von Sugenheims Bürgermeister Anton Schiefer. Landrat Dr. Christian von Dobschütz hatte einen Scheck über 1000 Euro für den Verein dabei. Landtagsabgeordneter Werner Stieglitz wies auf den Fotowettbewerb des bayerischen Heimatministeriums zum Thema „Immaterielles Kulturerbe. Sichtbar lebendig.“ Er hoffte, so Stieglitz weiter, dass Bilder vom Osing zu den Siegerarbeiten zählen.
Zum Verlosungsjahr 2024 gibt es ein Osingfestbier. Es sei durch und durch regional, informierte die Vereinsvorsitzende Thal – „ich finde es einfach genial“, schwärmte sie. Die benötigte Braugerste, deren Saatgut vom Saatzuchtbetrieb Streng (Aspachof bei Uffenheim) stammt, wurde von drei Osingrechtlern auf dem Osing im Jahr 2023 angebaut. Die Idee dazu hatte bereits vor zehn Jahren der Herbolzheimer Jannick Schwemmer.
Gebraut hat das Bier die Brauerei in Pahres. Deren Chef Georg Hofmann informierte, dass das Bier erst kürzlich in Flaschen und Fässer abgefüllt worden sei. Es sei ein echtes fränkisches Festbier mit 13,4 Prozent Stammwürze und 5,7 Prozent Alkoholgehalt. Der Hopfen für das bernsteinfarbene Bier sei die geschützte Sorte Aischgründer Hopfen. Dazu gibt es einen passenden Krug mit der Aufschrift „Osingverlosung 2024“. In den vier Osinggemeinden kann es am Freitag, 23. August, im Kasten erworben werden.
Beim Osinghaus gibt es auch noch eine neue Bank aus Lärchenholz, da die alte in die Jahre gekommen ist. Geschaffen und mit einer Inschrift versehen hat sie der Schreiner Hans Grau.