Einzigartig im Landkreis: Uehlfelder Mittelschule mit Inklusionsprofil ausgezeichnet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.11.2024 15:30

Einzigartig im Landkreis: Uehlfelder Mittelschule mit Inklusionsprofil ausgezeichnet

Ein Teil des Uehlfelder Inklusionsteams der Veit-vom-Berg-Schule (von links): Schulsozialpädagogin Christina Oehl, Lehrerin Daniela Schmidt, Konrektorin Corinna Fischer und Rektorin Silke Schür. (Foto: Johannes Zimmermann)
Ein Teil des Uehlfelder Inklusionsteams der Veit-vom-Berg-Schule (von links): Schulsozialpädagogin Christina Oehl, Lehrerin Daniela Schmidt, Konrektorin Corinna Fischer und Rektorin Silke Schür. (Foto: Johannes Zimmermann)
Ein Teil des Uehlfelder Inklusionsteams der Veit-vom-Berg-Schule (von links): Schulsozialpädagogin Christina Oehl, Lehrerin Daniela Schmidt, Konrektorin Corinna Fischer und Rektorin Silke Schür. (Foto: Johannes Zimmermann)

In Zeiten von Lehrermangel 23 Wochenstunden zusätzlich zu haben, um Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu betreuen, das ist „nicht selbstverständlich“, betont Veit-vom-Berg-Schulrektorin Silke Schür. Doch in Uehlfeld ist genau das jetzt der Fall: Die Mittelschule wurde vom Kultusministerium mit dem Inklusionsprofil ausgezeichnet. Stolz ist man darauf – und nutzt die Vorteile.

Strahlend stellt Schür Mitglieder ihres Inklusionsteams vor. Ihre Stellvertreterin Corinna Fischer spricht von einem „Riesenglück“. Wegen des Inklusionsprofils arbeiten dort nun mehrere Förderschullehrer, die vor allem bei der Betreuung von Kindern mit Einschränkungen besonders geschult sind. „Sie bringen ein Know-how mit, das normale Lehrkräfte gar nicht haben“, sagt Fischer. Die Veit-vom-Berg-Mittelschule zählt 17 Kinder mit Förderbedarf – gut ein Fünftel der Gesamtschülerschaft.

Bislang einzigartig im Landkreis

Uehlfeld sei als Standort für die inklusive Mittelschule perfekt, da sind sich die Frauen einig. Denn bisher mussten solche Schüler aus dem östlichen Landkreis bis nach Bad Windsheim fahren. Mit weiteren Haltestationen dauerte die Fahrt im Kleinbus gut 75 Minuten – einfach. Für Kinder mit sozial-emotionalen Problemen kann das zur Tortur werden. „Das hat für uns auch die Motivation erhöht, das Inklusionsprofil zu beantragen“, so Fischer. Schließlich hatte die Veit-vom-Berg-Schule die Zahlen – und bereits einige Konzept-Ideen im Kopf.

Das Kultusministerium gab der Uehlfelder Einrichtung den Zuschlag. Sie ist damit die bislang einzige Mittelschule im Kreis mit diesem Schwerpunkt. Pro Landkreis soll es auch nicht mehr als eine geben, entsprechend wird es wohl ein Uehlfelder Alleinstellungsmerkmal bleiben. Silke Schür lobt in diesem Kontext ausdrücklich die neue bayerische FW-Kultusministerin Anna Stolz. Diese lege einen Schwerpunkt auf Inklusion und soziale Teilhabe. „Wir sind da sehr dankbar dafür.“

Zwei treibende Faktoren

Zumal die Zahl der Schüler mit Förderbedarf tendenziell eher steige. Schür sieht dahinter vor allem zwei treibende Faktoren: Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen habe viele Jugendliche in ihrer Entwicklung gehemmt, hinzu kämen generelle gesellschaftliche Tendenzen.

Und Förderschullehrer erkennen schlicht mehr Fälle. Lehrerin Daniela Schmidt betont jedoch, dass es nicht darum gehe, jetzt möglichst viel Förderbedarf zu diagnostizieren. Vielmehr sollte jedes Kind und jeder Jugendliche der Mittelschule (Jahrgangsstufe fünf bis neun) individuell bestmöglich gefördert werden – das gelte auch für die Regelschüler.

Damit das Schulprofil „Inklusion“ keine leere Worthülse bleibt, hat sich das Kollegium viele Gedanken gemacht und ein Konzept erarbeitet, das auf drei Säulen fußt. Schmidt betont, dass niemand die Bemühungen als lächerlich abgestempelt habe, alle hätten „gute Ideen eingebracht“.

Ein Trainingsraum als eine Maßnahme

Säule eins ist dabei ein „Trainingsraum“. Jeder Lehrer habe das Recht, störungsfrei unterrichten zu können, und jeder Schüler auf einen störungsfreien Unterricht. Schmidt erklärt das Ganze mit dem Begriff der „neuen Autorität“. Die Kinder werden ermahnt, dürfen aber auch selbst entscheiden, sich eine Auszeit im Trainingsraum zu nehmen. Nach drei Ermahnungen oder bei auffällig aufgedrehten Schülerinnen und Schülern können Lehrer sie aber auch aktiv dorthin schicken.

Eine Lehrkraft, die per Dienstplan eingeteilt wird, hat stets das Handy einstecken und wird informiert. Wenn sie für das Zimmer gerade nicht gebraucht wird, unterstützt sie in Klassen mit hohem Förderbedarf. Der Trainingsraum existiert nun seit wenigen Wochen – und wurde bislang täglich meist sogar von mehreren Schülern genutzt.

Gemeinsam Strategie entwickeln

Es gehe aber nicht darum, das Kind zu bestrafen, vielmehr soll gemeinsam eine Strategie entwickelt und das Verhalten reflektiert werden. Denn, so Schür: „Viele Kinder mit Förderbedarf verstehen gar nicht, was sie falsch gemacht haben.“ Schließlich stecke (meist) kein böser Wille dahinter.

Sollte dasselbe Kind dreimal auf Lehreranweisung im Trainingsraum landen, werden die Eltern per Brief informiert; nach dem vierten Mal gibt es ein gemeinsames Gespräch. Konrektorin Fischer erklärt, dass es sich dabei um eine Art runden Tisch handelt. „Es sollen alle an einem Strang ziehen und eine Lösung finden.“ Mit Christina Oehl habe man für solche Fälle auch eine Schulsozialpädagogin mit im Boot – ein vielseitiges Team. Hinzu kommen noch die beiden Förderschullehrerinnen Andrea Steinlein und Anna-Lena Gös.

Säule Nummer zwei im Konzept ist der „Lernbaustein“, so Fischer. Es wurde ein Betreuungsteam gegründet, für Schüler, die vieles eben nicht beim ersten Mal verstehen. Diese werden dann individuell noch einmal im kleinen Kreise unterrichtet, während die Regelschüler selbstständig Aufgaben lösen. Die traditionelle Klassenzimmerstruktur wird also aufgelöst.

95.000 Euro für Anschaffungen

Dieser Teilbereich steht in direktem Zusammenhang mit der dritten Säule: baulichen Maßnahmen. Der Schulverband hat hierfür 95.000 Euro zur Verfügung gestellt. Nun wurden spezielle Möbel bestellt, die im März geliefert werden sollen. Stehtische, Wackelhocker, Tische für Bodenlieger. Jedes Kind soll so arbeiten, wie es am meisten Spaß macht. Schmidt hat beispielsweise bereits für ihre Klasse Kopfhörer angeschafft, um die Konzentration zu stärken, und kleine Sichtschutzwände, um Lernschwache von Umwelteinflüssen abzuschirmen.

Außerdem plant Oehl noch zwei separate Angebote – eine Kreativ- und eine Backgruppe. Denn Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf hätten in diesen Feldern häufig Stärken. Für diese werde ein eigener Lehrplan erstellt, betont das Quartett im Gespräch. Eines sei auch klar: „Nicht jeder Schüler wird seinen Quali machen.“ Man möchte aber jeden auf seinem Weg begleiten.

Die Uehlfelder sind sich einig: „Wir sind stolz, dass wir so ein Inklusionsteam haben. Unsere Rahmenbedingungen sind toll.“ Die finanzielle Unterstützung der drei VG-Bürgermeistern und den Gemeinden des Schulverbands – „das ist schon super“, sagt Fischer. Schür ergänzt: „Das ist so nicht üblich und wirklich etwas Besonderes.“

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