Einmalige Aktion: Deutsche Bahn macht den Bahnhof Ansbach zum Konzerthaus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.08.2024 18:00, aktualisiert am 22.08.2024 15:45

Einmalige Aktion: Deutsche Bahn macht den Bahnhof Ansbach zum Konzerthaus

Derzeit Baustelle, demnächst für einen Tag ein Konzertort: der Bahnhof Ansbach. (Foto: Thomas Wirth)
Derzeit Baustelle, demnächst für einen Tag ein Konzertort: der Bahnhof Ansbach. (Foto: Thomas Wirth)
Derzeit Baustelle, demnächst für einen Tag ein Konzertort: der Bahnhof Ansbach. (Foto: Thomas Wirth)

Der Ansbacher Bahnhof wird zum Konzertsaal: Die Deutsche Bahn lädt für 18. September zu Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ ein. Interpretieren werden es ein Jazz-Ensemble um den Kontrabassisten Haggai Cohen-Milo und zwei Spoken-Word-Künstler. Zuvor kann es passieren, dass menschliche Pinguine herumwatscheln.

Mit dem „Lied von der Erde“ tourt die Kunst- und Konzertreihe „Station to Station“ zwischen 16. und 24. September deutschlandweit durch Bahnhöfe. Stationen sind, so die Deutsche Bahn (DB) in ihrer Pressemitteilung: Karlsruhe, Ansbach, Leipzig, Braunschweig und Hagen.

Beim Auswahlprozedere der Konzertstandorte wollte die DB „eine gute Abdeckung verschiedener Bundesländer gewährleisten“, erläuterte eine Sprecherin des Unternehmens. Das Ansbacher Konzert ist das einzige in Bayern. Gleichzeitig sollten alle Rahmenbedingungen für eine Konzertveranstaltung erfüllt sein. „Für den Ansbacher Bahnhof“, so die Auskunft, „sprach seine sehr schöne neu gestaltete Empfangshalle.“

Spätromantischer Liederzyklus neu gesehen

Ausgangspunkt des Konzert-Projekts ist der Liederzyklus „Das Lied von der Erde“. Geschrieben hat ihn Gustav Mahler, einer der wichtigsten Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das rund einstündige Werk ist für zwei Vokalsolisten und großes Symphonieorchester gedacht. Es ist das vorletzte Werk, das Mahler vollenden konnte. Uraufgeführt wurde es 1911 ein halbes Jahr nach seinem Tod.

Auszüge aus Mahlers Liederzyklus sollen nun am Mittwoch, 18. September, ab 19 Uhr im Bahnhof Ansbach zu hören sein, nicht im Original, sondern als Neuinterpretation eines sechsköpfigen Jazz-Ensembles und der Rapper Stimulus und Amewu – Bezüge zu David Bowies Album „Station to Station“ inklusive. Der Eintritt ist frei.

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Das Konzept der Reihe verspricht noch mehr: Ab zwei Wochen vor dem jeweiligen Konzerttermin werde er „durch eine künstlerische Vorphase vorbereitet“, so die DB. Für jeden Bahnhof sollen spezielle Live-Acts geschaffen werden.

In Ansbach kümmert sich laut der DB zwischen 4. und 17. September darum das Gostner Hoftheater aus Nürnberg. Es will durch akustische und visuelle Performances den fortschreitenden Klimawandel thematisieren. „Reisende erleben unerwartete Szenarien wie Anzugträger, die sich in Pinguine verwandeln und über den Verlust ihres Lebensraums informieren“, nennt die Bahn-Sprecherin ein Beispiel. Ein anderes: Figuren aus der Seefahrerliteratur wie „Moby Dick“ und „Die Schatzinsel“ werden sich auf die Suche nach ihren Schiffen begeben.

Solche kleinen Episoden, die den Alltag unterbrechen, sollen nach der Vorstellung der Macher das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität und den Klimawandel schärfen.

Ein Stück für Reisende

Initiiert und organisiert haben das Programm der Konzertreihe Daniel Kühnel, der Intendant der Symphoniker Hamburg, und sein Team. „Das Lied von der Erde“, so Daniel Kühnel, „schildert eine Reise – die Reise eines jeden von uns durch das Leben. Deshalb spricht das Stück auch jeden von uns an, jeden Reisenden.“ Er sieht das Projekt als ein Plädoyer für eine Erweiterung der Basis für Menschlichkeit – dort, wo unser Alltag am alltäglichsten scheine: „Im Bahnhof wird’s Ereignis“.

Sein Abschlusskonzert gibt das Ensemble am 25. September allerdings nicht in einem Bahnhof, sondern in einem der berühmtesten Konzerthäuser der Welt: Es tritt zusammen mit den Symphonikern Hamburg in der Berliner Philharmonie auf. Dort erklingt dann Mahlers „Lied von der Erde“ in der Originalfassung, ergänzt durch Jazz-Interpretationen.

Die DB veranstaltet die Konzertreihe im Auftrag des Bundes und mit dessen Unterstützung. Seit 2022 und noch bis Ende 2024 finden laut Pressemittelung unter dem Titel „Station to Station“ unterschiedliche Kunst- und Kulturaktivitäten an Bahnhöfen in verschiedenen deutschen Städten statt: „Ziel ist es, kulturelles Engagement im öffentlichen Raum zu fördern und bildende Kunst und Musik als wichtigen Baustein für das gesellschaftliche Leben sehr vielen Menschen zugänglich zu machen.“


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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