Eine Tradition macht Uffenheimerin zur Kinderbuch-Autorin | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.12.2023 10:00

Eine Tradition macht Uffenheimerin zur Kinderbuch-Autorin

Die Uffenheimerin Isabelle Stadler schreibt Kinderbücher. Der alte Kater und die spaßigen Feldmäuse sind dabei treue Begleiter. (Foto: Johannes Zimmermann)
Die Uffenheimerin Isabelle Stadler schreibt Kinderbücher. Der alte Kater und die spaßigen Feldmäuse sind dabei treue Begleiter. (Foto: Johannes Zimmermann)
Die Uffenheimerin Isabelle Stadler schreibt Kinderbücher. Der alte Kater und die spaßigen Feldmäuse sind dabei treue Begleiter. (Foto: Johannes Zimmermann)

Die Mär vom alten Kater genießt im Hause Stadler Traditionsstatus. „Mein Vater hat mir, als ich klein war, immer Geschichten erzählt“, sagt Isabelle Stadler. Eben auch die vom alten Kater. Die Uffenheimerin trug die Erzählung in die nächste Stadler-Generation – und trägt sie mittlerweile hinaus in die Welt: Die 42-Jährige hat nun ihr zweites Kinderbuch veröffentlicht.

Die Stars im weihnachtlichen Neulingswerk: wieder der alte Kater und seine besonderen Freunde, die Feldmäuse. Dabei hat der rote Faden im Lauf durch die Stadler’schen Generationen einen entscheidenden Wandel erlebt: Während ihr Vater in seinen Erzählungen daraus eine Art Tom und Jerry gemacht hatte – Kater und Mäuse waren sich spinnefeind –, wollte Isabelle Stadler mehr Wohlfühlatmosphäre. Sie drehte den Spieß um: Der alte Kater und die Feldmäuse waren fortan beste Freunde und erlebten zusammen das eine oder andere Abenteuer.

Tochter und Sohn gaben ihr den Mut

Isabelle Stadlers elfjährige Tochter liebte diese besonderen Geschichten und liebt sie bis heute – sie ermutigte ihre Mutter eines Tages, daraus doch einen kindgerechten Kurzgeschichtenband zu machen. „Jetzt probier’s doch einfach mal“, hat die Kleine gesagt. Die Uffenheimerin zweifelt – aber probiert es. „Mir war klar: Es wird schwierig.“

Ihren Anfang wagt sie aber mit der Geschichte von Malcolm und dessen Reise durch Irland. Feen und Kobolde spielen darin eine Rolle, und eben Malcolm, ein Junge, der allein ist, und sich mit einem alten Mann anfreundet. „Ich habe mir extra zwei, drei Bücher über Irland gekauft und mich eingelesen in das Ganze“, erinnert sich Isabelle Stadler lachend. Aber es dauerte eine gewisse Zeit. Motivator Nummer eins: Sohn Jermaine – mittlerweile 20 Jahre alt.

Motivatorin Nummer zwei: Tochter Catharina. Sie pochte später auf die Geschichten vom alten Kater. „Meine Kinder haben mir den Mut gegeben.“ Mit Erfolg: Am Montag ist nunmehr der zweite Band von der Mieze und ihren Mäuse-Freunden erschienen – im freien Berliner Verlag „epubli“. Damit hat Stadler ihr Versprechen erfüllt, es noch vor Weihnachten zu veröffentlichen.

20-Jährige gestaltet die Bilder fürs Buch

Der Clou: Das Buch wird erst gedruckt, wenn es online bestellt ist – so muss die Autorin finanziell nicht in Vorleistung gehen. Mit Ulrich Beigel von der Uffenheimer Buchhandlung Seehars hat Isabelle Stadler einen großen Unterstützer gefunden, der ihre Kinderbücher auch verkauft. „Er hatte dreimal nachgefragt, wann denn jetzt endlich Band II erscheint – er steht voll hinter mir.“ Den neuesten Teil hat Beigel ebenfalls mehrfach bestellt.

Was aber darf in einem Kinderbuch nicht fehlen? Richtig: Bilder. Für den Premierenband hat Stadler dafür im Internet einen Künstler gefunden. Die Devise lautete seinerzeit: möglichst wenig Geld ausgeben. Mit dem Ergebnis war Stadler letztlich nicht so ganz zufrieden, gibt sie unumwunden zu. Für ihr Neulingswerk hatte sie eine neue Unterstützerin: Livia Zumbroich aus Uffenheim. Die 20-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung in Würzburg und hat nebenbei für Isabelle Stadler grafisch gezeichnet. Livia Zumbroich brachte ihre eigenen Ideen ein. „Wow, da wäre ich gar nicht drauf gekommen“, lautete nicht nur einmal Stadlers Reaktion. „Livia hat total Spaß dran.“

Und obwohl sich die beiden bis heute kein einziges Mal getroffen haben, passt es gut. Zwischen den Jahren wird es zum ersten persönlichen Austausch kommen, wenn Zumbroich wieder nach Uffenheim kommt.

Für Stadler steht – unabhängig vom Verkaufserfolg – jetzt schon fest: „Schreiben war mein Traum, seitdem ich klein bin. Ich könnte mir durchaus vorstellen, nur noch zu schreiben.“ Ideen hat Isabelle Stadler genügend: Quasi fertig liegt bereits ein Skript von einer kleinen Schnecke in der Schublade – ein Landei, das eine Abenteuer-Reise in die Großstadt unternimmt. „Das Schreiben ist das, was mich wirklich erfüllt.“

Aber noch braucht Stadler ihren Brotberuf: Die gelernte Friseurin ist nach Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen nunmehr medizinische Fachangestellte in der Uffenheimer Hausarztpraxis von Dr. Hendrik Lohs.

Zwischen Träumerei und Praxisalltag

Diesen Job mag sie gerne, sie liebt es, mit Menschen zu arbeiten. Wenn der Alltag dann aber doch mal wieder zu stressig wird, wirft Isabelle Stadler ihren Laptop an – raus aus der Realität, hinein in die Fantasiewelt und losschreiben. „Dann sage ich auch zu meinen Kindern: Ich bin jetzt nicht da.“ Sie selbst bezeichnet sich gerne als Träumerin.

Ihr Vorbild ist Astrid Lindgren. Über die Weihnachtsfeiertage wird sie wieder die Pippi-Langstrumpf- und Michel-aus-Lönneberga-Verfilmungen anschauen. Stadler mag diese Geborgenheit, die Lindgrens Werke ausstrahlen, aber auch die Tatsache, dass unangenehme Dinge wie der Tod nicht ausgeblendet werden. So ist es auch in ihren Werken.

Dafür stehen diese für manch absurdes Detail, beispielsweise wenn die Tiere im Wald eine Schlittschuh-Party veranstalten und der Frosch mit seinem mobilen Stand für Warmgetränke vor Ort kurzerhand einen Verkauf einrichtet.

Derzeit tüftelt sie zudem an einem Werk für ältere Jugendliche. Ein bisschen Kriminalgeschichte soll es werden, der Titel lautet „Die Ostseeperlen“. Drei Mädchen, die in den Ferien Fremden nachspionieren, die ein bisschen suspekt wirken. Ausgang: offen.

Von Isabelle Stadler wird sicher weiterhin einiges zu lesen sein. Der mittlerweile verstorbene Vater hat noch die eine oder andere Idee in ihr ausgelöst und auf die Unterstützung ihrer beiden Kinder darf die Alleinerziehende bauen. Am Ende des Gesprächs wird es noch philosophisch: „Ich bin 42 Jahre alt, aber fühle mich immer noch wie mit 20“, sagt die Uffenheimerin Isabelle Stadler. „Ich bin ein Kind in meinem Kopf – und wir sollten das innere Kind in uns nie verlieren.“

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