Eine Rektorin leitet die Jagdschule im Neustädter Landkreis | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.05.2024 12:00

Eine Rektorin leitet die Jagdschule im Neustädter Landkreis

Sonja Wachtler leitet die Jagdschule im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Ihre Terrier Fox und Alice hat sie gut im Griff. (Foto: Anita Dlugoß)
Sonja Wachtler leitet die Jagdschule im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Ihre Terrier Fox und Alice hat sie gut im Griff. (Foto: Anita Dlugoß)
Sonja Wachtler leitet die Jagdschule im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Ihre Terrier Fox und Alice hat sie gut im Griff. (Foto: Anita Dlugoß)

Ganz früher war die Jagd ein adeliges Privileg, das allerdings meist ausschließlich von Männern ausgeübt wurde. Doch heutzutage sind auch Jägerinnen ganz normal und seit Februar liegt sogar die Leitung der Jagdschule im Landkreis in den Händen einer Frau: Sonja Wachtler, im Hauptberuf Rektorin der Mittelschule Bad Windsheim.

Bereits 15 Jahre hatte sie die angehenden Waidmänner und -frauen unterrichtet – meist in den Ferien, da sie in Oberbayern ihrem Brotberuf nachging und erst kürzlich wieder – Erding verließ sie als Konrektorin – zurück nach Franken kam. „Darüber bin ich sehr glücklich“, sagt die 39-Jährige. Im Esszimmer zu Hause in Beerbach, Gemeinde Dietersheim, erzählt sie, was ihr an der Jägerausbildung gefällt.

Eigentlich ist es ja mehr ein Zimmer mit Tierpräparaten und Trophäen. Man erkennt Eisvögel, Bekassine, Marder, Habicht, Reh, Gehörne und die Zähne der Wildschweine. Auffällig ist ein kunstvolles Gesteck aus Truthahnfedern und ein Weißwedelhirsch. Den hat Wachtler in den USA/South Carolina geschossen, wo sie ein Jahr lang studierte.

Schön anzusehen ist auch ein Auerhahn, den es zu Zeiten ihres Urgroßvaters noch vor Ort gab. Ihre Leidenschaft für Hege und Jagd hat sie von ihm und von ihrem Vater geerbt, wie sie erzählt. Mit dem Papa war sie bei Treib- und Drückjagden dabei – und brachte sich schon als Kind aktiv ein. Nach dem Abitur 2004 in Neustadt hat sie den Jagdschein, das so genannte „Grüne Abitur“ gemacht. Die Prüfung hat sie im Jahr 2007 abgelegt. Die Ausbildung im Landkreis dauert ein halbes Jahr – wichtige praktische Erfahrungen mache man in dieser Zeit. Das sei, so Wachtler, wesentlich besser als der nur wenige Wochen dauernde Schnellkurs in anderen Bundesländern – vor allem in den nördlichen.


Ich bin mir sicher, dass die Handhabung der Waffen das Schwierigste ist.

Sonja Wachtler

„Die Jagd vereint ein großes Spektrum“, sagt Sonja Wachtler. Sie hat sich in den Dienst der Jägervereine Neustadt, Bad Windsheim und Uffenheim gestellt, die diese Schule gemeinsam tragen. Der Sitz ist meist dort, wo die Leitung ist.

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Seit 1975 gibt es die Schule. Sie hatte lange Zeit ihren Sitz in Bad Windsheim, zuletzt hatte Ludwig Saule in Uffenheim die Leitung. Bis zum Jahr 2023 war die Schule an den Bayerischen Jagdverein gebunden, ist aber heute unabhängig – mit eigener Satzung. Die Lehrgangs- beziehungsweise Schulleiterin Sonja Wachtler ist nicht alleine. Ihr zur Seite stehen die Stellvertreter Manfred Merz und Elfie Sappa sowie Kassierer Oswald Bayer.

„Ein kleiner Fehler kann tödlich sein”

14 Ausbilder hat die Jagdschule im Landkreis, wovon sich sechs der Waffen- und Schießausbildung widmen. Das ist das Fachgebiet I. „Ich bin mir sicher, dass die Handhabung der Waffen das Schwierigste ist. Ein kleiner Fehler kann tödlich sein“, betont Wachtler. Die entsprechende Waffenprüfung wird übrigens im Landkreis Ansbach abgenommen.

Schrot-, Kugel- und Kurzwaffen wie Revolver und Pistole gehören dazu – auch das Reinigen der Waffen. Fachgebiet II befasst sich mit der Biologie des Wildes, III mit Waffenrecht und Jagdrecht sowie Naturschutz und Hygiene. IV – das ist das Gebiet von Sonja Wachtler – dreht sich um Wildhege und „Jagdliche Praxis“. 15 Kurse gab sie bereits, etwa zwölf Personen nahmen jeweils daran teil – etwa 180 hat sie also schon unterrichtet.

Fachgebiet V dreht sich um Jagdhunde und VI um Naturschutz, Jagdbau und Landbau. Im Tiermuseum Altershausen wird die Biologie der Wildarten unterrichtet – auch das Wissen um Biber, Kormoran und Fischotter. Dies sei eine tolle Möglichkeit, das Haar- und Federwild kennen zu lernen.

Nach einem halben Jahr das Grüne Abitur

Zur Jagdlichen Praxis gehört das „Aufbrechen“ des Wildes. Wie Sonja Wachtler erzählt, benötigt man dazu gar nicht so viel Kraft. Das Fellabziehen eines Keilers, das sei schon anstrengender. „Bei so ner Sau braucht man richtig Kraft“, sagt sie. Auch das fachgerechte Ausnehmen und Vorbereiten für die Kühlung zählen zu dem, was die Waidleute bei ihr lernen.

Die Jagdschule ist für sie ein „willkommener Ausgleich“ zu ihrer pädagogischen Tätigkeit. Sie mag Menschen und die Hege – und Hunde, allen voran die Jagdhunde Fox und Alice. Das aufgeweckte Paar bezeichnet sie als Familienhunde – einer ihrer Lieblinge ist sogar Schulhund.


Die Jagd darf natürlich nicht ruhen.

Sonja Wachtler

Am Freitag, 26. April, startete ein Kurs der Jungjägerausbildung in Herbolzheim. Wenn auch noch die mündliche Prüfung gut geht, dann halten die Teilnehmer nach einem halben Jahr ihr Grünes Abitur in Händen. Das Lernen ginge anschließend jedoch weiter, sagt Wachtler.

In den ersten drei Jahren dürfen die Neulinge noch kein Revier pachten, sondern gehen in der Regel mit einem erfahrenen Jäger auf die Jagd. Und alle Reviere müssen besetzt sein. „Die Jagd darf natürlich nicht ruhen“, sagt Wachtler. Es sei sehr wichtig, dass Jungjäger nachkommen. „Mir macht es Freude, die dann später mal auf der Jagd zu sehen.“ Die Beerbacherin will ihr Wissen über die Natur ausweiten. So lernt sie das Imkern. Musikalisch wirkt sie bei den Parforcehornbläsern in Herzogenaurach mit – ebenfalls eine ehemalige Männerdomäne, doch die Frauen holen auf. Siehe Sonja Wachtler.

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