Eine Mahnwache am Samstag in Ansbach: Gewalt gegen Frauen wurde angeprangert | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.11.2025 08:00

Eine Mahnwache am Samstag in Ansbach: Gewalt gegen Frauen wurde angeprangert

Mit eindrucksvollen Erzählungen machten die Teilnehmenden der Mahnwache auf das Schicksal von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, aufmerksam. (Foto: Christina Özbek)
Mit eindrucksvollen Erzählungen machten die Teilnehmenden der Mahnwache auf das Schicksal von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, aufmerksam. (Foto: Christina Özbek)
Mit eindrucksvollen Erzählungen machten die Teilnehmenden der Mahnwache auf das Schicksal von Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, aufmerksam. (Foto: Christina Özbek)

Sie heißen Aynur, Lara oder Giséle. Sie wohnen mitten unter uns, und sie leiden mitten unter uns. Oft leise und unbemerkt – und manchmal bis zu ihrem Tod. Anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen lud Die Linke Ansbach am Samstagmittag zu einer Mahnwache am Johann-Sebastian-Bach Platz.

Auf der einen Seite bauten Schausteller schon die Buden des bevorstehenden Weihnachtsmarktes auf, auf der anderen Seite verkauften Fieranten ihre Korbwaren und andere Haushaltswaren auf dem Ansbacher Bauermarkt. Ein gewöhnlicher Samstagmittag in der Ansbacher Innenstadt. Da erklang plötzlich schrill ein Glöckchen durch das Mikrofon. Ein Glöckchen, das Aufmerksamkeit erwecken sollte für Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

„Alle vier Minuten erfährt eine Frau in Deutschland Gewalt“, stand auf einem der Plakate. „Jede Woche wird eine Frau von ihrem Mann oder Partner in Deutschland getötet“, ergänzte Denise Kießling vom Linken-Kreisverband Ansbach/Weißenburg-Gunzenhausen. Mit Unterstützung von der SPD Ansbach Stadt, dem Bündnis 90/Die Grünen, dem Jugendrat und Eltern für Ansbach e.V. machten die Frauen auf das gesellschaftliche Problem aufmerksam, indem sie Geschichten vorlasen von Frauen, die Gewalt erlebten, die unter Gewalt starben – aber auch von jenen, die der Gewalt trotzten und sich widersetzten.

Von Ehrenmord und Vergewaltigung

Diese Geschichten sind so unterschiedlich wie die Gewalt, die den Frauen widerfuhr. Da gibt es Aynur aus Berlin, die Opfer eines Ehrenmordes durch ihren Bruder wurde, nur weil sie es wagte, sich von ihrem Mann zu trennen. Oder Lara, die Frau aus der Nachbarwohnung, die täglich nett grüßte, aber zu Hause im Stillen Qualen erleiden musste, bis die Situation eines Tages eskalierte. Oder Giséle, eine Frau, die jahrelang von verschiedenen Männern vergewaltigt wurde, organisiert von ihrem eigenen Mann.

Es gibt auch die Frau mit dem roten Kleid, die dieses nur heimlich tragen darf, weil ihr Partner krankhaft eifersüchtig ist. So läuft sie täglich in grauen Kleidern, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und damit den Unmut ihres Mannes. Da ist auch die beste Freundin, die einen neuen Partner kennenlernt und sich total verändert. Sie zieht sich zurück, wird still, passt sich komplett dem Mann an. Ein junges Mädchen bekommt Komplimente über Social Media, fühlt sich verstanden, begehrt und geliebt, merkt aber nicht, dass das Gegenüber ganz andere Absichten hat.

Bessere Hilfsstrukturen und strengere Gesetze

Gewalt gegen Frauen ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Sie kann äußerliche Spuren hinterlassen, aber noch viel öfter bleiben innere Spuren. Die Gewalt passiert oft heimlich, unbemerkt, auch weil die Menschen wegschauen, sich nicht einmischen wollen oder Angst haben, eine Grenze zu überschreiten. Das müsse sich ändern, betonten die Frauen bei der Mahnwache. Fragen stellen, auf Hilfsorganisationen wie Rauhreif verweisen – das seien nur ein paar der Möglichkeiten. Man brauche bessere Hilfsstrukturen für Betroffene, striktere Gesetze für die Täter und die Unabhängigkeit der Frauen. Keine Frau soll bei ihrem gewalttätigen Partner bleiben müssen, weil sie finanziell abhängig sei, so der Tenor.

Viele Passanten blieben stehen, hörten den Geschichten zu, manche zeigten sich bestürzt, andere fühlten sich nicht angesprochen. Am Ende leuchteten neun Kerzen für die betroffenen Frauen und Mädchen auf dem Johann-Sebastian-Bach Platz. Neun Kerzen und ein Glöckchen für die zahlreichen Opfer und als Zeichen der Aufmerksamkeit.


Von CHRISTINA ÖZBEK
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