Woher stammt die Krippe, die seit einigen Jahren in der Weihnachtszeit im Bad Windsheimer Klosterchor aufgebaut wird? Nicht allen Bürgern ist das überliefert. Dr. Christiane Heunisch-Grotz, geschäftsführende Gesellschafterin bei der Bad Windsheimer Gießerei Heunisch, bringt Licht ins Dunkle.
Ihre Familie hat die Figuren vor Jahrzehnten gespendet. So steht es auch in der Ausgabe der Windsheimer Zeitung vom 2. Dezember 1987 geschrieben. „Der Weihnachtsmarkt der Stadt hat eine über 300-jährige wechselvolle Geschichte. Über Jahrzehnte hinweg gab es lediglich einen Krammarkt“, heißt es dort. Zeitweise war der Verkauf eingestellt worden. Der Platz, auf dem Buden aufgestellt worden waren, wechselte häufig. „Meistens gruppierten sie sich um das barocke Rathaus, dem Mittelpunkt“ der historischen Reichsstadt.
„Dank einer Stiftung der Gesellschafter der Windsheimer Eisengießerei Heunisch ist es möglich geworden“, im Klosterchor eine „große Krippenszene zu gestalten, die elf Meter breit und viereinhalb Meter tief ist“, heißt es in der WZ-Ausgabe weiter. Die Idee, eine Krippe zu stiften, sei damals aus der Familie heraus entstanden, berichtet Christiane Heunisch-Grotz im Gespräch mit unserer Redaktion.
Irgendwann befanden die Heunischs, dass es doch schade sei, dass der Bad Windsheimer Weihnachtsmarkt keine schöne Krippe habe. Also sprach Familienoberhaupt Wolfgang Heunisch mit den anderen beiden Ursprungsgesellschaftern: Alois Zimmermann und Gerhard Gerhäuser.
Den Hintergrund der Krippe bildete damals „die von einer Stadtmauer umgebene Reichsstadt Windsheim. Die dreiteilige reichsstädtische Kulisse wurde von Wolf Gregorczyk, erster Bühnenmaler des Stadttheaters Würzburg, gemalt und hergestellt. Vom Stallgebäude im Aischgrund bis hinauf zum Sternenhimmel misst sie dreieinhalb Meter“, wurde damals geschrieben.
Bei einem Brand sei diese Kulisse teilweise oder ganz zerstört worden, erzählt Heunisch-Grotz. Ein Nürnberger Theatermaler habe dann eine neue gestaltet. Warum diese heutzutage nicht mehr errichtet wird oder ob sie überhaupt noch existiert, das weiß die Geschäftsführerin nicht. Jochen Schauer, bei der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH für städtische Veranstaltungen zuständig, war dazu ebenso nichts bekannt.
Die 34 Zentimeter hohen Krippenfiguren aus Lindenholz habe Manfred Benisch aus Illesheim geschnitzt, heißt es in dem WZ-Artikel. „Die Krippe, in der das Jesuskind auf Stroh ruht, steht in einer Nachbildung des ältesten Bauernhauses des Kontinents, das im Original im Fränkischen Freilandmuseum aufgebaut wurde.“ Das strohbedeckte Krippengebäude sei von Ernst Stammberger aus Kaubenheim angefertigt worden. Benisch und Stammberger arbeiteten als Modellbauer bei der Gießerei, erzählt Heunisch-Grotz. „Wir hatten die Künstler quasi im eigenen Haus. Meine Lieblingsfigur ist übrigens der kleine Hirte mit dem Schäfchen.“
Tagelang hätten damals zudem Mitarbeiter der Stadt Gras, Moos, Wurzeln, Zweige und Sträucher platziert. „Selbst kleine Fichten und Föhren schafften sie aus dem Wald herbei.“ Der frühere Kurdirektor Rudolf Hundertschuh bezeichnete die Krippenszene laut der WZ-Ausgabe von 1987 als „liebenswert, anheimelnd und innig. Den Stiftern des weihnachtlichen Szenariums bescheinigte er „besten Bürgersinn“.
Eine Zeitlang wurde die Krippe auch hinter Glas in den Arkaden am Marktplatz aufgebaut, so Heunisch-Grotz. Auch das Glas habe die Firma dazu seinerzeit gestiftet, ebenso einen Wagen, in dem alles gelagert werden konnte. Insgesamt habe das Unternehmen wohl einen fünfstelligen Betrag in alles Nötige rund um die Krippe investiert. Sei einigen Jahren ist sie nun schon zurück im Klosterchor. „Wir sind überzeugt, dass die Krippe im Kloster eine ebenso schöne wie besinnliche Ergänzung zu den festlichen Feierlichkeiten darstellt“, betont Schauer.
Eine Plakette wies jahrelang auf die Stifter der Krippe hin. Schon einige Zeit ist sie allerdings nicht mehr dort zu sehen. Das findet Christiane Heunisch-Grotz nicht richtig. Es gebe jedoch schon Bemühungen seitens der Stadt, damit künftig wieder ein Hinweis zu sehen ist.
Dass sich ihre Familie durch die Krippe ein Stück weit in der Stadt verewigen konnte, begrüßt Heunisch-Grotz sehr. „Das ist ein schönes Gefühl. Ich habe jedes Jahr ein Bedürfnis einmal hinzuschauen.“ Auch in anderen Städten erhascht sie stets einen Blick auf deren Krippe und denkt sich meist: „Ja, die Krippen dort sind größer, aber bei weitem nicht so schön und herzig wie unsere. Unsere strahlt Wärme aus. Sie ist liebevoll gestaltet.“
Mit dem diesjährigen Weihnachtsmarkt zeigt sich Schauer derweil „äußerst zufrieden“. Er sei sehr gut besucht gewesen und die Gäste zeigten sich „begeistert von der festlichen Atmosphäre“. Besonders hervorzuheben sei die Weihnachtsbeleuchtung, die zu einem echten Hingucker geworden ist
Wer die Krippe im Klosterchor selbst noch anschauen will, hat dazu noch am Sonntag, 22. Dezember, von 13 bis 20 Uhr sowie am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, 25. und 26. Dezember, von jeweils 14 bis 16 Uhr die Gelegenheit.