Eine Kampfansage ans Buchstaben-Wirrwarr | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.10.2023 15:55, aktualisiert am 01.10.2023 16:45

Eine Kampfansage ans Buchstaben-Wirrwarr

Fachoberschulleiter Bernd Scheffer, Konrektorin Kristina Lunz, Beratungslehrerin Christine Kohler, Psychologe Thomas Wagner und Beratungslehrerin Ania Tkacenko (von links) freuen sich über das zusätzliche Betreuungsangebot, das die Schwarzenberger Schlossschulen ihren Schülerinnen und Schülern machen kann. (Foto: Andreas Reum)
Fachoberschulleiter Bernd Scheffer, Konrektorin Kristina Lunz, Beratungslehrerin Christine Kohler, Psychologe Thomas Wagner und Beratungslehrerin Ania Tkacenko (von links) freuen sich über das zusätzliche Betreuungsangebot, das die Schwarzenberger Schlossschulen ihren Schülerinnen und Schülern machen kann. (Foto: Andreas Reum)
Fachoberschulleiter Bernd Scheffer, Konrektorin Kristina Lunz, Beratungslehrerin Christine Kohler, Psychologe Thomas Wagner und Beratungslehrerin Ania Tkacenko (von links) freuen sich über das zusätzliche Betreuungsangebot, das die Schwarzenberger Schlossschulen ihren Schülerinnen und Schülern machen kann. (Foto: Andreas Reum)

Der Start, so sagen die Verantwortlichen der Realschule Schloss Schwarzenberg, ist geglückt. Die Bildungseinrichtung hat eigens einen Psychologen – Thomas Wagner – angeheuert: Für eine gezielte Förderung jener Schülerinnen und Schüler mit einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung.

Das unter dem Fachbegriff Legasthenie bekannte Phänomen ist weit verbreitet. Weiter jedenfalls, als das ein Laie vermuten mag. Rund hundert Betroffene zählt man an den Schlossschulen mit ihren insgesamt gut 600 Schülern. Jeder Sechste also. Das ist keinesfalls ein subjektiver Eindruck, sondern die Zahl bezieht sich auf jene Kinder und Jugendliche, bei denen dieses Problem fachlich diagnostiziert ist.

Die Fälle, so lautet der Eindruck von Konrektorin Kristina Lunz, werden tatsächlich mehr. Das könne freilich auch an einer inzwischen verbesserten Diagnostizierbarkeit liegen.

Offenerer Umgang wäre hilfreich

Etwa ein Drittel der Betroffenen an den Schlossschulen hat sich entschlossen, das freiwillige Förderangebot der Schule anzunehmen. Für den Anfang ist das recht gut, findet Verwaltungsleiterin Silke Starks, die sich zusammen mit den pädagogischen Kräften freut, dass die Mathilde-Zimmer-Stiftung als Trägerin der Schulen dieses Angebot hat.

Fachoberschulleiter Bernd Scheffer räumt ein, dass der Umgang mit der Diagnose Legasthenie noch etwas offener sein könnte. Andere Schwächen, etwa eine Sehschwäche, sind in der Gesellschaft selbstverständlicher. Eine Brille gilt als etwas völlig Normales – wobei es auch da Zeiten gab, als solche Sehhilfen als Anlass für Hänseleien missbraucht wurden.

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Legasthenie gänzlich heilen zu können, ist eher unwahrscheinlich, aber die Schwäche lässt sich in vielen Fällen durchaus gut therapieren und in den Griff kriegen, erläutert Thomas Wagner – und zwar in fast jedem Alter. Bei Grundschülern ist allerdings nicht unbedingt unterscheidbar, ob es sich etwa um ein nicht hinreichend eingeübtes Lese- und Schreibvermögen handelt oder um eine tatsächliche Störung beim Umgang mit dem Wirrwarr der Buchstaben.

Doch in dem Alter, in dem die Mädchen und Buben – in der Regel in der fünften Klasse – an die Realschule kommen, lässt sich derlei meist recht präzise diagnostizieren. Selbstverständlich, so heben die beiden Beratungslehrerinn der Schlossschulen – Christine Kohler und Ania Tkacenko – sowie auch Konrektorin Lunz hervor, wurde auch bislang bereits auf Schwächen im Umgang mit Texten geachtet. Die betroffenen Schüler und auch deren Eltern bekamen und bekommen Tipps, etwa zu Hilfsmitteln. Das dürfte wohl auch an jeder anderen Schule so gehandhabt werden, mutmaßen die Pädagoginnen.

In der Gruppe keine Scheu vor einander

Vom neuen Weg, den die Schlossschulen nun beschreiten, versprechen sich die Schwarzenberger aber zusätzliche Impulse. Zum einen hat in der Person von Thomas Wagner ein Fachmann nun einen Blick auf die Kinder. Zum anderen sehen die Mädchen und Buben in den bewusst klein gehaltenen Gruppen: Anderen ergeht es ähnlich wie ihnen. Das nimmt ihnen, so kann man hoffen, die Scheu und stärkt so ihr Selbstbewusstsein. Und ein solides Selbstbewusstsein ist bereits ein Teil des therapeutischen Ansatzes, der bei der Lese- und Rechtschreibstörung zu einer Besserung beitragen kann.

Dass es an den Schlossschulen nun dieses spezielle Förderangebot durch eine hauseigene Fachkraft gibt, sei schon etwas Besonderes – jedenfalls in einem größeren Umkreis, mutmaßen Starks und Lunz. Wagner selbst weiß jedenfalls von keiner anderen bayerischen Schule, in der dies so gehandhabt wird.

In Zeiten schwieriger Fachkräfte-Gewinnung freut sich Scheffer zudem, mit Wagner einen Experten ins Haus holen zu können, der auch als Lehrkraft für Psychologie und Pädagogik im Sozialwesen-Zweig der Fachoberschule eingesetzt wird.

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