Bürgermeister Gerhard Eichner hatte eigens eine Sondersitzung für das Baugebiet „Bergtheim West“ einberufen, zahlreiche Bürger folgten dem Aufruf ins Dorfgemeinschaftshaus „Melberei“. Gegen die Stimmen der Grünen wurde das Areal auf den Weg gebracht, das nicht gänzlich unumstritten bleibt.
0,9 Hektar, zehn Bauplätze: Sind diese Eckdaten für den Gutenstettener Ortsteil überdimensioniert? Ja, meinten mehrere Träger öffentlicher Belange und Grünen-Rätin Ursula Pfäfflin Nefian. Nein, meint die Gemeinde, die damit argumentiert, dass sich Stand heute bereits sechs Interessenten gemeldet haben. Wie vielerorts will der Dorfnachwuchs im Ort bleiben, aber im eigenen Heim wohnen. Jedoch mangelt es an Bauplätzen und Wohnraum.
„Die Gemeinde will den Bedarf decken“, meinte demnach auch Planer Uwe Härtfelder. Abwanderung soll so verhindert, junge Familien gehalten werden – vor allem auch, um den demografischen Wandel positiv zu beeinflussen. Auch führe das Bergtheimer Baugebiet keineswegs dazu, dass die Kommune ihre Innenentwicklung vernachlässige. So begründete Härtfelder, wieso besagtes Areal überhaupt nicht überdimensioniert sei. Bürgermeister Gerhard Eichner nickte zustimmend.
Weiterer Streitpunkt: eine Zisternen- und Photovoltaik-Pflicht. Der Bund Naturschutz hatte beides einmal mehr gefordert und entsprechend empfohlen, es im Bebauungsplan als Pflicht festzusetzen. Dieses Thema war tatsächlich in der Vergangenheit bereits mehrfach im Gutenstettener Rat aufgeschlagen und hatte für lebendige Diskussionen gesorgt. Die beiden Grünen um Pfäfflin Nefian hatten sich stets dafür ausgesprochen – und unterstrichen diese Forderung in der jüngsten Ratssitzung noch einmal. Die Mehrheit lehnt eine Pflicht mit Blick auf die gestiegenen Baukosten allerdings ab.
Häuslebauer hätten mit der Finanzierung ihrer vier Wände genügend Lasten zu tragen, argumentiert das Gros der Räte. Pfäfflin Nefian verweist indes auf den Gewinn, den man mit einer PV-Anlage langfristig mache. Dietmar Rückert betonte, dass ohnehin viele freiwillig Solaranlagen aufs Dach bauen – er verwies auf das Positivbeispiel Reinhardshofen. „Man muss diesen Zwang nicht jedem auferlegen.“ Der Einbau von Zisternen wird im Bebauungsplan empfohlen, die Gemeinde gewährt hierfür auch einen Zuschuss. Dabei blieb es denn auch, keine Pflicht.
Ein Bürger bat in einer Stellungnahme darum, die Planung zur Müllentsorgung dringend noch einmal zu überdenken. Vorgesehen ist bislang ein Sammelplatz für Mülltonnen. Gelbe und blaue Tonnen werden in Bergtheim allerdings am selben Tag geleert, man müsse also mit bis zu 20 Gefäßen rechnen, die aus Sicht des Anwohners niemals auf den dafür vorgesehenen Platz passen. „Ein Mülltonnenchaos (...) wäre hier vorprogrammiert.“
Härtfelder erwiderte: „Da die Müllabfuhr derzeit mit zwei Personen je Fahrzeug erfolgt, kann mit dem Fahrzeug auch rückwärts in die Erschließungsstraße des Baugebiets gefahren werden und eine Nutzung der Sammelstelle ist aktuell nicht erforderlich.“ Allerdings zweifelten einige – mit Blick auf die generelle Entwicklung an –, dass die Zwei-Personen-Lösung noch lange beibehalten werde. Der Trend gehe eindeutig in die Richtung, dass das Fahrzeug nur noch mit einem Fahrer besetzt ist, betonte nicht nur Pfäfflin Nefian. Trotzdem wurde keine Änderung beschlossen, der Sammelplatz beibehalten.
Änderung des Flächennutzungsplans und Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Bergtheim West“: Die vermeintlich letzte bürokratische Hürde nahm das Bergtheimer Baugebiet ohne Probleme – allerdings gegen die Stimmen von Ursula Pfäfflin Nefian und Silvia Gerhardt. Die Erschließung könnte also nächstes Jahr im Frühjahr starten, prognostizierte Rückert.