Am Dienstag öffnete die 73. Spielwarenmesse in Nürnberg ihre Pforten. 2354 Aussteller aus 68 Ländern, erstmals ist auch Papua-Neuguinea vertreten, stellen dieses Jahr auf der weltweit führenden Leitmesse für Spielwaren, Hobby und Freizeit aus. Auch auf Neustadt/Aisch-Bad Windsheim färbt die Großveranstaltung ab.
Der Messeveranstalter erwartet Zehntausende Fachbesucher und öffnet die Tore der Halle 7A, Modelleisenbahnen und Modellbau, am Samstag auch wieder für Endverbraucher. Aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sind in diesen Messetagen die Blicke ebenfalls in die Welthauptstadt des Spielens, nach Nürnberg, gerichtet.
„Drei Hasen in der Abendsonne“ ist der einigermaßen ungewöhnliche Name eines Spiele-Verlags in Uehlfeld, der einen Stand auf der Spielwarenmesse hat. Das Familienunternehmen mit Johann Rüttinger, seiner Frau Kathi Kappler, Tochter Lena und Sohn Paul hat seinen Sitz in einer alten Wassermühle an der Aisch und arbeitet von dort aus mit Händlern, Distributoren, Verlagen und Autoren aus der ganzen Welt zusammen.
Streng genommen gehören noch zwei Ponys, ein Hund, eine Katze und sechs Hühner zum Team in der Mühle, im Messestress ist die Tierschar größtenteils für die Entschleunigung zuständig. Die Hasen tummeln sich nur auf dem Firmenlogo oder in den Aischwiesen.
In der Mühle dreht sich das Leben rund um die bunten Spiele des Familienverlags. Der Arbeitsplatz von Johann Rüttinger ist der eines Grafikers und Spiele-Entwicklers: Schachtelmuster, Farbentwürfe, modernes Büro-Equipment, Farbstifte. Rüttinger über Rüttinger: „Ich bin nur ein ganz normaler Grafiker, der Menschen in jedem Alter zum Spielen bringen möchte.“
Den Messetrend „Kidults“, ein englisches Kunstwort für Kind gebliebene Erwachsene, die gerne spielen, lebt Rüttinger schon sein ganzes Spiele-Entwickler-Leben – einen Wert zu erschaffen, der zu schade ist, weggeworfen zu werden.
Johann Rüttinger wirkte wenige Tage vor der Messe noch entspannt: „Unser Stand auf der Spielwarenmesse ist Marke ,Eigenbau‘.“ Dass die Materialien für den Messebau einer Resteverwertung aus einem Produktionsbetrieb, einige Orte von Uehlfeld entfernt, entspringen würden, wollte der hellwache Spieleerfinder weder bestätigen noch dementieren.
Kreativität und Eigeninitiative scheinen die weiteren Vornamen von Johann Rüttinger zu sein. Irgendwann im Jahr 1970 hat den gelernten Grafiker das Spielfieber gepackt und nicht mehr losgelassen. Wenn er mit seinem Enkel ein eigenes Spiel spielt, werden Regeln erfunden. „Es soll lustig sein, es darf bei Bluff-Spielen auch mal gemein sein, aber gemeinsames Spielen ist eine Sprache, die Menschen auf der ganzen Welt verstehen.“ Ein Credo, das Johann Rüttinger täglich antreibt.
Und immer legt er großen Wert auf die umweltbewusste Herstellung, mit kurzen Lieferketten, überdurchschnittlicher Produktqualität und ökologischen Materialien.
Zurück zur Spielwarenmesse. Dort trifft sich das kleine Team der „Drei Hasen in der Abendsonne“ fünf Tage lang mit internationalen Kunden, Spieleentwicklern oder Lizenznehmern, die Spiele aus Uehlfeld in rund 15 Ländern vertreiben. Besonders in Fernost kommen die Spiele wie „Monsterbande“, „Ciao Ciao . . .!“, „Allegra“ oder „Die Fiesen 7“ sehr gut an. Die Ideen dahinter grenzen sich wohltuend vom Massenmarkt ab. Die kleinen Spielwaren-Fachgeschäfte im In- und Ausland legen für ihre großen und kleinen Kunden viel Wert auf innovative Ideen, Spaß, einen hohen Spielwert, made in Uehlfeld.
Ortswechsel. Im Allee-Hotel in Neustadt ist die Spielwarenmesse auch dieses Jahr wieder angekommen. Geschäftsführer Sven Hufnagel sagt hierzu: „Wir haben seit Jahren Stammkunden aus dem Ausland, die wir zur Spielwarenmesse immer wieder in unserem Hotel begrüßen dürfen.“ Obwohl in Nürnberg mittlerweile ausreichend Hotelkapazitäten entstanden sind, schätzen die Gäste aus dem Ausland seit Jahren das familiäre Umfeld in der Kreisstadt und kommen regelmäßig wieder.
Eine kleine Änderung im gewohnten Hotelgeschäft gibt es während der Spielwarenmesse – mit einem dann doch verschmitzten Lächeln im Gesicht erzählt Hufnagel aus dem messebedingten Alltagsbetrieb: „Abends an der Bar kommt es schon vor, dass unsere internationalen Gäste die neuesten Spiele-Innovationen von der Messe mitbringen, auspacken und gleich damit spielen.“
Wie hat es Johann Rüttinger von „Drei Hasen in der Abendsonne“ ganz treffend formuliert: „Spielen ist eine Art Weltsprache“ – und hier im Landkreis wird mitgespielt.