Eva Böhringer erfüllt sich ihren großen Traum. Die frischgebackene Abiturientin aus dem Neustädter Ortsteil Unternesselbach geht im Rahmen eines Freiwilligendienstes nach Ruanda (Ostafrika). Dort wird sie zehn Monate lang im „Children’s Hope Center Kibilizi“, einer Ausbildungsstätte für Kinder mit geistigen Einschränkungen, mitarbeiten.
„Schon seit meiner Kindheit fasziniert mich Afrika“, erzählt Eva Böhringer, die in ihrer Freizeit gerne liest, schwimmt und Kampfsport betreibt. Wieso ausgerechnet Afrika? Dieser Kontinent ist im Hause Böhringer quasi allgegenwärtig. Dort finden sich viele Gegenstände aus dem afrikanischen Raum. Die 18-Jährige ist nicht die Erste aus ihrer Familie, die es dorthin zieht.
„Meine Mutter hat während ihres Medizinstudiums eine Zeit lang in Tansania gelebt und dort in einem Krankenhaus gearbeitet.“ Als Eva Böhringer sieben Jahre alt war, war zudem eine Lehrerin aus diesem ostafrikanischen Land eine Woche bei Böhringers zu Hause zu Gast. Damit verbindet die 18-Jährige noch heute schöne Erinnerungen
Auf die Idee über das MAZ-Programm (die Abkürzung steht für Mitleben auf Zeit) der Pallottiner nach Afrika zu gehen, kam sie während einer Pilgertour mit ihrer Mutter. Dabei trafen sie einen Pater der apostolischen Gemeinschaft der Pallottiner. Diese bietet gemeinsam mit dem katholischen Orden der Pallottinerinnen das Pallotti-MAZ-Programm an.
Der Pater ist als Missionssekretär für das Projekt mitverantwortlich und erzählte einiges darüber. „Ich fand das toll“, betont Eva Böhringer. Sie fackelte nicht lange und nahm Kontakt mit den zuständigen Stellen auf. Es folgten Gespräche – Informationen über die Einsatzstellen und Vorbereitungsseminare. Dabei lernte sie auch andere junge Leute kennen, die am Programm teilnehmen. Einige empfohlene Impfungen hat sie schon hinter sich.
Was hielt ihre Familie von ihrem Plan, so weit weg von Unternesselbach ihren Freiwilligendienst zu absolvieren? „Sie haben mich unterstützt und wollen mich im nächsten Jahr besuchen.“ Für die 18-Jährige ist es ohnehin nicht das erste Mal, dass es sie für längere Zeit in die Ferne zieht. „Ich war schon ein Jahr in den USA. Das war eine tolle Erfahrung.“ Auch Freunde fanden übrigens ihre Entscheidung, nach Afrika zu gehen, gut. „Es gab viele positive Rückmeldungen.“ Es sei cool und passe zu ihr, so der Tenor.
In Ruanda ist es ihr wichtig, die Menschen kennenzulernen, neue Erfahrungen zu sammeln und herrschenden Vorurteilen zu begegnen. „Über Afrika wird viel diskutiert“, sagt sie. Dabei will sie es nicht bewenden lassen, vielmehr hautnah Einblicke bekommen und gemäß des Mottos des Projektes dort auf Zeit mitleben. Ein wichtiges Ziel des Programms ist es ferner, die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Länder und Kulturen zu fördern.
Mit der Verständigung dürfte es keine größeren Probleme geben. Die Amtssprachen sind in Ruanda, das rund 30 Jahr lang deutsche Kolonie war, Englisch und Französisch, beides lernte sie am Neustädter Gymnasium. Kinyarwanda, eine weitere Landessprache, paukt sie derzeit. Suaheli will sie außerdem noch mittels eines Wörterbuchs, einer Sprach-App und vor Ort versuchen, zu lernen – kein leichtes Unterfangen, aber einen Versuch wert.
In ihrer ländlich gelegenen Einsatzstätte sind im „Children’s Hope Center“ derzeit 75 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 20 Jahren. Darüber hinaus bestehen seit dem vergangenen Jahr Betreuungsverträge mit 15 bis 20 Mädchen und Jungen aus burundischen Flüchtlingslagern. So haben diese Kinder die Chance, auch heilpädagogisch versorgt zu werden.
Wie sehen die Einsatzstellen für die Freiwilligen aus? Eva Böhringer nennt hier die Physiotherapie, die Unterstützung im Unterricht, bei der Körperpflege, beim Essen, in der Schneiderei, in der Küche und im landwirtschaftlichen Bereich.
Beim Besuch des hauswirtschaftlichen Zweiges lernen die Schüler mit geistigen Handicaps etwa Kochen und Backen, daneben besteht die Möglichkeit, in der Schneiderei zu wirken oder den landwirtschaftlichen Ausbildungszweig zu belegen.
Im Rahmen des Freiwilligendienstes kann man zudem den Trainer beim Sportunterricht unterstützen oder im Englischunterricht helfen. Da nur dort Englisch, ansonsten aber Kinyarwanda gesprochen wird, übt sie das schon eifrig.
Für ihren Einsatz bekommt die Unternesselbacherin ein kleines Taschengeld. Die Kosten einen solches Freiwilligendienstes betragen rund 13.000 Euro und umfassen den Flug ab München Ende August, die Unterbringung, die Versicherung, Vorbereitungsseminare und gesundheitliche Vorsorge.
60 bis 70 Prozent davon werden vom entwicklungspolitischen „weltwärts-Programm“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen. Der Restbetrag entfällt auf die Gemeinschaft der Pallottiner, ist dem Info-Blatt zum MAZ-Programm zu entnehmen. Als gemeinnützige Organisation sei diese auf Spenden angewiesen, um Freiwilligendienste anbieten zu können.
Wer wissen will, wie er unterstützen kann, kann sich bei der 18-Jährigen unter eva@boehringer-unternesselbach.de melden oder sich unter pallotti-maz.de informieren. Böhringer will die Spender und unsere Zeitung regelmäßig über ihre Erfahrungen informieren.