Ein Stück Uffenheimer Geschichte: Poesiealbum aus dem Jahr 1937 | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.06.2025 10:00

Ein Stück Uffenheimer Geschichte: Poesiealbum aus dem Jahr 1937

Feierliche Übergabe: Jutta Findeis übergibt das Stück Uffenheimer Stadtgeschichte an den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsverein Ernst Gebert. (Foto: Gaby Ott)
Feierliche Übergabe: Jutta Findeis übergibt das Stück Uffenheimer Stadtgeschichte an den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsverein Ernst Gebert. (Foto: Gaby Ott)
Feierliche Übergabe: Jutta Findeis übergibt das Stück Uffenheimer Stadtgeschichte an den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsverein Ernst Gebert. (Foto: Gaby Ott)

Das Gollachgaumuseum hat ein neues Stück Geschichte: das Poesiealbum von Ilse Findeis, geborene Markert. Es ist ein kleines, orangenes Buch mit Erinnerungswert, ein weiteres Dokument aus der Uffenheimer Vergangenheit. Tochter Jutta Findeis hat es jetzt an den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins Uffenheim und Umgebung, Ernst Gebert, überreicht.

Das Album stammt aus dem Jahr 1937, erzählt Jutta Findeis, und ist fast ausschließlich in Sütterlin beschrieben – von Mitschülern, Lehrern, Nachbarn und Verwandten. Sütterlin ist eine im Jahr 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Schrift, vor allem für das Erlernen der Schreibschrift in der Schule.

Sprüche und liebevoll eingeklebte Bildchen

Fast jeder Spruch im Poesiealbum der Ilse Findeis wird von einem liebevoll eingeklebten Bildchen begleitet. „Diese kleinen Kunstwerke erzählen leise, aber eindrucksvoll von einer Kindheit in Uffenheim vor dem Krieg“, sagt Tochter Jutta Findeis. Ein lebendiges Stück Heimatgeschichte also.

Ilse Findeis wurde am 8. Juli 1927 in Uffenheim geboren – als zweites von sechs Kindern. Schon mit knapp 13 Jahren musste sie das Elternhaus verlassen, um als Kindermädchen zu arbeiten – „ihr Lohn waren Lebensmittel für die ganze Familie“, berichtet Tochter Jutta Findeis. Aber Mutter Ilse hatte einen Traum: raus aus Uffenheim und hinein in die große Stadt. Im Sommer 1942 erfüllte sich dieser dann tatsächlich: „Sie ging als Haushaltshilfe und Kindermädchen nach Frankfurt.“ Bis der Krieg sie dort einholte.

Uffenheim aber blieb immer in ihrem Herzen

„Nach einem nächtlichen Bombenangriff floh sie in Hausschuhen und Mantel durchs Kellerfenster zurück nach Uffenheim.“ Dort erfuhr sie vom Tod ihres Bruders Leonhard, der bei einem Tieffliegerangriff erschossen worden war. Nach Kriegsende führte Findeis’ Weg über Adelhofen und Marktbreit schließlich im Jahr 1949 nach Esslingen, wo sie mit ihrem Mann Heinrich ein neues Leben begann. Uffenheim aber blieb immer in ihrem Herzen, betont die Tochter.

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Im Sommer des vergangenen Jahres, mit 97 Jahren, hielt Ilse Findeis ihr Poesiealbum noch einmal in den Händen – ein leiser Gruß aus einer vergangenen Zeit. „Da sie jedoch fast nichts mehr sieht, hat sie es in meine Obhut übergeben – mit dem Gedanken, dass es im Museum den besten Platz zur Aufbewahrung findet.“ Eben jenes Album aus dem Jahr 1937 hat Jutta Findeis deshalb nun an das Gollachgaumuseum überreicht.

Weiteres Poesiealbum aus dem Jahr 1840

Dort wird es jetzt erst einmal archiviert, sagt der Vorsitzende Ernst Gebert. Er hat auch schon eine Idee, in welchem Rahmen es sich womöglich später einmal präsentieren ließe: Ernst Gebert könnte sich eine Sonderausstellung über das Poesiealbum im Wandel der Zeit gut vorstellen, „wenn wir dann die Vitrine dazu haben“.

Denn im Bestand des Uffenheimer Heimatvereins findet sich ein weiteres Poesiealbum aus dem Jahr 1840, nun also das Exemplar von Ilse Findeis, rund 100 Jahre jünger. „Vielleicht können wir irgendwo noch eines von 2000 auftreiben.“

Im ältesten Exemplar sind hübsche Handzeichnungen zu finden, im Buch von Ilse Findeis fallen sofort die Einklebebilder ins Auge. Heutzutage werden in Poesiealben in der Regel feste Felder ausgefüllt – Vorname, Nachname, Hobby. Genau dieser Wandel ließe sich im Gollachgaumuseum darstellen. Dann fände das Poesiealbum von Ilse Findeis auf alle Fälle einen Ehrenplatz.

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