Ein Schatz an Legenden und Geschichten aus Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2023 18:42

Ein Schatz an Legenden und Geschichten aus Rothenburg

Peter Noack als Franziskanermönch Pietro erzählte Legenden über Bruder Francesco, den Ordensgründer aus Assisi. (Foto: Simone Hedler)
Peter Noack als Franziskanermönch Pietro erzählte Legenden über Bruder Francesco, den Ordensgründer aus Assisi. (Foto: Simone Hedler)
Peter Noack als Franziskanermönch Pietro erzählte Legenden über Bruder Francesco, den Ordensgründer aus Assisi. (Foto: Simone Hedler)

Um das Leben und den Tod des einstigen Rothenburger Bürgermeisters Heinrich Toppler ranken sich zahlreiche Legenden. Für eine Sonderführung anlässlich des Weltgästeführertages ist Andreas Mendl in die Rolle des erfolgreichen, aber auch umstrittenen Stadtoberhauptes geschlüpft.

Im Dialog mit der Gästeführerin Elke Wedel beleuchtete er verschiedene Facetten von Topplers Leben – unterhaltsam und stets mit einem Augenzwinkern. Bis Heinrich Toppler Bürgermeister wurde, endete Rothenburg an der Stadtmauer, erzählte Elke Wedel. Er habe die Stadt geschickt durch Ländereien erweitert: Indem er mit Landadeligen, von denen im 14. Jahrhundert viele der Armut verfielen, günstige Preise für deren Grundbesitz aushandelte. „Natürlich nicht ganz uneigennützig“, so Wedel, denn teilweise habe er sich so auch selbst bereichert.

König Wenzel - Beiname: „Der Faule”

Zu dem damaligen König Wenzel habe er gute Kontakte gepflegt. So überließ er dem Adeligen, der den Beinamen „Der Faule“ trug, sogar für eine Zeit sein Topplerschlösschen. Dieses Schlösschen und auch das Wappen, das er sich erstellen ließ, brachten ihm jedoch auch Neider ein, erfuhren die Zuhörer im Laufe der Führung. „Das haben ihm die Leute übelgenommen.“

Sechs Sonderführungen rund um das Motto „Sagen, Geschichten, Anekdoten“ hatten Mitglieder des Vereins der Rothenburger Gästeführer für das Wochenende vorbereitet. „Damit richten wir uns ganz speziell an die Einheimischen und die Menschen aus der Region“, so Claudia Brand, Vorsitzende des Vereins. Mit der Besucherbilanz ist sie in diesem Jahr „sehr zufrieden“: Insgesamt rund 520 Besucher zählte sie an den beiden Wochenendtagen.

Liebevolle Gedanken zur Stadt

Den Auftakt machten am Samstag Helga Grund und Ruth Pianka mit „liebevollen Gedanken“ zur Stadt. Andrea Weinhardt und Elena Kandert nahmen dann – in der Rolle zweier Handwerkerfrauen – ihre Besucher mit auf eine Entdeckungsreise durch die Stadtgeschichte. Dabei breiteten sie einen wahren Schatz an Legenden, Sagen und Geschichten vor ihrem Publikum aus.

In dem Märchenbuch „Goldene Legende“ hat der Dominikanerbischof Jacobus de Voragine Mitte des 13. Jahrhunderts Erzählungen über das Leben von Heiligen gesammelt. Einige davon, die mit Kunstwerken in der St.-Jakobs-Kirche verbunden sind, erzählte Dr. Oliver Gußmann unter dem Motto „Was so nicht in der Bibel steht“. Dabei klärte er zum Beispiel die Frage, warum der Heilige Johannes einen Kelch mit einer Giftschlange trägt.

Hervorragende Akustik in der Kirche

Kirchenführer Peter Noack schlüpfte in die Rolle des Franziskanermönchs Pietro. Er hatte für die Zuhörer Geschichten und Legenden über Bruder Francesco, den Ordensgründer aus Assisi, dabei. „Legenden sind immer mit besonderen Menschen verbunden, die andere in ihren Bann ziehen“, meinte Noack. Nachdem aufgrund des Wetters diese Führung in der Franziskanerkirche stattfand, erfuhren die Besucher auch darüber einiges. So demonstrierte er zum Beispiel, dass die Kirche eine hervorragende Akustik hat, indem er das Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ anstimmte. Spontan fiel das Publikum mit ein.

Karin Bierstedt und Antonia Nakamura begaben sich schließlich mit ihrer Gruppe auf die Spuren des Rothenburger Kreuzweges. Viel sei davon nicht mehr übrig, so Bierstedt. Lediglich eine Sandsteintafel an der Kobolzeller Steige gibt es noch. Die beiden Gästeführerinnen stießen jedoch bei ihren Recherchen auf eine Karte aus dem 17. Jahrhundert, anhand derer sie den Verlauf des Weges nachzeichneten.

Eintritt verlangten die Gästeführer für ihre Veranstaltungen an diesem Wochenende nicht, baten jedoch um Spenden. Damit sollen Sitzmöbel für den Lesegarten der Bücherei finanziert werden.

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