„Ein Riesen-Thema“: Was die Baywa-Krise für Bauern in der Region bedeutet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.08.2024 09:31, aktualisiert am 24.08.2024 12:45

„Ein Riesen-Thema“: Was die Baywa-Krise für Bauern in der Region bedeutet

In Herrieden-Mühlbruck gibt es einen großen Agrar-Vertriebsstandort der Baywa neben kleineren Filialen in Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Weihenzell. (Foto: Tizian Gerbing)
In Herrieden-Mühlbruck gibt es einen großen Agrar-Vertriebsstandort der Baywa neben kleineren Filialen in Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Weihenzell. (Foto: Tizian Gerbing)
In Herrieden-Mühlbruck gibt es einen großen Agrar-Vertriebsstandort der Baywa neben kleineren Filialen in Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Weihenzell. (Foto: Tizian Gerbing)

Zwischen einem „dumpfen Gefühl“ und Zuversicht schwankt die Gefühlslage bei den westmittelfränkischen Getreidebauern, die den in finanzielle Schieflage geratenen größten deutschen Agrarhandelskonzern Baywa mit Hauptsitz in München beliefern. Trotz einer halben Milliarde Euro an Hilfe bleibt Unsicherheit.

Der Kreisobmann des Ansbacher Bauernverbandes, Reinhold Meyer, vertritt rund 6300 Landwirte aus dem Kreis Ansbach. Der Milchviehhalter aus Binzwangen bei Colmberg „kauft Ware bei der Baywa, aber liefert nichts“. Sein Getreide nutzt er zur Herstellung von hofeigenen Futtermischungen. „Zuerst müssen meine Silos voll sein“, sagt er.

Baywa an vielen Standorten im Landkreis Ansbach vertreten

Bei guter Ernte, wie heuer beim Weizen, verkauft er selbst einen Teil davon an den Landhandel Bogenreuther in Lehrberg. Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen liegt für den Landwirt näher als die Baywa-Filiale in Herrieden. Weitere Agrar-Standorte des Handelskonzerns im Kreis Ansbach gibt es noch in Dinkelsbühl, Weihenzell und Feuchtwangen.

Die Landwirte aus dem Landkreis Ansbach würden ihn natürlich nach seiner Einschätzung fragen, ob die Baywa noch ein verlässlicher Geschäftspartner sei, sagt Meyer. Die Problematik kurz vor der Ernte habe zu einer „großen Verunsicherung geführt“.

Jürgen Dierauff ist Schweinemäster in Herbolzheim bei Markt Nordheim und Kreisobmann in Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Sein angebautes Getreide benötigt er als Futtermittel. Deshalb lagere er seine Ernte nicht bei der Baywa ein. „Ich bin dort aber Kunde“, sagt der Landwirt. Er kaufe dort Maschinen und Technik für seinen Betrieb.

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Laufende Getreidegeschäfte

Bis vor einigen Jahren habe die Baywa noch ein großes Getreidelager in Uffenheim unterhalten, früher auch eins in Bad Windsheim und in Markt Bibart, zudem gab es eine Niederlassung in Neustadt und eine Agrarabteilung im Landkreis Neustadt: „Das ist alles zugemacht worden beziehungsweise wurde von der Raiffeisen Handelsgesellschaft übernommen“, so Dierauff.

Das Unternehmen habe die ehemalige Baywa-Lagerhalle in Uffenheim gemietet und in Markt Erlbach zusätzlich ein neues Lager gebaut. Mit Getreideeinkauf sei die Baywa im Landkreis Neustadt „kaum mehr zugange“, sondern nur noch westlich von Uffenheim in Gollhofen, Hemmersheim und Oberickelsheim wegen der Nähe zu Ochsenfurt und seinem Hafen an der Bundeswasserstraße Main.

Wenn die Baywa strauchelt, gibt das einen Strudel

Bei den Landwirten in der Region sei die Baywa-Problematik „ein Riesen-Thema“, erläutert der Neustädter Kreisobmann. „Wenn der Konzern strauchelt, gibt das einen größeren Strudel“, in den möglicherweise auch Agrarfutterbetriebe, Warengesellschaften und der gesamte Genossenschaftsbereich hineingezogen werden könnte, so die Befürchtung.

Nach dem Hilfspaket von Großaktionären und Banken als kurzfristige Liquidität auf einen bestimmten Zeitraum soll ein Sanierungsplan in der zweiten Septemberhälfte vorgelegt werden. „Ich glaube nicht, dass die Baywa in die Insolvenz geht“, sagt Jürgen Dierauff. „Schon wegen ihrer großen Bedeutung und weil die Genossenschaften zusammenhalten.“ Denkbar wäre, dass Standorte aufgegeben und Betriebe veräußert werden, um die hohe Finanzbelastung zu senken, spekuliert er.

Für manche Landwirte geht es um viel

Roland Kleinadam (33) ist Nebenerwerbslandwirt in Heuberg bei Herrieden und bewirtschaftet 60 Hektar, auf denen er Weizen, Mais und Triticale anbaut. An die Baywa liefert er nicht. Die Konditionen hätten nicht gepasst. Vor drei Jahren hat er den Hof von seinem Vater übernommen und die industrielle Tierhaltung aufgegeben „wegen der immer strengeren Regeln“. Er würde gern noch Feld dazukaufen oder pachten, „aber das ist schwierig“, sagt er.

Im Nachbarort Leibelbach hat Landwirt Bernd Heller Vorkontrakte mit der Baywa zur Preisabsicherung für Weizen und Raps abgeschlossen. Die Zusammenarbeit habe in den vergangenen Jahren „immer gut funktioniert“. Bernd Heller geht davon aus, auch in diesem Jahr sein Geld für die Ernte zu bekommen. Er verfolge die Situation aufmerksam, „denn es geht um viel“.

Bislang keine Probleme

200 Hektar Agrarfläche umfasst der Hof, den er seit 2018 führt. In den Vollerwerbsbetrieb mit Biogasanlage hat er eine Pensionspferdehaltung eingegliedert und verbindet damit Landwirtschaft mit Reitanlage.

In Oberschönbronn, ebenfalls ein Gemeindeteil von Herrieden, betreibt Stefan Wittmann (48) einen Vollerwerbsbetrieb mit 120 Hektar. Etwa 80 Prozent seiner Produktion von Weizen, Dinkel und Raps liefert er an die nahe gelegene Baywa-Filiale. „Es läuft bisher alles normal“, sagt er – in der Hoffnung, dass sich seine Zuversicht nicht als trügerisch erweist.

Eine Teilzahlung für seine Lieferung habe er schon bekommen, so Stefan Wittmann. Natürlich habe ihn die Nachricht von der angeschlagenen Baywa-Schieflage „schockiert“. Ein Zahlungsausfall hätte für ihn weitreichende Folgen, denn für seine Betriebsgröße handele es sich „um eine größere Summe“.

Hintergrund

Die Baywa

Die Baywa AG ist ein international tätiger Konzern mit Hauptsitz in München. Er gilt heute als Deutschlands größter Agrarhändler.

Gegründet wurde er zur Unterstützung der heimischen Landwirtschaft. Zum Vertrieb von Betriebs- und Futtermitteln kamen schrittweise weitere Geschäftsfelder bis hin zu Angeboten im Bereich Digitalisierung oder erneuerbare Energien.

Die Baywa wird nach wie vor von einer genossenschaftlichen Struktur bestimmt. Gut 34 Prozent der Anteile gehören der bayerischen Raiffeisen-Beteiligungsgesellschaft, gut 27 Prozent der österreichischen Raiffeisen Agrar Invest AG, der Rest verteilt sich auf Streubesitz.

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