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Veröffentlicht am 23.02.2024 09:00

Ein Privileg des Königs: Rothenburg als Reichsstadt

Stadtarchivar und Historiker Dr. Florian Huggenberger erklärt, was die Ernennung zur Reichsstadt vor 750 Jahren bedeutete. (Foto: Simone Hedler)
Stadtarchivar und Historiker Dr. Florian Huggenberger erklärt, was die Ernennung zur Reichsstadt vor 750 Jahren bedeutete. (Foto: Simone Hedler)
Stadtarchivar und Historiker Dr. Florian Huggenberger erklärt, was die Ernennung zur Reichsstadt vor 750 Jahren bedeutete. (Foto: Simone Hedler)

Freiheit und Unabhängigkeit: Das waren die wichtigsten Vorteile für Reichsstädte. Am 15. Mai 1274 bestätigte König Rudolf den Rothenburgern diesen Status. Doch was genau bedeutete der Titel „Reichsstadt“ damals für Rothenburg? Gab es auch Nachteile? Historiker und Stadtarchivar Dr. Florian Huggenberger hat Antworten auf diese Fragen.

Im Gegensatz zu den Landstädten, die einem Fürsten, Markgrafen oder Grafen unterstellt waren, könne man die Reichsstädte als eine Art selbst verwaltete Kleinstaaten sehen. Sie unterstanden allein dem König oder Kaiser. In Rothenburg regelten der Bürgermeister und der Stadtrat die Angelegenheiten selbstständig, es gab eigene Gesetze, eine eigene Gerichtsbarkeit und auch eigene Truppen. „Innen- und Außenpolitik wurden nun selbst betrieben“, so Huggenberger.

Kampf gegen die größeren Nachbarn

Das hatte Vorteile – aber nicht nur. „Man konnte seinen eigenen Weg gehen. Aber gerade als kleine Stadt war es oft nicht einfach, sich gegen größere Nachbarn zu behaupten. Es gab überall Konfliktpotenzial“, erklärt er. Dabei ging es um Sicherheit und Verteidigung. Aber genauso wichtig waren Nahrungsmittel und Ressourcen. „Der Handwerker oder die Magd merkten davon erstmal gar nicht so viel“, vermutet Huggenberger. Eher die Vertreter der führenden Schichten, die sich politisch engagierten.

Wie kam es dazu, dass ausgerechnet Rothenburg zu einer der 85 Reichsstädte wurde, während beispielsweise Würzburg es nicht schaffte, diesen Status zu erlangen? „Das war eine längere Entwicklung.“ Im Hochmittelalter war Rothenburg ein bedeutendes Herrschaftszentrum der Staufer. Deren König Konrad III. baute auf dem Gelände des heutigen Burggartens eine Burg aus roten Steinen – das ist eine der Erklärungen dafür, wie die Stadt zu ihrem Namen kam.

Blütezeit unter Bürgermeister Toppler

Nach dem Ende der Herrschaft der Staufer nutzten die Reichsküchenmeister aus Nordenberg die Gunst der Stunde und bauten ihre Macht aus. Dem bereitete erst Rudolf von Habsburg ein Ende, als er zum König gewählt wurde. Mit der Bestätigung Rothenburgs als Reichsstadt verfolgte er vor allem das Ziel, benachbarte Herrschaften – unter anderem die Reichsküchenmeister – in ihre Schranken zu weisen.

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Ihre Blütezeit hatte die Stadt unter Heinrich Toppler. Um 1349/1350 geboren, wurde er bereits mit Anfang 20 erstmals zum Bürgermeister gewählt und blieb es mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1409. „Der konnte seine Wirkung in der freien Stadt voll entfalten“, meint Huggenberger. In dieser Zeit dehnte sich das Territorium beträchtlich aus. Toppler erwarb einen großen Teil der Landwehr. „Und die war sehr wichtig für die Lebensmittelproduktion, aber beispielsweise auch für Bau- und Brennholz“, erklärt der Stadtarchivar. Rund 350 Quadratkilometer umfasste dieses Gebiet rund um die Stadt, das deren wirtschaftliche Unabhängigkeit über Jahrhunderte sicherte. Das merkten nun auch die Handwerker genauso wie die Händler, denn das bedeutete für sie mehr Rohstoffe und bessere Handelsbedingungen.

Ein Signal an den Toren: der Adler

Wenn Reisende zu Fuß oder zu Pferd Rothenburg erreichten, sprachen Stadtmauern und Tore eine deutliche Sprache: Diese Stadt weiß sich zu wehren. Stadtwappen und Reichsadler signalisierten die Reichsfreiheit und das städtische Selbstbewusstsein. Noch heute ist der Reichsadler zum Beispiel an den Türmen der Stadt, etwa am Rödertor, zu finden.

In den folgenden Jahren durchlebte die freie Reichsstadt bewegte Zeiten: den Aufstand der Handwerker, Reformation und die Bauernkriege. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts brachte noch einmal eine kulturelle Blütezeit. Daran erinnert der berühmte Renaissancetrakt des Rathauses. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges allerdings war die Stadt hoch verschuldet und die wirtschaftliche Lage schlecht. Als die Stadt 1803 an Bayern fiel, war vom reichsstädtischen Glanz nicht mehr viel übrig.

Jubiläum wird groß gefeiert

Und dennoch: Die Erinnerung an diese Zeit steht bis heute in einem sehr positiven Licht. Seit 1974 werden die Reichsstadtfesttage zelebriert, das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ feiert seit 1881 die Standhaftigkeit der Reichsstädter im Dreißigjährigen Krieg. Und auch die Reichsküchenmeister sind bis heute in der Stadt ein Begriff. In diesem Jahr fallen die Feierlichkeiten größer aus.

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