Die Tuba ist das Instrument des Jahres. Landauf, landab dreht sich heuer viel um sie. Einer, der mehr als ein halbes Jahrhundert auf großen Blechblasinstrumenten aktiv war und noch eine Zeit lang sein wird, heißt Norbert Dietlein. Ein Besuch in seinem Neustädter Probenraum zeugt von der Treue zu tiefen Tönen.
„Ich bin kein musikalisches Wunderkind. Ich habe mir alles erarbeiten müssen“, sagt der 66-Jährige. Dabei fällt der Wahl-Neustädter bei den Musikkapellen, bei denen er im Kreis spielt, durch sein Können auf. Klanglich ausgereift bildet er dort das Fundament für die Hörner, Posaunen, Trompeten und Holzbläser. Längst ist er eine verlässliche Größe geworden.
Das kommt nicht von ungefähr. Bereits im Jahr 1970 kam Norbert Dietlein mit seinem ersten Instrument in Berührung, dem Tenorhorn. Sein Großvater Georg Dietlein, der 1921 einer der Gründungsväter des Posaunenchors Münchsteinach war, erteilte ihm den ersten Unterricht. Nach seiner Heirat zog er von Münchsteinach nach Neustadt und spielte im örtlichen Posaunenchor.
Da es dort anfangs keinen Tubisten gab, der stets zu den Proben kommen konnte, meinte der damalige Dirigent: „Du könntest doch die Tuba spielen.“ Der junge Musikant dachte sich: „Das probiere ich mal.“ Die Technik war die gleiche und ein Leih-Instrument vorhanden. Das war 1984. „Du wächst immer rein, aufgrund der Situation, die sich in der musikalischen Gruppe ergibt“, so Dietlein, der sich gerne davon inspirieren ließ. Zu den sakralen kamen jetzt auch klassische Stücke, Volkslieder und Hymnen – man brauchte diese für die Konzertreisen nach Italien und auch China. 15 Jahre sollte es noch dauern, bis er sich eine eigene Tuba kaufte. „Eine Tuba ist nicht billig“ meint Dietlein mit ernster Miene und verglich den Preis mit einem Kleinwagen. Weihnachten 1999 war es schließlich so weit, dass das Instrument zu Hause einzog – die Familie unterstützte seine Entscheidung. Seine Tuba ließ er regional beim „Meister“ Rudolf Meinl fertigen – in Diespeck. Das war klar für ihn.
Nach einer Italien-Tournee im Jahr 2002 war für Dietlein Schluss mit dem Posaunenchor. Lange dauerte es nicht, bis er seine Tuba bei den Neustädter Schlossbläsern und auch bei der Gruppe S-Brass blies.
Beruflich erfolgte ein Wechsel nach Scheinfeld. Der Leiter der dortigen Stadtkapelle, Georg Linz, bekam Wind davon und fragte ihn an. Auch dort war das Tubaregister vakant. 2004 sagte er schließlich zu. Das Repertoire der Stadtkapelle war eine Herausforderung, so Dietlein. Auf einmal galt es, böhmische und moderne Blasmusik zu spielen. Die Notenwerte sind kürzer und für den Rhythmus zeichnet ein Tubist stärker verantwortlich. „Rückblickend war es genau das, was mich weitergebracht hat. Ich habe viel Zeit gebraucht, um das zu erlernen.“
Offenbar hat es ihm auch viel Freude gemacht. Denn er schloss sich ein paar Jahre später zusätzlich der Stadtkapelle Frankenland in Neustadt an. „Ich wollte schon immer die Kerwa mitspielen“, sagte er. 2010 war er zum ersten Mal dabei – beim festlichen Einzug und am Pavillon. Bis heute ist dieser Termin einer der Höhepunkte ihm Jahr. Unzählige Workshops, Vertretungen in anderen Gruppen und Auftritte – auch im Kreisorchester folgten. Häufig wird er gefragt und sagt Ja.
Nach dem Renteneintritt 2019 wollte der Tubist, der sich gerne „Zeithorizonte“ gibt, noch fünf Jahre intensiv Musik machen. Die Langenfelder Musikanten und „Die kleine Blasmusik“, eine siebenköpfige Blasmusikformation, kamen hinzu.
Die kleinen Ensembles und die Musikantentreffen mit anderen Kapellen, „wo man mit-, neben- und gegeneinander spielt“, reizen ihn am meisten. Momentan macht er sich an einem Jazz-Stück von Jon Sass fit. „Es entwickelt sich halt“, meinte er.
Doch nach und nach soll es in den musikalischen Ruhestand gehen. Daheim warten die Enkel. Sein Konzert mit der Stadtkapelle Scheinfeld am 27. April läutet den Abschiedsreigen ein.
Der Vorsitzende der Bläserjugend im Nordbayerischen Musikbund im Landkreis, Johannes Zier, organisiert im Herbst einen Tuba-Workshop. Als Leiter will man Susumu Kakizoe engagieren. Dieser aus Japan stammende Profi-Tubist ist hierzulande bekannt durch sein präzises Spiel bei der Blechmafia.