Der 72-jährige Josef Weiss aus Langenfeld ist ein Spätberufener. Erst vor zehn Jahren hatte er mit dem Imkern begonnen. Sein Interesse wuchs und wuchs, er bildete sich weiter, tüftelte viel. Nun ist er nach seiner bestandenen Prüfung Bienensachverständiger im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – der zweite neben Rüdiger Göppel aus Obernzenn.
Begonnen hatte alles mit dem Bau einer Bienenkiste, die Josef Weiss an seine Weiheranlage in Münchsteinach stellte. „Die steht dort, da habe ich Ertrag und nicht viel Arbeit“, habe er sich insgeheim gedacht. Jedoch blieb der Honig im Wesentlichen im Brutraum – es gibt in der Kiste keine Trennung zwischen Honig- und Brutraum. Und die Vorbeugung gegen Krankheiten war schwierig. Wenig später trat er dann dem Neustädter Imkerverein bei, der bei Diebach seinen Lehrbienenstand hat.
Durch den Vorsitzenden Sepp Heller erfuhr Josef Weiss, dass die Imker jenen Bienenkisten ablehnend gegenüberstehen, was auch Kreisimkerchef Dietmar Lisson beim Ortstermin wissen ließ. Von der theoretischen Ausbildung, die Josef Weiss beim Imkerverein Neustadt dann jährlich von März bis Juli an den Samstagen genoss, zeigte er sich begeistert. Jedoch wollte er mehr Praxis erfahren. „Mindestens einmal pro Woche muss man die Bienenhäuser durchschauen“, ist er überzeugt. Ist eine Brut da? Ist die Königin noch da? Und Futter? Gibt es Anzeichen für Krankheiten? Wie lassen sich Volksstärke, Brutstärke und der Honigraum beschreiben?
Seit 2018 wird dieses „Hand anlegen“ auf Weiss’ Initiative hin bei den acht Völkern am Diebacher Lehrbienenstand in Kleingruppen praktiziert. Im Verein bildet er die Neuimker aus und ist auch Kassierer. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Lisson über den neuen Bienensachverständigen, der vor seiner Prüfung zahlreiche Pflichtkurse absolviert hatte.
Weiss ist nun, wie auch Göppel, für Fragen rund um das Thema Bienengesundheit für alle Imker im Landkreis zuständig. Daneben ist er direkter Ansprechpartner für das Veterinäramt, dessen Leiter Dr. Uwe Knickel sein direkter Vorgesetzter ist. Neues Arbeitsgerät zählt jetzt zur Ausrüstung von Josef Weiss: Mit seiner USB-Kamera kann er sich Einblick in die Waben verschaffen.
Erkrankungen der Brut (im Wesentlichen die amerikanische und europäische Faulbrut, Sackbrut, Kalk- und Steinbrut) und Erkrankungen der Bienen (dazu zählen die Varroa, die Durchfall-Erkrankung Nosema, Amöben, die Ruhr) weiß er zu diagnostizieren und die Ursachen (Viren, Milben, Pilze, falsches Futter und vieles mehr) möglichst zu vermeiden. Ist sein Befund positiv, meldet er diesen an Dr. Knickel, der dann entscheidet, was zu tun ist.
„Hygiene im Stock ist das A und O“, betont der Langenfelder. Ganz interessant dabei: Wenn ein Imker aus dem Landkreis wegzieht und seine Völker außerhalb des Landkreises verkaufen will, braucht er ein Zeugnis. Auch bei solchen Dingen wirkt der Bienensachverständige mit.
Weiss will sein Engagement weiter vertiefen. Bienenfachwart wäre eine zusätzliche Qualifikation. Als solcher könne er in Schulen und Kindergärten sein Wissen weitergeben. Bei sich zu Hause in Langenfeld hält Weiss elf Bienenvölker – ein Volk hat rund 50.000 Arbeiterinnen. Im Sommer schwärmen also über eine Million Bienen bei ihm ein und aus.
Immer wieder experimentiert Josef Weiss. So bastelte er eine neue Lüftung in den Bienenstock, so dass die Honigsammlerinnen nicht frieren und gleichzeitig von einem leichten Luftzug profitieren. Einen Hinweis hat er noch: Wer Honig vom nicht-heimischen Imker kauft, möge beim Entsorgen im Glascontainer bitte den Deckel darauf lassen. Somit bekommen die heimischen Bienen keine schädlichen Sporen ab.
Bienensachverständige wurden ehemals „Gesundheitswarte“ genannt. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschreibt deren Aufgabengebiet wie folgt: Sie sind engagierte, ehrenamtliche Kräfte, die ihren Imkerkollegen im Kreisgebiet bei Fragen zur Bienengesundheit als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Bienensachverständigen geben aktuelles Wissen an Imker weiter und unterstützen sie durch fachliche Einschätzungen am Bienenstand. Für Kurse oder Vorträge können sie auf Präsentationsvorlagen und Kurskonzepte aus dem Institut für Bienenkunde und Imkerei zurückgreifen. Die Kontaktdaten der Bienensachverständigen werden durch die Verbände veröffentlicht, so die Landesanstalt.