„Fast wie ein Sechser im Lotto“ hatte der Ippesheimer Bürgermeister Karl Schmidt es genannt, dass die Praxis von Dr. Claudia Schubert eine Nachfolge gefunden hat. Ein junges Ärzteteam betreut Ippesheim künftig neben dem Stammsitz Kitzingen.
Viele „weiche Faktoren“ hatten schon bei der Vorgängerin, der langjährigen Hausärztin Claudia Schubert, den Ausschlag dafür gegeben, dass der Ippesheimer Ortsteil Praxisstandort geworden ist. Das frühere Schulhaus, die Landschaft, Gelegenheit zur Pferdehaltung und den Wein führte Schmidt bei der Begrüßung der neuen Ärzte Dr. Tobias Freund, Matthias Hock, Cornelia Amberger und Johannes Kühn an.
Freund und Hock betreiben die Arztpraxis in Kitzingen, das Team wurde seit der ersten Ankündigung noch um Amberger und Kühn erweitert. Die Bullenheimer seien den Luxus gewöhnt, immer einen Arzt vor Ort zu haben. Gefühlt habe Schubert nie Urlaub gemacht und sei nach der Geburt ihrer Kinder sozusagen schon am nächsten Tag wieder in der Praxis gestanden.
Damit sie verstehen, was für eine Bedeutung der Wein für die Region hat, bekam das gesamte Praxisteam eine Flasche Gemeindewein überreicht. Ein bisschen grinsten die neuen Besucher, als ein Vorteil einer Arztpraxis aufgezählt wurde, nämlich dass auch bei den Weinfesten immer gleich eine ärztliche Versorgung greifbar gewesen sei. Dazu gab es Blumen von Schmidts Seinsheimer Amtskollegin Ruth Albrecht. Seinsheim ist zwar noch in der glücklichen Lage, einen eigenen Arzt zu haben. Doch der nehme keine neuen Patienten mehr auf, so dass man ebenfalls froh über die nachbarschaftliche Unterstützung sei.
Mit Blick auf die Uffenheimer Bemühungen um ein Ärztehaus, freue man sich sehr, dass ohne Zutun der Politik eine Lösung für den Weiterbetrieb der Praxis gefunden wurde, der hoffentlich von Dauer sei, ergänzte Schmidt. Die Ärzte leben bisher (noch) nicht im Weinparadies. Cornelia Amberger kommt aber immerhin aus Obernbreit. Die anderen wohnen in Würzburg und Umgebung. Die Praxis ist jeden Vormittag und an drei Nachmittagen regulär geöffnet.
Im alten Schulhaus sind sie Mieter. Eigentümerin Claudia Schubert bewohnt das Obergeschoss. 40 Jahre lang – von 1984 an – hatte sie die Praxis. Auch mit 75 praktizierte sie noch. Schmidt wünschte den Nachfolgern einen ebenso langen Atem.
Der Start des neuen Teams sei allerdings eher holprig gewesen, der Server brach zusammen, gestand Freund. Das habe aber nichts mit der Qualität des Internets in Bullenheim zu tun: Ein Stromausfall in Kitzingen hatte den dortigen Server abrauschen lassen. Inzwischen hätten sich aber viele Anfangsschwierigkeiten gelegt. „Wir sind jetzt etwa bei 90 Prozent angelangt“, so Freund. Über den doppelten Bürgermeisterbesuch freute sich das Team: „So etwas gab es in Kitzingen nicht.“
Die neue Umgebung könnte sich auf die Methoden der Ärztegruppe auswirken. Das hoffte jedenfalls Karl Schmidt: Wenn die Mediziner den Wein genießen, stellten sie wohl unweigerlich fest, wie gesund der sei. Denn: „Wenn sonst nichts hilft, hilft vielleicht ein Schoppen.“