Ein Jahr ist vergangen seit dem Großbrand im Milmersdorfer Holz am 11. August 2022. Das Feuer hatte sich auf knapp sieben Hektar zwischen Milmersdorf und Neukirchen (Gemeinde Sachsen bei Ansbach) ausgebreitet. Rund 200 Feuerwehrkräfte kämpften gegen die Flammen. Ursache war laut der Ansbacher Staatsanwaltschaft die Trockenheit, Hinweise auf Brandstiftung wurden nicht gefunden.
Bernd Kladny, stellvertretender Kommandant der FFW Neukirchen/Hirschbronn, war mit knapp 20 Leuten einer der ersten am Ort des Feuers und wurde damit automatisch zum ersten Einsatzleiter. Innerhalb von sieben Tagen war es bereits der sechste Brandeinsatz, erinnert sich der Neukirchener. Ob ihm die Größenordnung gleich bewusst gewesen sei? „Nach einem Versuch, außen herum zu laufen, war mir klar: Das wird so nix“, sagt er. Die Alarmierung wurde hochgefahren.
Als knifflig erwies sich die schwer zugängliche Örtlichkeit. „Unser größtes Problem war: Wir wussten, wo wir hin müssen, aber man musste auch die anderen Kräfte herbringen.“ Die zweite Herausforderung war der Wassernachschub, denn mitten im Wald gibt es keine Hydranten. Während die Tanklöschfahrzeuge Wasser von Neukirchen und dem Sachsener Wasserturm herbeitransportierten, um das Feuer von der Nordseite aus zu bekämpfen, wurde von der südlichen Seite ein zweiter Löschangriff aufgebaut. Dazu zapfte man einen Quellweiher an.
„Gerade für uns als Dorffeuerwehr war es eine Riesenherausforderung“, stellt Kladny fest. Inklusive Nachlöscharbeiten war die Truppe über 48 Stunden im Einsatz. „Wir waren immer vor Ort und haben zweimal Nachtwachen gestellt. Da sind wir stolz drauf.“ Aber es sei auch an die Substanz gegangen.
Begeistert erzählt er, wie die Neukirchener und Hirschbronner Bürger zu Beginn sofort Wasserkästen für die Feuerwehr heranschleppten. „Das war wieder ein Zeichen für dieses Miteinander.“ Ebenso bewegt hat ihn der Einsatz seiner Kollegen: „Der Zusammenhalt in den Feuerwehren war für mich mit das Beeindruckendste.“
Kreisbrandinspektor Hans Pfeiffer betreut 86 Freiwillige Feuerwehren. Er übernahm die Einsatzleitung beim Waldbrand von Bernd Kladny. Der habe sich super geschlagen, lobt er. Auch Pfeiffer sah „die nicht befahrbaren Waldwege“ als größte Herausforderung. „Die sind so eng, dass man mit Güllefässern nicht durchfahren hat können.“ Deshalb konnten die Landwirte kein Löschwasser bis zum Brandort transportieren. Die Feuerwehr musste mit ihren Schläuchen weite Strecken überbrücken.
Ob er Angst gehabt habe, das Feuer könnte außer Kontrolle geraten? „Ich hab’ eigentlich nie Angst“, entgegnet Hans Pfeiffer und lacht. Dank der guten Vorarbeit habe er zu 70 Prozent davon ausgehen können, „dass man es halten kann“. Denn früher oder später wäre das Feuer gegen einen Bahndamm „gelaufen“ und „auf der anderen Seite haben genügend Feuerwehren gestanden“.
Optimierungsbedarf sieht Pfeiffer bei der Ausrüstung. Mittlerweile hätten aber schon einige Gemeinden investiert, sodass inzwischen auch kürzere Schläuche mit kleinerem Durchmesser sowie Löschrucksäcke zur Verfügung stehen. Damit können Glutnester abgelöscht werden, und die Einsatzkräfte müssen bei den Nachlöscharbeiten nicht so schwer schleppen.
Wichtig findet Pfeiffer, bei den Löschwasservorräten aufzustocken, indem man mehr Regenrückhaltungen schafft. Private Waldbesitzer und Forstbehörden könnten außerdem ihren Beitrag leisten, indem sie für befahrbare Waldwege sorgen. „Damit man schöner rankommt an die ganze Geschichte.“
Sachsens Bürgermeister Bernd Meyer kommt aus dem Ortsteil Milmersdorf und ist selbst Waldbesitzer. „Ich bin damals gleich rausgefahren. Man hat die Rauchwolke gesehen.“ Wegen der Trockenheit „und weil da oben das größte zusammenhängende Waldgebiet ist“, war die Sorge groß, schildert er. „Das in den Griff zu kriegen, wenn es mal brennt, ist schwierig.“
Der Rathauschef beauftragte seine Verwaltung, für ortsfremde Einsatzkräfte Karten zu beschaffen, auf denen die Zufahrtswege in den Wald eingezeichnet sind. Daneben organisierte er weiteren Proviant und Getränke für die Feuerwehrleute und schleppte auch selbst Wasserkästen.
Meyer lobt die Courage aller Einsatzkräfte. Besonders beeindruckt hat ihn das besonnene Handeln der FFW Neukirchen-Hirschbronn beim Erstangriff. „Da ist niemand in Panik verfallen. Die wussten, was zu tun ist.“ Und das, obwohl es keine Berufsfeuerwehr ist, die sich besser auf solche Situationen vorbereiten kann. „Waldbrand ist ja bei uns etwas Exotisches gewesen.“
Das Risiko künftiger Waldbrände komplett auszuschließen, sei schwierig, glaubt er. „Der Wald ist öffentlich zugänglich“ – von der weggeworfenen Zigarettenkippe über ein Auto, das auf trockenem Gras geparkt wird, bis zum verbotenen Lagerfeuer drohen viele Gefahren. Man könne nur die Bevölkerung warnen und daneben auf eine gute Ausrüstung der Einsatzkräfte setzen.
Die kommunale Allianz Kernfranken, bei der Sachsen Mitglied ist, arbeitet an einem Konzept für Waldbrand-Sets mit kürzeren Schläuchen, wie sie Kreisbrandinspektor Hans Pfeiffer empfiehlt. Für die acht Mitgliedskommunen werden diese bei den Wehren in Dietenhofen, Neuendettelsau und Windsbach vorrätig gehalten. Löschrucksäcke sind auch bei der Feuerwehr Alberndorf stationiert.
Wie ist der Zustand des Waldes heute? „Viele Bäume, von denen man gedacht hat, sie sind gar nicht beschädigt, sind im Laufe des Jahres verendet“, bedauert Bernd Meyer. Offenbar nahmen die Wurzeln durch die Hitze Schaden. Auf der anderen Seite treiben scheinbar verbrannte Bäume wieder aus. „Und im letzten Winter hat der ein oder andere Besitzer schon wieder aufgeforstet.“ Die Natur erholt sich.