Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte es sich schon erläutern lassen, und jetzt kam die bayerische Ehrenamtsbeauftragte Eva Gottstein eigens nach Neustadt: Das Freiwillige Soziale Schuljahr (FSSJ) nach dem Neustädter Modell hat in den 20 Jahren seines Bestehens schon viele Nachahmer und bundesweite Beachtung gefunden.
Fast noch wichtiger für den Landkreis: Es animierte auch im vergangenen Schuljahr wieder mehr als 200 Jugendliche, sich mindestens 80 Stunden ehrenamtlich im Verein oder der Kirche, im BRK oder THW, in einer Senioren- oder Kindereinrichtung zu engagieren und dabei im besten Fall sowohl für sich persönlich etwas mitzunehmen als auch das soziale Miteinander im Landkreis zu stärken.
So zum Beispiel Maximilian Schmotzer aus Bad Windsheim. Er war schon vier Jahre bei der Feuerwehr, bevor er dort sein FSSJ absolvierte. Hat’s Spaß gemacht? „Auf jeden Fall“, kommt Schmotzers prompte Antwort.
Aber selbst diejenigen, die nicht immer Lust auf den Einsatz hatten, haben profitiert, meinte die FW-Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt. Persönlichkeitsbildung, Selbstvertrauen gewinnen und das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, hob auch der stellvertretende Landrat Reinhard Streng hervor.
Aber auch Arbeitgeber schätzen das FSSJ-Zeugnis, das am Donnerstagabend überreicht wurde. „Ich schaue immer darauf“, bestätigte Neustadts Bürgermeister Klaus Meier für die Stadt als Ausbilder.
Eva Gottstein, die bayerische Ehrenamtsbeauftragte, räumte gleich mit einem Vorurteil auf: Die Gruppe der jungen Leute zwischen 14 und 29 Jahren sei nämlich jene Altersgruppe, die sich am zweitstärksten ehrenamtlich engagiert. „Nur die bis 45-Jährigen sind noch aktiver.“
Viele dieser Jugendlichen waren an diesem Abend zu erleben: Die Zahl der FSSJler sprengte sogar die Kapazitäten der Bühne in der NeuStadt-Halle. Und ein junges Moderatorenteam führte die Gäste charmant durch den Abend. Die 15-jährige Lea Krasnia und der 17-jährige Hamsa Alshammary von der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule (DBRS) in Neustadt freuten sich wiederum sehr über die musikalischen Einlagen eines anderen FSSJlers, Conrad Gehringer, am Klavier.
Die DBRS spielt auch in anderer Hinsicht eine herausragende Rolle in der Geschichte des FSSJ, war sie doch die erste Schule, die sich daran beteiligt hatte. Die damalige Vertrauenslehrerin Renate Frühwald gehörte deshalb auch jetzt zu den drei Ehrengästen der ersten Stunde, die am Schluss der Veranstaltung zu Wort kamen. Neben der damaligen Caritas-Vorsitzenden Barbara Lendlein war das natürlich vor allem Horst Koydl, der das Neustädter Modell erfunden hatte.
Heute schwer vorstellbar, aber damals hatte es tatsächlich nicht genügend Lehrstellen für die jungen Leute im hiesigen Landkreis gegeben. Mit Hilfe des Neustädter Modells sollte die Jugend ihre Stärken entdecken, Beziehungen knüpfen und an soziale Berufe herangeführt werden.
Das FSSJ blieb aber nicht stehen – die neueste Entwicklung sind etwa „Sprachbuddies“, die zur Sprachförderung oder als Vorlesende in den Kitas unterwegs sind.
Gabi Schmidt hatte in ihrem Grußwort die beeindruckende Zahl von 3,8 Millionen Euro errechnet, welche der Einsatz der insgesamt mehr als 4000 jungen Leute zum heutigen Mindestlohn wert gewesen wäre.
Obwohl klar sei, dass sich jeder Euro, den man in das Ehrenamt stecke, mehrfach auszahle, sehe der Entwurf für den neuen Bundeshaushalt in diesem Bereich aber eine Kürzung vor, kritisierte der CSU-Bundestagsabgeordnete Tobias Winkler. Er versprach, dagegen zu kämpfen.
Das FSSJ wird von Sponsoren unterstützt. Insbesondere die Sparkasse habe seit 2012 mehr als 30.000 Euro in die gute Sache investiert, freute sich der Geschäftsführer der Caritas, Andreas Schilling.
Mit Foto-Box und Snacks des Scheinfelder BSZ ging es dann zum gemütlichen Teil über. FSSJ-Koordinatorin Iris Reichel hatte mit ihrer Kollegin Veronika Polok viel Zeit und Liebe in die Vorbereitung des Abends investiert.