In den drei mehrheitlich katholischen Gemeinden des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – Markt Bibart, Oberscheinfeld und Scheinfeld – ist Mariä Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag. Die Geschäfte in den drei Kommunen haben am Donnerstag geschlossen. Wer dort seinen Arbeitsplatz hat, darf sich über einen freien Tag freuen.
Entscheidend, ob in einer Kommune an diesem Tag Feiertag ist, ist das Verhältnis von katholischen zu evangelischen Einwohnern. Die Konfessionslosen oder Angehörigen anderer Religionen fallen nicht mit in die Waagschale.
Katholiken glauben, dass Maria als Mutter Jesu an diesem Tag in den Himmel aufgenommen wurde. In Verbindung mit dem Feiertag steht das Binden von Sträußen aus verschiedenen Kräutern. Die Sträuße schmücken üblicherweise zur Messe den Altar. In der Scheinfelder katholischen Pfarrgemeinde kommt dem Feiertag noch ein zusätzliches Gewicht zu. Denn die Stadtpfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ feiert da auch ihr Patronatsfest.
In den übrigen 35 Gemeinden des Landkreises muss hingegen auch an Mariä Himmelfahrt gearbeitet werden. Zum Einkaufen können die Bewohner der überwiegend katholischen Gemeinden also zu den evangelischen ausweichen.
Die Zahlen, die über Fortbestand oder Abschaffung des Feiertags entscheiden, ergeben sich aus dem Zensus. Der Zensus ist eine Volkszählung, bei der Daten über die Bevölkerung erhoben werden. Maßgeblich sind bislang noch die Zahlen aus dem Jahr 2011. Ab kommendem Jahr wird dann auf eine neuere Datenerhebung zurückgegriffen. Der letzte Zensus-Stichtag war der 15. Mai 2022. Die Ergebnisse wurden erst heuer im Juni veröffentlicht.
Zu erkennen ist, dass Markt Bibart – mit 50,3 Prozent Katholiken zu 26,4 Prozent Evangelischen – weiterhin überwiegend katholisch geprägt bleibt und um den Fortbestand des freien Tages nicht bangen muss. Auch Oberscheinfeld bleibt mehrheitlich katholisch.
Sehr knapp war es hingegen in Scheinfeld. Mit einer Differenz von gerade einmal 27 Einwohnern bleibt Mariä Himmelfahrt in Scheinfeld als Feiertag bestehen. Beim Zensus von 2011 gab es noch 168 mehr katholische als evangelische Einwohner. Doch der vermeintliche Wechseltrend scheint erst einmal gebremst.
In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Differenz wieder erhöht. Laut den Zahlen der Stadtverwaltung müssen die Scheinfelder erst einmal nicht um ihren Feiertag bangen. Mit aktuell 1721 katholischen zu 1659 evangelischen Einwohnern bleiben die Katholiken in der Mehrheit.
Grund dafür könnte unter anderem der Anstieg bei den evangelischen Kirchenaustritten sein. Wo früher zwei Austritte aus der katholischen Kirche auf nur einen Austritt aus der evangelischen Kirche kamen, nahmen Letztere in den vergangenen Jahren zu. Mittlerweile geht man im Bürgerbüro der Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld von ungefähr gleich vielen Austritten aus den beiden Kirchen aus.
Selbst wenn demnächst die Evangelischen in Scheinfeld die Katholischen überholen würden, hieße das noch nicht automatisch, dass der Feiertag gestrichen würde. Maßgeblich ist nicht die Einwohnerstatistik, sondern der Zensus. Bis zum nächsten vergehen erfahrungsgemäß noch einige Jahre. Mindestens bis dahin dürfen auch die Scheinfelder ihren Feiertag behalten.