Seit 25 Jahren werden in Markt Erlbach Kindergarten- und Schulkinder mit viel Herzblut für Bücher und fürs Lesen begeistert. Seit den Anfängen auf 20 Quadratmetern im Keller des Gemeindehauses bis zu den jetzigen freundlichen und großzügigen Räumen im ersten Stock des Bürgerhauses „Zum Löwen“ hat sich viel getan.
Beate Pfänder, die Leiterin des Büchereiteams, will anlässlich des Jubiläums gar nicht in der Geschichte wühlen. Und als ihre Mitstreiterin Barbara Patla-Domagala zu einer Lobeshymne über ihre Fähigkeiten als Leitung anhebt, fällt ihr die umtriebige „Chefin“ gleich ins Wort.
Die Geschichte, die sie erzählen will, ist eine von Professionalität im Ehrenamt. Und wer wollte ihr da widersprechen?
Die Bücherei im Bürgerhaus zum Löwen ist auch am Montagvormittag voller Leben. Zwei Kindergartengruppen geben sich die Klinke in die Hand. In drei hellen Räumen können sie stöbern: Hier lädt ein Sofa zum Zurückziehen ein, dort ist die Märchenecke liebevoll dekoriert. Das Regal mit Neuerscheinungen und Tipps für verschiedene Altersgruppen hilft Unentschlossenen weiter.
Die Räume sind aber nur das eine. Denn die meisten Mitglieder des Büchereiteams können mehr als die Ausleihe abzuwickeln. „Ich bin so froh über die verschiedenen Talente, die hier zusammenkommen“, sagt Pfänder. Da sind die Deko-Queens mit ihren Ideen, da ist Christina Schirmer, die die Homepage und die sozialen Medien betreut, da ist der technikaffine neue Helfer. Immerhin sind von 13.000 Ausleihen im Jahr inzwischen 4500 digital.
Trotz der 8500 analogen Ausleihen sind Pfänder und ihr Team überzeugt, dass Veranstaltungen immer wichtiger werden. Das Jubiläumsjahr wird eine besondere Herausforderung, denn viele Angebote kommen zum normalen Programm hinzu: Leseförderung im Kindergarten und in der Schule, ein Büchereiführerschein, ein Literaturgottesdienst (dieses Jahr als großer Jubiläumsgottesdienst am 19. Oktober) und eine Wein-Lese zur Vorstellung neuer Bücher, die Beteiligung am Ferienprogramm und die Gestaltung eines Adventsfensters.
Die Ehrenamtlichen besuchen immer wieder Fortbildungen, zum Beispiel zur kirchlichen Büchereiassistentin. Bei Beate Pfänder selbst ist aus dem Engagement inzwischen ein Brotberuf geworden. Ihr Geld verdient sie in einer Buchhandlung – und ist natürlich auf dem Laufenden, was interessante Neuerscheinungen betrifft.
So viel zum Thema Professionalität, die durch das silberne Büchereisiegel bestätigt wird. Gestemmt wird all das von 18 Ehrenamtlichen. Zuwachs ist jederzeit willkommen. „Junge Männer wären der Traum“. Nur so lässt sich das kostenlose Angebot, das Bildung für alle ermöglichen will, aufrecht erhalten.
Hinter der Bücherei steckt mittlerweile ein kompliziertes Konstrukt. Die evangelische Kirchengemeinde ist der Träger – sie hat seit Luther einen engen Bezug zum Buch und zum Lesen. Die Leonhard-und-Marianne-Teichmann-Stiftung kam dazu und stellt die Räume bereit. Inzwischen ist auch die katholische Kirche im Boot, die Diözese beteiligt sich finanziell und gibt die staatlichen Zuschüsse weiter.
Die Idee ist, schon die Kleinsten ans Lesen heranzuführen. In der Jugend schwächelt der Besuch, doch mit ihren eigenen Kindern kommen viele wieder. Der Lohn der Mühen: Wenn Kinder, die zu Hause in keinerlei Kontakt zu Büchern kommen, ganz versunken in ihnen blättern.