Ein Buch über Neustadts größten Schatz: Wolfgang Mück ehrt die Kirchenbibliothek | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.10.2025 15:18

Ein Buch über Neustadts größten Schatz: Wolfgang Mück ehrt die Kirchenbibliothek

Ausgewählte Buch-Exemplare aus der Neustädter Kirchenbibliothek waren unlängst anlässlich der Jubiläumsfeier zu deren 500-jährigen Bestehen im evangelischen Gemeindezentrum zu sehen.  (Foto: Ute Niephaus)
Ausgewählte Buch-Exemplare aus der Neustädter Kirchenbibliothek waren unlängst anlässlich der Jubiläumsfeier zu deren 500-jährigen Bestehen im evangelischen Gemeindezentrum zu sehen. (Foto: Ute Niephaus)
Ausgewählte Buch-Exemplare aus der Neustädter Kirchenbibliothek waren unlängst anlässlich der Jubiläumsfeier zu deren 500-jährigen Bestehen im evangelischen Gemeindezentrum zu sehen. (Foto: Ute Niephaus)

Seit 500 Jahren gibt es die Neustädter Kirchenbibliothek und auch wenn ihr Bestand derzeit (noch) ausgelagert ist, so wurde das Jubiläum doch angemessen gefeiert. Zum Thema ist nun auch ein Büchlein erschienen - großteils verfasst von Neustadts „Haushistoriker” Dr. Wolfgang Mück.

Inkunabel? Receptaculum? Missalien? Man darf Mück mit Fug und Recht unterstellen, dass er Sinn und Bedeutung dieser Begrifflichkeiten kennt. Man kann sogar davon ausgehen, dass er sie verwendet, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, dass so mancher Leser seiner Werke einen Fremdwörterduden benötigt, um immer und überall folgen zu können. Dies jedoch als Kritik zu verstehen, wäre grundverkehrt: Zum einen ist es immer schön, neue Worte zu lernen, zum anderen lohnt sich die Mühe: Die Geschichte der Neustädter Kirchenbibliothek ist stellenweise so spannend wie ein Krimi und ein wunderbares Beispiel für den Wandel der Werte über die Jahrhunderte hinweg.

Vom Wert war man nicht immer überzeugt

Keine Frage, heute gilt die Kirchenbibliothek als Schatz und wohl nur Menschen jenes Schlages, die im amerikanischen Kapitol die gestiefelten Füße auf Schreibtische legen, kämen auf die Idee, sie dem Altpapier zuschlagen zu wollen. Das jedoch war nicht immer so. So waren die Verantwortlichen in Neustadt beispielsweise noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts offensichtlich nicht sehr überzeugt vom Wert der rund 5000 Bände: „Die Kirchenverwaltung hätte die Bibliothek, wie aus einer Stellungnahme des Neustädter Dekanats vom 3.Januar 1903 hervorgeht, am liebsten verkauft (...)” schreibt Mück und berichtet auch davon, woran dieses Unterfangen letztlich scheiterte.

Akribisch und detailversessen hat er wieder mal recherchiert der Neustädter Alt-Bürgermeister, der Geschichts- und Geschichtenbewahrer. Er erinnert an die Blütezeit der Bibliothek unter Superintendent Georg Matthäus Schnizzer (1727 bis 1805), zitiert aus jenen Listen, auf denen die „Zugänge” - sprich die Bücherspenden - vermerkt sind und er erinnert an die bibliophile Ersteinrichtung des Raums in der Neustädter Stadtkirche, als die Riedfelder Mönche im Zuge des Bauerkrieges und aus Angst vor Brandschatzung ihre kostbaren Bände ins stadtmauergeschützte Neustadt schleppten.

Raum und Sammlung sind wohl einmalig

In seinem letzten Kapitel zitiert Mück ausführlich seinen Historiker-Kollegen Dr. Konrad Bedal, den unlängst verstorbenen früheren Leiter des Fränkischen Freilandmuseums, der über die Neustädter Kirchenbibliothek unter anderem das Folgende geschrieben hat: „Doch der besondere, ja einmalige Wert der Neustädter Kirchenbibliothek besteht ja gerade in dem originalen historischen Zusammenhang einer 500-jährigen Büchersammlung mit dem ebenso alten, extra dafür geschaffenen kreuzgewölbten gotischen Bibliotheksraum über der Sakristei, den originalen Regalen (16. bis 18. Jahrhundert), mit der überlieferten Ordnung und der engen Aufstellung der Bücher darin bis zum spärlichen Benutzer-Mobiliar wie Stuhl und Tisch.”

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Und weiter schrieb Bedal: „Es gibt in ganz Süddeutschland kaum noch einen vergleichbaren Ort, in dem Bibliothek, Einrichtung und Raum über fünf Jahrhunderte so eng zusammengehörig bestanden haben (...).”

Den Abschluss des Buches bilden ausnahmweise nicht Mücks Worte, sondern ein Aufsatz des „Herrn der Bücher”. Reinhold Ohlmann ist seit mittlerweile rund fünf Jahrzehnten für die Bücher, ihre Pflege und ihren Erhalt zuständig und schreibt über die wichtigsten Exemplare, die bevorzugten Autoren sowie jene Werke, die als wichtige Quellen der Heimat- und Kulturgeschichte dienen können. Und zu guter Letzt beschreibt Harald Wießner die zwei herausragenden „Musikalien” der Bibliothek: Zum einen ist dies die „Tabulatura nova”, die bedeutendste und umfangreichste Sammlung von Kompositionen für Tasteninstrumente, die vor dem 18.Jahrhundert in Deutschland erschien. Zum anderen geht es um die Neustädter Orgaltabulatur, einer aus einem Druck und mehreren Handschriften bestehenden Sammlung von Orgeltabulaturen - ein musikhistorisch epochales Werk.

Bücher aus der Frühzeit

Zum Ende darf die Auflösung für all jene, die auf die Schnelle keinen Fremdwörterduden zu Hand hatten, nicht fehlen: Bei „Inkunabeln” handelt es sich um Bücher aus der Frühzeit des Buchdrucks, die mit beweglichen Lettern hergestellt und meist reich verziert und kostbar eingebunden wurden. Ein Receptaculum ist in der Biologie ein Wort für „Blütenboden” oder Behälter, im übertragenen Sinne steht es für einen Zufluchtsort. Und bei Missalien handelt es sich um Messbücher. Man kann eben nie genug wissen - das Lebensmotto des Dr. Wolfgang Mück.

Das Buch „500 Jahre Neustädter Kirchenbibliothek” der Autoren Dr. Wolfgang Mück, Reinhold Ohlmann und Harald Wießner ist im Verlag PH.C.W.Schmidt, Neustadt an der Aisch, erschienen. 127 Seiten, erste Auflage September 2025.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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