Fünf Kästen Bier, einen Brunnen und zehn weitere Kästen Bier in Aussicht – und das, obwohl sie mit der ganzen Sache überhaupt gar nix zu tun hatten: Für die Ickelheimer Ortsburschen hätte der Brunnenklau aus Bad Windsheim gar nicht besser laufen können. Bürgermeister Jürgen Heckel führte gestern die Verhandlungen.
„Sooo, bevor ich jetzt hier in die Gespräche eintrete, brauch’ ich einen Täter“, sagte Heckel, der völlig überraschend für die Kerwaburschen am Montag plötzlich im Hof in der Mittelgasse auftauchte, in dem sie sich auf die traditionelle Kirchweihverlosung vorbereiteten. Aus feindlichem Gebiet, nämlich aus Limbach, sei der Anschlag verübt worden, warfen die Ortsburschen ein. Ihr Anwalt habe ihnen geraten, zu sagen: „Wir distanzieren uns von jeglichen Aktivitäten, die sich in der Nacht zum Donnerstag zugetragen haben“, scherzte einer der Burschen, der sich seinen Text kurz zuvor noch in Absprache mit einem Kollegen auf einem Zettel notiert hatte und vorlas.
„Das sind Streiche, die ich absolut cool finde.”
„Ach, einen Anwalt brauchen wir nicht“, sagte Heckel. „Das ist eine pfundige Sache. Respekt, wer auf eine solche Idee kommt und sich dann auch noch traut, sie umzusetzen. Das sind Streiche, die ich absolut cool finde und von denen ihr auch den Generationen nach euch noch erzählen werdet.“ Das „Teil“ sei ja auch nicht gerade leicht, so Heckel. „Sauschwer war er und mit den 3,20 Metern Durchmesser auch nicht gerade handlich“, sagte einer aus der hinteren Verhandlungsreihe, der wie seine Kollegen namentlich nicht genannt werden wollte.
Bereits beim Bieranstich am Kerwafreitag hatten die Bad Windsheimer Vize-Bürgermeisterin Alexandra Horst und ihr FWG-Kollege Wolfgang Eckardt angekündigt, dass die Freie Wählergemeinschaft den Ickheimer Jungs zehn Kästen Bier schenke, wenn sie das aus der Seegasse entführte Brunnenmodell in Ickelheim behalten.
„Wenn in einem Dorf die Jungen noch so zusammen halten, find’ ich das klasse.“
Jürgen Heckel hatte sich mit Stadtbaumeister Ludwig Knoblach im Vorfeld besprochen. Auch Knoblach zollte den Burschen Respekt. „Wenn in einem Dorf die Jungen noch so zusammen halten, find’ ich das klasse.“ Aus „gemeindesoziologischer Sicht“ sei es besser, als dass jeder für sich „auf seinem Wischkästchen rumklimpert“, sagte Knoblach im Gespräch mit unserer Redaktion. „Da spiel ich gern mit.“
Ein paar Auflagen müssen die Burschen erfüllen, dann können die Ickelheimer das Brunnenmodell gerne behalten, teilte Heckel die Bedingungen der Verwaltung mit. Sie müssen sicherstellen, dass der Brunnen, dessen Herstellung rund 800 Euro gekostet hat, untergestellt wird. Zu verhindern sei, dass der Brunnen durch „Trittbrettfahrer“, die durch die Aktion auf den Plan gerufen worden sind, nun eine Landkreisrunde zieht – immerhin stehen noch einige Kirchweihen an.
Aus eben dieser Angst hatten die Burschen den Brunnen bereits in der Nacht zum Samstag mit Eisenketten und zwei Vorhängeschlössern gesichert. Zerlegt werden dürfe er auch nicht, und die Stadt müsse Zugriff auf das hölzerne Brunnenmodel erhalten, falls der Brunnen in der Seegasse gebaut wird und „Maß genommen werden muss“.
Zumindest bis zum Kirchweihumzug 2024 soll der Brunnen nun in Ickelheim bleiben. „Da brauchen wir ihn dann ja“, sagte der Ortsteilbeauftragte Hans Wattenbach, der auch nicht vergaß, Heckel erneut darauf hinzuweisen, dass die Ickelheimer seit drei Jahren den Wunsch nach einem „echten Brunnen“ äußern.
Fünf Kästen Bier hatte Heckel gestern noch schnell beim Döbler besorgt und in den Kofferraum seines Wagens geladen, bevor er nach Ickelheim fuhr. Das akzeptierten die Ortsburschen dann auch und halfen beim Ausladen, nicht ohne dem Bürgermeister noch einmal zu zeigen, dass Ickelheim der schönste Ortsteil seiner Stadt sei. „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Ickelheim?“ Ein gelber Aufkleber mit schwarzer Aufschrift leuchtete Heckel von der Heckscheibe seines Autos entgegen. „Elende Kerle“, rutschte es ihm raus, aber nicht ohne zu schmunzeln.
„Schlaue Burschis“, lautet dagegen die Reaktion von Alexandra Horst, als sie gestern am Spätnachmittag von unserer Redaktion erfahren hat, dass die Ortsburschen auch das Versprechen der FWG einlösen wollen. Denn schließlich bleibt das Modell ja jetzt in Ickelheim. Die zehn Kästen habe sie zugesagt, und die sollen die Burschen für „diese echt tolle Aktion“ auch bekommen. Noch am Abend wollte sie ihre Fraktionskollegen darüber informieren.