Beim 6. Ultra Double Triathlon in Emsdetten war auch ein Ansbacher am Start. Für Marc Hartmann von den Herrieder Aquathleten war es die bislang größte sportliche Herausforderung seiner Karriere.
Die unmittelbare Vorbereitung auf den Wettkampf war nicht unbedingt optimal, stand doch in der Vorwoche noch ein berufsbedingter Umzug an. So blieben die Kartons noch stehen, als Hartmann mit seiner Familie die Reise ins Nordrheinische antrat.
Morgens um 7 Uhr fiel der Startschuss, der offizielle Zielschluss war 34 Stunden später geplant. Zunächst galt es, mit acht weiteren Schwimmern im 50-m-Becken des Emsdettener Freibads 152 Bahnen zu absolvieren. Drei Stunden hatte sich der Ansbacher für die 7,6 Kilometer vorgenommen und tatsächlich entstieg er nach 3:03,34 std dem nassen Element.
Als Hartmann gegen 10 Uhr die 360 Kilometer mit dem Rad in Angriff nahm, waren die Temperaturen bereits deutlich gestiegen. Der 4,4 km lange Rundkurs war gut zu fahren, jedoch machte die Hitze von über 30 Grad im nicht vorhandenen Schatten vielen zu schaffen. Dank seiner Betreuer klappte es mit der Verpflegung bestens, literweise wurde das Wasser auch über den Körper geschüttet. Zur Kühlung musste immer wieder ein nasses Handtuch unter dem Helm herhalten.
Später ging es hinein in die kühlere Nacht, bevor Hartmann nach 15:31 std gegen 2.30 Uhr auf die Laufstrecke wechselte. Für zwei Stunden waren die 47 verbliebenen Teilnehmer auf der etwa 1,6 km langen Runde unterwegs. Um 4.30 Uhr, nach insgesamt 21:26 std sicherte sich Tom Dreyer aus Münster den Sieg.
Zu diesem Zeitpunkt musste Hartmann eine Stunde „Powernap“ einlegen, um überhaupt weiterlaufen zu können. Gegen 8 Uhr, als sich erneut ein heißer Tag ankündigte, kam der Tiefpunkt. „Mein Körper wollte nur noch schlafen, schlafen, schlafen“, so Hartmann, „und es lagen noch 63 Kilometer vor mir“.
Die prognostizierte Ankunftszeit lag zu diesem Zeitpunkt bereits gegen 19 Uhr, also zwei Stunden nach Zielschluss. Ein Athlet nach dem anderen lief ins Ziel ein und die Schmerzen wurden immer größer. „Ab etwa 14 Uhr hat mich mein Team abwechselnd begleitet und mir regelrecht 'Beine' gemacht.“
Sein Tempo wurde wieder schneller und Runde für Runde konnte er Zeit gut machen. Ab 15.45 Uhr wurde Hartmann sogar zum Alleinunterhalter, denn alle anderen Teilnehmer waren im Ziel oder hatten aufgegeben. Doch der Veranstalter organisierte einen möglichen Zieleinlauf bis 18 Uhr.
Nach 34:25,25 std für insgesamt 450 Kilometer wurde Hartmann um 17.25 Uhr von allen Anwesenden inklusive seiner Familie regelrecht ins Ziel getragen, der emotionalste Moment als Schlusspunkt des sportlichen Wettkampfes. Für die WM-Wertung galt der Wettkampf wegen Zeitüberschreitung als „nicht gefinisht“, jedoch nicht für die Organisatoren. Urkunde, Finishermedaille, Finishershirt – alles hart erarbeitet.
Der Ansbacher war laut der lokalen Presse der „Sieger der Herzen“ geworden. „Was gibt es Schöneres, als einmal beim Triathlon letzter zu sein?“, philosophierte Bernhard Vogel vom Moderatorenpodest aus. Von den 61 Männern erreichten nur 36 das Ziel, von sechs gestarteten Frauen deren drei. Die Abbrecherquote war selbst für derartige Distanzen ungewöhnlich hoch und der Hitze geschuldet. Marc Hartmann hat diesen härtesten Kampf seiner Karriere bestanden.