Wenn Karla Pöllmann-Heller an der „Herberge im Hofhaus“ vorbeigeht, schlägt ihr Herz vor Freude schneller. Gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang hat sie die Sanierung des ehemaligen Austragshauses angestoßen. Statt Bauern im Ruhestand machen es sich hier nun Radfahrende und Pilger gemütlich.
Auf dem Gelände, auf dem Karla (70) und Wolfgang (71) Pöllmann-Heller heute leben, führten einst die Großeltern von Karla einen Bauernhof. Der Hof im Herzen von Binzwangen im Landkreis Ansbach stand jahrelang unter Pacht, ehe ihn Karla Pöllmann-Hellers Mutter an die Tochter überschrieb. Im Jahr 1992 entschloss sich das Paar, hier einzuziehen. Auf der Hofanlage bauten sie das Haupthaus neu. Blumen im Garten, viel Holz im Inneren und Fachwerk, das sich in das Ortsbild Binzwangens einpasst, zeugen davon, dass im Neubau viel Liebe und Gedanken stecken.
Zunächst unangetastet ließ das Paar das ehemalige Austragshaus gleich nebenan. Solche Häuser waren früher fester Bestandteil von Bauernhöfen: Nach der Übergabe des Hofes an die Nachkommen verlebten die Altbauern hier ihren Ruhestand. Karla Pöllmann-Hellers Ururgroßeltern taten das so. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Flüchtlinge unter. Ab den 70ern diente das Austragshaus als Kartoffelkeller und Abstellraum für landwirtschaftliche Geräte.
„Wir leben im alten Hof und spüren eine intensive familiäre Bindung“, sagt Wolfgang Pöllmann-Heller. Damit das Gesamtbild stimmt, sollte auch das Austragshaus würdevoll behandelt werden. „Es war mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Karla Pöllmann-Heller. „Ich habe als Kind auf dem Hof schöne Tage verbracht.“
Welch neues Leben einziehen sollte, war nicht von Anfang an klar. Café? Kneipe? – Es sollte auf jeden Fall etwas mit Menschen zu tun haben. Für einen gastronomischen Betrieb war das Haus zu klein, die Treppe nach oben zu eng. Der eigene Bed-and-Breakfast-Urlaub in Irland brachte die zündende Idee: „Das würde uns auch Spaß machen, haben wir gedacht“, sagt Karla Pöllmann-Heller. In der Herberge am Hofhaus übernachten nun Fahrradfahrer oder Pilger, die den Jakobsweg, der direkt am Haus vorbeiführt, entlanglaufen. Für die, die vor ihrer Ankunft eine Einkaufsliste durchgeben, kaufen die Pöllmann-Hellers ein. Frische Brötchen am Morgen gibt es für alle Gäste.
Dass die Eheleute die denkmalgerechte Sanierung nicht alleine stemmen können, war von Anfang an klar. Seit 2004 haben sie sich stetig nach Fördermöglichkeiten umgesehen. Tagelang füllte Wolfgang Pöllmann-Heller Förderanträge aus und erarbeitete Präsentationen. „Es war wie eine zweite Arbeit. Aber es ist ja auch klar: Wenn man Geld haben will, muss man etwas dafür tun.“ Am Ende erhielten sie Unterstützung von Bezirk, Landkreis und dem Landesamt für Denkmalpflege.
Damit die Fördergelder in den richtigen Zeiträumen fließen können, musste der Umbau sehr schnell gehen. Mitten in der Corona-Zeit, von März bis Dezember 2020, lief die Bauphase. „Wir haben das alles vergeben und nicht mitgeholfen. Wir waren beide noch berufstätig und hätten das auch von unseren Fähigkeiten nicht leisten können“, meint Wolfgang Pöllmann-Heller. Die Fassade wurde neu gemacht, Elektronik und Wasser ins Gebäude verlegt. „Die Menschen, die früher hier gelebt haben, haben es irgendwie ohne all das geschafft. Jetzt ist es so, dass es heutigen Ansprüchen genügt“, lacht Karla Pöllmann-Heller. Seit Ostern 2022 hat die Herberge im Hofhaus geöffnet.
Sie ist das neue Hobby der ehemaligen Tierärztin und des Ex-Diplom-Ingenieurs. Im Ruhestand sind sie Herbergseltern geworden. „Es ist eine ganz neue Erfahrung“, aber wir mögen die Rolle“, sagt Wolfgang Pöllmann-Heller. Zwei Zimmer, vier Betten, Akkuladestationen für die E-Biker und eine Gemeinschaftsküche gibt es jetzt im Haus. Wegen des Denkmalschutzes hat es keine Außendämmung. „Damit niemand friert, ist nur von Ostern bis Ende der Wandersaison geöffnet.“
Erschöpfte Wanderer oder Radfahrer, die ihre Kondition überschätzt haben – manchmal klopft jemand an die Tür. Doch die meisten Buchungen kommen übers Portal. „Es sind Durchreisende, die normalerweise ein, zwei Tage bei uns bleiben“, erklärt die Herbergsmutter. Und das ist gut so: „Durch die kurze Vermietungsdauer sind wir keine Konkurrenz zu den Anbietern von Ferienwohnungen im Ort – die wollen ja alle längerfristig vermieten.
Das Haus wurde 1822 erbaut. Nachdem in den ersten Jahren Altbauern hier lebten, wurde es von 1973 bis 1992 gemeinsam mit dem Bauernhof verpachtet. Anders als andere Häuser dieser Art wurde es weder groß umgebaut noch abgerissen. Abgesehen von der sanften Renovierung befindet sich das Austragshaus noch im ursprünglichen Zustand. Da es nicht mehr viele derartige Gebäude gibt, wurde es von verschiedenen Stellen als förderwürdig anerkannt.