Egersdörfer und Gymmick spielten in Immeldorf auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.01.2024 06:30

Egersdörfer und Gymmick spielten in Immeldorf auf

Grobfeines Herren-Duo: Matthias Egersdörfer (links) und Tobias Hacker alias Gymmick. (Foto: Thomas Wirth)
Grobfeines Herren-Duo: Matthias Egersdörfer (links) und Tobias Hacker alias Gymmick. (Foto: Thomas Wirth)
Grobfeines Herren-Duo: Matthias Egersdörfer (links) und Tobias Hacker alias Gymmick. (Foto: Thomas Wirth)

Schau an, Matthias Egersdörfer hat eine fürsorgliche Seite. Die sieht man bei diesem Griesgram und Schreihals sonst eher nicht. Bei seinem Auftritt im sagenhaft rumpeligen „Weißen Roß“ zu Immeldorf ahnt man sie aber. Jedenfalls rät er allen, am Montag gleich zum Arzt zu gehen – man könnte sich ja etwas eingefangen haben.

Matthias Egersdörfer ist nicht allein aus Fürth hergefahren. Er hat den Nürnberger Tausendsassa-Künstler, den Brachialbarden und Karikaturisten Tobias Hacker alias Gymmick in seinem Auto mitgenommen. Das war eine gute Idee. Die zwei geben ein schönes Herren-Duo ab.

Bei Gymmick lacht Egersdörfer

Den Gymmick kennt man zwar in Immeldorf noch nicht so sehr, aber seit Samstagabend ist das anders. Tobias Hacker passt zu seinem Duopartner, so wie Sauerkraut zur Bratwurst. Wahrscheinlich ist er eine Art Seelenbruder, was man daran sieht, dass es Egersdörfer, diesem Großmeister des misanthropischen Missmuts, nicht bloß einmal die erdwärts orientierten Mundwinkel in Richtung Immeldorfer Balkendecke zieht. Doch, Egersdörfer lächelt, ja lacht fast ein paar Mal, wenn Gymmick zu seiner Fender Telecaster greift und grobe Lieder singt.

Die zwei ergänzen sich prima. Gymmick ätzt in seinen Songs gern den Heile-Welt-Kitsch weg. Auf Zuruf reimt der Todesarten für süße Tiere, die ihres Lebens überdrüssig sind, erklärt aufs Drastischste im Tonfall von Karel Gott, wieso alle Babička hassen oder verwandelt parodistisch „Empire State of Mind“ in eine Anti-Nürnberg-Hymne.

Überschäumende Fabulierphantasie

Matthias Egersdörfer macht es seit je umgekehrt. Er arbeitet sich mit aller seiner Sprachgewalt und überschäumenden Fabulierphantasie aus seiner fränkischen Gemütsfinsternis in die Bezirke des literarischen Hochhumors hinauf. Dort droben ist dann alles nicht mehr ganz so schlimm, sondern lachhaft.

Trotzdem: Der schwarze Kern seiner Geschichten ist Angst. Angst vor Krankheit, Tod und Strafen, vor Langeweile, Einsamkeit und Repression.

Alltägliches, eine langsame Rolltreppe oder eine blaue Weinflasche, genügt, um wahnwitzige Assoziationslawinen loszutreten, die mit Karacho ins Unglückstal donnern. Die eigene Kindheit wird zum Alptraumland. Die Gratis-Gelbwurst beim Metzger empfindet er, die elfenzarte Seele, als fieses Demütigungsritual von Mutter und Verkäuferin: „Wie sagt man?“ Der Kleine ist verstockt, bis ihm das Rückgrat bricht. Wie sagt man? Danke.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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