Lange war der Neuendettelsauer Sozialkonzern im Krisenmodus. Jetzt sieht Vorständin Verena Bikas, zuständig für Bildung und Gesundheit, das Unternehmen in einem Transformationsprozess. In einem Interview schildert sie, wie es bei Diakoneo weitergehen soll.
Diakoneo hat seine Bildungseinrichtungen neu gegliedert. Können Sie das neue System kompakt beschreiben?
Wir haben drei gemeinnützige GmbHs namens Kids, Education und School gegründet. Alle drei sind Tochtergesellschaften von Diakoneo. Die Kitas, die beruflichen Schulen sowie Realschule, Gymnasium und FOS von Diakoneo wurden gezielt nach den Kostenträgern zusammengefasst. Der Hauptgrund dafür war, in kleineren Einheiten das unternehmerische Denken und Handeln zu fördern. Außerdem müssen wir mit den Kostenträgern eine gute Kommunikation mit klaren Ansprechpartnern aufbauen.
Für die Dachsanierung des maroden Förderzentrums St. Laurentius wurde eine Einigung mit dem Landkreis Ansbach erzielt. Damit ist das Weiterbestehen der Schule zunächst gesichert. Aber muss an dem Gebäude nicht viel mehr gemacht werden?
Wir haben uns mit allen Stakeholdern so geeinigt, dass wir den Schulbetrieb weiterlaufen lassen können. Dafür mussten wir die Dachsanierung aus dem großen Paket der Generalsanierung herauslösen, damit es schnell geht. Es haben aber alle Beteiligten versichert, dass sie sich bei der Generalsanierung genauso beteiligen wie jetzt bei der Dachsanierung.
Wie waren die Reaktionen bei den Eltern und bei den Schülerinnen und Schülern auf diese Nachricht?
Sie waren sehr erleichtert. Wir haben darauf geachtet, dass das jetzt schnell in die Kommunikation kommt, damit alle beruhigt sein können, denn das nächste Schuljahr ist nicht mehr weit. Wir haben sehr viel Unterstützung dabei bekommen, alle Stakeholder an einen Tisch zu bekommen.
Stehen andere Bildungseinrichtungen in Westmittelfranken momentan infrage?
Nein, grundsätzlich haben wir eher vor, zu expandieren. Das betrifft vor allem den Kita-Bereich, wo wir viele Anfragen bekommen, zum Beispiel von Einrichtungen anderer Träger. Wir liebäugeln auch damit, auf der Grundlage neuer gesetzlicher Regelungen im Pflegebereich weitere Schulen zu eröffnen oder bestehende Angebote auszuweiten.
Ausbildungsangebote im Gesundheits- und Sozialbereich haben in der Region auch andere Träger. Machen sie sich gegenseitig Konkurrenz?
Ich nehme eher wahr, dass viele Träger in Kooperation gehen statt in Konkurrenz. Wir lassen zum Beispiel die Sozialpflegeausbildung auslaufen, weil das Angebot hier groß ist.
Die ersten Kita-Gruppen schließen schon wieder, weil es so wenige Kinder gibt. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Wir verzeichnen momentan eine hohe Nachfrage in der Sozialpädagogik. Die Kitas werden immer ein Geschäft bleiben, bei dem man die Geburtenraten beobachten muss. Im Moment haben wir eher weniger Krippenkinder, aber dafür mehr Hortkinder. Wir machen deshalb keine solitären Einrichtungen mehr, also reine Krippen oder reine Horte. Dadurch hat man mehr Möglichkeiten, wenn das Raumkonzept passt. So wie wir aufgestellt sind, sehe ich da kein großes Problem.
Sie sind jetzt auch für den verbleibenden Gesundheitsbereich von Diakoneo verantwortlich. Glauben Sie weiter an das Konzept für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Rangauklinik?
Ja, ich bin mir da ziemlich sicher, dass das Konzept aufgeht, aber es braucht natürlich seine Zeit. Wir hatten ja jetzt erst den Umzug in den Neubau. Das Konzept hat hauptsächlich mit Belegungssteigerungen im Reha-Bereich zu tun. Wir sind dazu in Gesprächen mit den Kostenträgern, die einen guten Eindruck von unserer Klinik haben. Wir wollen uns im Bereich Weaning, also der schrittweisen Entwöhnung von einer künstlichen Beatmung, noch stärker etablieren. Auch am Thema Marketing sind wir gerade dran.
Wie sieht die Zukunft der Diakoneo-Station Wald im ANregiomed-Klinikum Ansbach aus, der einzigen Kinderkrankenstation in Westmittelfranken?
Die Station Wald ist eine Außenstelle der Cnopfschen Kinderklinik. Momentan läuft im Rahmen des Verkaufs der Klinik Hallerwiese und der Cnopfschen Kinderklinik der Übergabeprozess an das Städtische Klinikum Nürnberg. Ob und wie die Station dann weitergeführt wird, liegt in der Hand des Städtischen Klinikums. Dort hat man aber Erfahrung im Betrieb von Außenstellen.
Ab dem nächsten Jahr besteht der Diakoneo-Gesundheitsbereich nur noch aus der Rangauklinik und dem Medizinischen Versorgungszentrum. Lohnt sich ein so kleiner Bereich überhaupt?
Der Gesundheitsbereich ist kleiner als zuvor, aber Bildung und Gesundheit sind jetzt zusammengeführt. Es lohnt sich auch deswegen, weil die Ambulantisierung ein Riesenthema ist. Ich sehe das als eine Chance und habe vor, unser Angebot in diesem Bereich auszubauen.
Was steht denn konkret in dem Sanierungsgutachten für Diakoneo, das kürzlich fertiggestellt wurde?
Wir haben die positive Fortführungsprognose bestätigt bekommen. Das Gutachten sagt aus, dass der jetzige Vorstand mit seinem Sanierungsplan in der Lage ist, das Unternehmen in den nächsten drei Jahren zu sanieren. Ich spreche allerdings lieber von einer Transformation, weil es auch um Expansion und einen Ausbau unseres Portfolios geht. Wir müssen unser Angebot auch über die drei Jahre hinaus immer wieder neu bewerten – das ist unternehmerisch.
Wie wird sich die Unternehmensstruktur von Diakoneo entwickeln?
Wir wollen in eine Holdingstruktur. Dadurch werden die Geschäftsfelder und Leistungsbereiche aufgebrochen, weil durch die neu gegründeten Gesellschaften und mehr Verantwortung in den Regionen mehr Zusammenarbeit und Synergien in den Regionen entstehen. Was bleibt, ist die Körperschaft des öffentlichen Rechts, in der weiter die Eingliederungshilfe und die Kinder- und Jugendhilfe angesiedelt sind. Das ist die DNA von Diakoneo.
Wie sieht es an der Spitze des Sozialkonzerns aus? Wird es wieder einen Vorstandsvorsitzenden oder eine Vorstandsvorsitzende geben?
Ich freue mich, dass ich bei Diakoneo bleibe. Ich habe mein Mandat jetzt um drei Jahre verlängert bekommen. Das hat für Stabilität und Kontinuität bei allen, mit denen ich zusammenarbeite, gesorgt. Anfang 2025 hat unser Kuratorium eine Übergangsphase bis Ende 2026 definiert, in der wir ohne Vorstandsvorsitzenden agieren. Die weitere Gestaltung liegt beim Kuratorium. Ich finde die jetzige Konstellation im Vorstand super, wir arbeiten wirklich gerne und sehr gut zusammen.
Wie wollen Sie das diakonische Profil des Unternehmens wieder stärker sichtbar machen?
Die letzten eineinhalb Jahre waren sehr anstrengend für unsere Mitarbeitenden. Sie haben uns alle unterstützt und waren loyal. Dieser Zusammenhalt ist aus meiner Sicht unser diakonisches Profil. Das müssen wir noch selbstbewusster ausstrahlen.
Verena Bikas wurde 1986 in Amberg geboren. Sie hat eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie ein Studium der Gesundheits- und Pflegepädagogik absolviert, außerdem einen berufsbegleitenden Master-Studiengang Schulmanagement. Sie war als Lehrerin und Schulleiterin tätig, bevor sie als Referentin für generalistische Pflegeausbildung in das bayerische Gesundheitsministerium wechselte. Seit 2022 gehört sie dem Vorstand von Diakoneo an.