Die Burgbernheimer Schausteller, die heuer eine Schlittschuhbahn am Marktplatz aufbauen werden, haben genug vom Bad Windsheimer Streit um den Weihnachtsmarkt. Niemand aus Bad Windsheim will mehr für sie arbeiten und nun bekommen die Kirschbaums auch noch Drohungen.
Das halte sie jetzt nicht ab, sie werden ab kommenden Montag ihre Bahn und die dazugehörigen Stände aufbauen, sagen Lisa und Florian Kirschbaum. Stellung beziehen wollen sie jetzt trotzdem. Die Schausteller seien im Sommer von der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT) angefragt worden, ihre Eisbahn auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt aufzubauen. Damals hatten sie zunächst abgesagt, hätten sich dann aber doch überzeugen lassen, erklärt Lisa Kirschbaum im Gespräch mit unserer Redaktion.
Es habe eine Besichtigung des Dr.-Martin-Luther-Platzes gegeben. Dabei habe man darüber gesprochen, dass an dieser Stelle für die Bahn eine Unterkonstruktion notwendig sei. Eine solche nur für den Standort Bad Windsheim zu errichten, sei für Florian und Lisa Kirschbaum finanziell nicht darstellbar.
Das habe das Ehepaar der KKT mitgeteilt und man habe darüber gesprochen, dass der Bau der Konstruktion über den städtischen Bauhof abgewickelt werden müsse, wenn diese Örtlichkeit gewünscht ist. Da sie nichts mehr zum Standort gehört hatten, seien die Schausteller davon ausgegangen, dass sie am Lutherplatz stehen werden.
Sie unterzeichneten den Vertrag. Erst danach hätten sie in der Zeitung gelesen, dass sie am „richtigen Weihnachtsmarkt”, am Marktplatz stehen sollen und, „dass ein anderer dafür weichen muss”. Denis Krzenck und Sonja Straetemans, die den Weihnachtsmarkt seit mehr als 45 Jahren beschicken, erhielten für ihren Glühweintreff, den Süßwarenstand „Knuspernuss” und das Kinderkarussell heuer Mitte Oktober eine Absage von der KKT.
Dann sei ein „Weihnachtsmarktkrieg” ausgebrochen, sagt Lisa Kirschbaum. Die Burgbernheimer wollten sich nicht einmischen, das sei schließlich eine Sache der KKT und ihrer Kollegen gewesen. Dann aber seien sie mit Vorhaltungen konfrontiert worden, die nun ein Ausmaß erreicht hätten, dass man nicht mehr schweigen könne.
Zunächst wollen die Kirschbaums klarstellen, dass sie niemals ein „Glühweinmonopol” gefordert haben. „Wir brauchen für die Eisbahn ein Nebenprodukt, sonst rentiert sich das nicht”, sagt Lisa Kirschbaum. „Schlittschuhlaufen sollen sich alle leisten können”, deshalb nehmen die Kirschbaums dort Geld nur über den Verleih der Schlittschuhe ein. Wie lange jemand die Eisfläche dann befährt, das entscheide er selbst.
Nie hätten sie gesagt, dass kein anderer dort Glühwein anbieten dürfe. „Erpressung” wurde ihnen von einem Besucher der in der jüngsten Stadtratssitzung saß, unterstellt. Im Gegenteil, sagt Lisa Kirschbaum, sie haben sogar von sich aus verzichtet, in Bad Windsheim ihren Imbiss aufzubauen, da der Markt für mehr als zwei Bratwurstbuden einfach zu klein sei und sie keinen Konkurrenzkampf wollten, sagt die Schaustellerin. Auch, dass Eisbahn und ihr Kirchweihdorf, bestehend aus Glühweinstand und Süßwarenstand, zusätzlich Montag, Dienstag und Mittwoch geöffnet sind, sei Idee der KKT gewesen.
Mittlerweile erhält das Ehepaar Drohungen über Social Media, erzählt Lisa Kirschbaum. Diese hatten sie und ihr Mann zunächst ignoriert und gehofft, dass sich alles beruhigt, wenn doch noch eine Lösung für die Familie Krzenck/Straetemans gefunden wird. „Ich zünd' euch die Bude an”, zitiert Lisa Kirschbaum im Telefonat aus ihren persönlichen Nachrichten auf Facebook. Das sei die jüngste Anfeindung gewesen, die sie erfahren hatten, und die sie nun dazu bewogen habe, sich öffentlich zu äußern und sich an unsere Redaktion zu wenden.
Sie hätten mittlerweile sogar Probleme, Personal zu finden, das aus Bad Windsheim komme. „Keiner will für uns arbeiten”, alle hätten Angst, zwischen die verhärteten Fronten zu geraten. Ob sie unter diesen Umständen eine „langfristige Zusammenarbeit” mit der KKT am Weihnachtsmarkt eingehen können, das müssen sie sich schon überlegen, sagt Lisa Kirschbaum. Denn eines ist auch für die beiden Burgbernheimer klar: So wie die Kommunikation im Vorfeld gelaufen ist und wie es dann zur Absage für die Krzencks kam, das sei keine „vertrauensvolle Zusammenarbeit”.
Zwei Lösungen, jeweils mit Abstrichen für die Familie Krzenck/Straetemans, stehen nun im Raum. Am Lutherplatz und am Roland. Diese haben KKT und Vertreter des Stadtrats erarbeitet, da der Stadtrat die KKT aufgefordert hatte, den Glühweintreff zumindest in Weihnachtsmarktnähe unterzubringen. Der Stadtrat hatte sich wiederum eingeschaltet, weil eine Petition zum „Erhalt des traditionellen Weihnachtsmarktes” eingereicht worden war, die zum Zeitpunkt der Abgabe rund 2800 Menschen unterzeichnet hatten.