Die Alten Ulanen waren einst der Stolz der Stadt und die Militär-Paraden des Reiterregiments legendär. Doch das ist lange her, inzwischen ist der Reit- und Fahrverein der Alten Ulanen nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Zukunft ist fraglicher denn je. Grund dafür ist ein drohender Rechtsstreit.
Matthias Schmidtner, der die Geschicke des Vereins als Vorsitzender zu lenken versucht, ist dieser Tage mal wieder besonders gefragt. Es geht vor allem um „ein leidiges Thema“, wie Schmidtner die im Raum stehende Klage der Betreiberin gegen den Verein beschreibt, deren Ausgangslage streng genommen bis 1974 zurückreicht.
Aus diesem Jahr rührt eine Nachforderung der Stadt, die 50 Jahre später das aktuelle Vereinsgeschehen der Alten Ulanen ordentlich durcheinanderwürfelt. Damals war die Straße am Reiterzentrum gebaut worden. Seinen fälligen Anteil an den Kosten hatte der Verein damals zur Hälfte bezahlt. Der Restbetrag wurde mit dem weiteren Ausbau der Straße verknüpft und aufgeschoben – und dürfte dann von Seiten der Verwaltung immer tiefer in irgendeiner Schublade verschwunden sein. „Die Stadt trägt eine Mitschuld“, findet Schmidtner.
Aber der Reihe nach: Als es mit den Jahren um die Herrlichkeit der Alten Ulanen nicht mehr groß bestellt war und der Traditionsverein 2018 in die Insolvenz schlitterte, erwarb Monika Barth zusammen mit ihrem damaligen Mann Felix Schmidt die Anlage vom Bezirk. Im Erbpachtrecht, mitsamt sämtlicher auf dem Areal befindlicher Immobilien.
Bestandteil des Vertragswerkes war auch, dass keinerlei Forderungen aus der Vergangenheit mehr an den Traditionsverein bestehen – und ein zehnjähriges Bleiberecht für die Pferdefreunde, das 2028 ausläuft und mit der aktuellen Entwicklung noch von Bedeutung sein könnte.
Inzwischen hatte sich die Stadt im Januar 2021 noch rechtzeitig vor der Verjährung an die bestehende Forderung erinnert und rund 25.000 Euro von den Käufern verlangt. Andere Anrainer legten Einspruch ein, weshalb die Stadt die Forderungen zurücknahm. Barth verpasste diese Gelegenheit. Sie sah und sieht den Verein in der Pflicht. „Ich verstehe Frau Barth“, erklärt dessen Vorsitzender Matthias Schmidtner.
Eine Einschätzung, die unterstreichen mag, dass das Binnenverhältnis zwischen Vereinsmitgliedern und der anfangs von alteingesessenen Ulanen sehr kritisch beäugten Betreiberin inzwischen befriedet ist. Eine ganze Reihe an Verbesserungen auf der Anlage sind umgesetzt, Barth hat kräftig investiert, das Vereinsleben geht wieder seinen Gang. „Menschlich ist alles gut, wir verstehen uns“, sagt Schmidtner. Wäre da nur nicht der drohende Rechtsstreit.
Barth ließ über ihren Anwalt ihre Sicht der Dinge schildern und schlug eine Teilung der Forderung im Verhältnis 70:30 vor. Den größeren Teil sollte der Verein übernehmen. „Wir müssen eine Lösung finden oder es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen“, beschrieb Schmidtner bei der deshalb einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung die beiden Möglichkeiten.
Barths Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe, auch die von Schmidtner ins Spiel gebrachte Kompromisslösung mit einer Teilung der ursprünglichen Kosten fand bei den anwesenden Mitgliedern kein Gehör. Das abgefragte Stimmungsbild war eindeutig. Man wolle nichts ausbaden müssen, wofür man nichts könne, lautete der Tenor, der bei der Versammlung sehr sachlich blieb.
Wollen wir gute Stimmung auf der Anlage?
„Wollen wir gute Stimmung auf der Anlage?“, hakte Schmidtner in Richtung einer finanziellen Geste nach und bekam zu hören, dass man „gute Stimmung nicht kaufen“ könne. Auch seien Schwierigkeiten mit dem Finanzamt zu befürchten, warnte die Ex-Vorsitzende Renate Siebert, die in der Vergangenheit zu den Kritikern Barths gezählt hatte. Sie betonte die rechtliche Situation: „Das hat mit Personen nichts zu tun. Es geht nicht darum, jemandem eins auszuwischen.“
Da der Verein jedwede Beteiligung an den Kosten per Abstimmung ablehnte, könnte man sich demnächst vor Gericht treffen. Barth hat die Forderung inzwischen an die Stadt überwiesen. „Rechtlich mögen wir auf der sicheren Seite sein“, mutmaßt der Vorsitzende. Ob und wie sich die von Schmidtner angeführte „Sturheit“ künftig auswirkt, mag er sich aber nicht ausmalen.
2025 wird der Reit- und Fahrverein hundert Jahre alt. Ob er dazu die Gebäude auf der Anlage nutzen kann, hängt – Stand jetzt – an Barths Erlaubnis. Wie es nach dem Auslaufen des Bleiberechts in vier Jahren gerade auch im Hinblick auf ein aktives Vereinsleben weitergeht, steht mehr denn je in den Sternen. Seit Monaten wird das Gelände der Alten Ulanen von Monika Barth zum Verkauf angeboten.