Dreijähriger in Bad Windsheim fast ertrunken: „Ich war so froh, als er geatmet hat“ | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 01.07.2025 15:16

Dreijähriger in Bad Windsheim fast ertrunken: „Ich war so froh, als er geatmet hat“

Im Nichtschwimmerbecken des Dr.-Hans-Schmotzer-Bades wäre am Montagabend ein kleiner Junge fast ertrunken. Der Dreijährige konnte erfolgreich reanimiert werden. (Archivbild: Bastian Lauer)
Im Nichtschwimmerbecken des Dr.-Hans-Schmotzer-Bades wäre am Montagabend ein kleiner Junge fast ertrunken. Der Dreijährige konnte erfolgreich reanimiert werden. (Archivbild: Bastian Lauer)
Im Nichtschwimmerbecken des Dr.-Hans-Schmotzer-Bades wäre am Montagabend ein kleiner Junge fast ertrunken. Der Dreijährige konnte erfolgreich reanimiert werden. (Archivbild: Bastian Lauer)

Schockmoment am Montagabend im Bad Windsheimer Freibad. Ein kleiner Junge liegt leblos auf dem Grund des Nichtschwimmerbeckens. Der Dreijährige wäre ertrunken, hätte ihn eine Frau nicht an die Oberfläche geholt und Rettungsschwimmerin Bianca Prünstner ihn daraufhin aus dem Wasser gezogen und reanimiert.

Gegen 17.40 Uhr war ordentlich etwas los im Bad, sehr viele Menschen waren im Wasser, erzählt Bianca Prünstner. Knapp 1000 Besucher wurden an diesem Tag gezählt. Eine Frau habe den Jungen am Boden des Beckens entdeckt und sofort an die Wasseroberfläche geholt, erzählt die 41-Jährige, die zu dieser Zeit mit einer Kollegin auf dem Holzpodest, welches Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich trennt, stand. An ihrer Stimme hört man auch am Tag darauf am Telefon noch, wie nahe ihr die Situation gegangen ist.

Mit Schuhen ins Wasser gesprungen

Badegäste machten sie auf die Situation aufmerksam, erzählt sie. Sofort sprang die Rettungsschwimmerin, die für eine Sicherheitsfirma tätig ist, welche Aufsichtsdienste im Freibad übernimmt, ins Wasser. „Mit Schuhen – so, wie es sein soll“, sagt ihr Chef Stefan Kern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Prünstner schwamm zu dem Jungen, zog ihn an den Beckenrand und dann auch gleich aus dem Wasser. „Ich hab nicht nachgedacht, einfach nur funktioniert.“ Dort habe sie sofort mit der Wiederbelebung begonnen. Bereits nach zehn bis 15 Drückern mit den Händen auf den Brustkorb des Jungen, habe dieser Wasser gespuckt und gehustet: „Ich war so froh, als er geatmet hat“, erzählt Prünstner.

Da sich sehr viele Schaulustige um die Unfallstelle versammelt hatten, brachte die 41-Jährige den Jungen in den Erste-Hilfe-Raum des Freibads, um ihn abzuschirmen. Auf dem Weg dort hin habe er schon angefangen „ordentlich zu weinen“, was Prünstner als gutes Zeichen wertete und ihr deshalb ein weiterer Stein vom Herzen gefallen sei. Da sei dann auch die Mutter dazugekommen und wenig später trafen Feuerwehr und Rettungsdienst, der den Jungen dann übernahm, ein.

Mehr zum Thema Blaulicht
Großeinsatz in Dinkelsbühler Pflegezentrum: Frittieröl löst Brandmelder ausEinbruch in Schlauersbach: Ehepaar begegnet Dieben im eigenen HausKollision nahe Hesselberg: Autofahrerin übersieht Rennradfahrer gleich zweimalZweistündiger Feuerwehreinsatz bei Markt Nordheim: Strohhaufen stand in FlammenDrei Verletzte bei Gerangel: Ladendieb wird im Ansbacher Brücken-Center renitentRattengift in Oberscheinfeld in fremden Garten geworfen: Störten bellende Hunde?„Bankraub” in Herrieden: Unbekannte möblieren heimlich den Sportplatz um19-Jähriger stürzt in Ansbach von Pedelec, weil er einem Hasen ausweichen wollteMotorräder unter der Lupe: Polizei nimmt Biker an der B25 in den BlickFeuer in Waldstück im Ansbacher Westen: Polizei geht von Brandstiftung ausAuto überschlägt sich nach Crash: Unfall führt zu Totalsperrung der A6 bei AurachZwei Knochenbrüche nach Stürzen auf Radweg bei Leutershausen am gleichen TagDrei tote Rehkitze bei Windsbach: Polizei ermittelt gegen LandwirtBeziehungsstreit in Ansbach: Heckscheibe eingeschlagen, Fahrerin unter DrogenSchlägerei im Uffenheimer Freibad: Zwölfjähriger kurz bewusstlos

Krankenhaus „ohne bleibende Schäden” verlassen

Laut Polizeibericht wurde der Bub mit einem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Würzburg geflogen und hat das Krankenhaus am Dienstag „wohl ohne bleibende Schäden“, wieder verlassen dürfen. Wie das Kleinkind, das noch nicht schwimmen konnte, ins Wasser gelangt ist, ist unklar.

Die Polizei berichtet, dass der Junge mit seinen Eltern und drei Geschwistern das Freibad besucht hatte. Während die 33-jährige Mutter sich um das Jüngste der Kinder kümmerte, beaufsichtigte der Vater die zwei anderen Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren. Offenbar entfernte sich der Dreijährige unbemerkt vom Spielplatz des Freibads und wurde kurz darauf im Wasser aufgefunden.

„Vorbildliche Rettungskette”

Stefan Kern ist stolz auf seine Mitarbeiterin, die fast genau vor zwei Jahren schon einmal bei der Reanimation und Rettung eines damals dreijährigen Buben im Bad Windsheimer Freibad beteiligt war. Damals war sie privat im Bad und griff mit ein.

Genau so funktioniere eine vorbildliche Rettungskette, sagt Kern zum Ablauf am Montag. Das findet auch Ronald Reichenberg, derzeit amtierender Bürgermeister in Bad Windsheim. „Die Rettungskette hat super funktioniert, das ist das, was zählt“, wenngleich er wie Stefan Kern auch – gerade bei Kindern, die noch nicht schwimmen können – auf die Aufsichtspflicht der Eltern verweist. Zu viele verließen sich darauf, dass Rettungsschwimmer da seien, die „schon ein Auge auf die Kinder hätten“, sagt Kern. Das könne man sehr oft beobachten.

Das große Problem aber sei: „Sie ertrinken leise“, sagt Prünstner. Gerade an Tagen, an denen viel los ist, sei die Gefahr hoch, dass man dies nicht mitbekomme. Sie muss die Situation nun verarbeiten und hat dafür „viele liebe Kollegen“, mit denen sie sprechen könne. Zwei Schwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft seien am Montag privat im Bad gewesen und hätten sofort die Badeaufsicht übernommen, erzählt Prünstner: „Sowas ist schon echt toll.“


Von Katrin Merklein
north