Dorferneuerung: „Es gibt wieder einen Grund, stolz auf Wilhelmsgreuth zu sein” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.06.2025 13:30

Dorferneuerung: „Es gibt wieder einen Grund, stolz auf Wilhelmsgreuth zu sein”

Zwei mit einem Betondeckel verschlossene ehemalige Güllegruben dienen als Wasserreservoir. Bei Arbeitseinsätzen wurde der Platz mit guter Aussicht nun zum Sonnendeck umfunktioniert, wie neben Georg Helm und Frauke Plog-Bell auch Thorsten Graf (v.l.) demonstriert. (Foto: Ulli Ganter)
Zwei mit einem Betondeckel verschlossene ehemalige Güllegruben dienen als Wasserreservoir. Bei Arbeitseinsätzen wurde der Platz mit guter Aussicht nun zum Sonnendeck umfunktioniert, wie neben Georg Helm und Frauke Plog-Bell auch Thorsten Graf (v.l.) demonstriert. (Foto: Ulli Ganter)
Zwei mit einem Betondeckel verschlossene ehemalige Güllegruben dienen als Wasserreservoir. Bei Arbeitseinsätzen wurde der Platz mit guter Aussicht nun zum Sonnendeck umfunktioniert, wie neben Georg Helm und Frauke Plog-Bell auch Thorsten Graf (v.l.) demonstriert. (Foto: Ulli Ganter)

Fast könnte man meinen, Georg Helm und Frauke Plog-Bell aus dem kleinen Markt Erlbacher Ortsteil Wilhelmsgreuth bekämen etwas vom Amt für Ländliche Entwicklung bezahlt. Ein Gespräch mit ihnen ist jedenfalls die beste Werbung für das Instrument der Dorferneuerung, die man sich wünschen kann.

In den zehn Jahren, über die sich die Dorferneuerung auch Corona-bedingt hinzog, ist in ihrem Heimatdorf viel geschehen: „Es ist fast mehr entstanden, als wir uns erträumt hätten“, sagt Helm. Vier neue Häuser wurden gebaut, Fassaden saniert. Die Einwohnerzahl, die zwischenzeitlich auf 34 abgerutscht war, liege heute wieder bei etwa 45. Und jetzt macht man sich auch noch an die Organisation eines großen Festes.

Vor dem Beginn der Dorferneuerung sah die Lage noch ganz anders aus: In Wilhelmsgreuth hatte nach der hohen finanziellen Belastung durch den Bau der Kläranlage Unmut geherrscht. Auch der zuständige Abteilungsleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung, Joachim Reindler, sei zunächst etwas ratlos durch den kleinen Ort gelaufen und habe gedacht: „Hm. Was machen wir hier?“

Löschweiher musste für Dorfplatz weichen

In Wilhelmsgreuth habe die erste Gefrieranlage im Landkreis gestanden. Doch danach machte der kleine Ort lange keine positiven Schlagzeilen mehr. Im Laufe der Dorferneuerung entwickelten sich dann aber die Ideen weit über die ursprünglich im Zentrum stehende Sanierung der maroden Straße hinaus und jetzt, ganz zum Schluss, kamen noch zwei i-Tüpfelchen hinzu.

Die Dorferneuerung ermöglichte, den nicht mehr sehr ansehnlichen Löschweiher in der Ortsmitte aufzulassen – ein Dorfplatz entstand. Der Bildhauer Uli Olpp aus der Nähe von Hersbruck schuf den Brunnen dafür, den Helm und Plog-Bell sehr gelungen finden.

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Mehr Bäume gepflanzt als geplant

Die Verschönerungen entwickelten eine eigene Dynamik: Inzwischen wurden mehr Bäume gepflanzt als ursprünglich geplant. Letztlich beteiligten sich alle an der Dorferneuerung. Georg Helm gehörte durchgängig dem Vorstand an, in dem momentan außerdem Herbert Hecht, Norbert Fetz und Thomas Zander sitzen.

Und die i-Tüpfelchen? Als Ersatz für den ursprünglichen Dorfweiher kaufte die Gemeinde zwei aufgelassene Güllebehälter, die als Wasserreservoir dienen und mit einem Betondeckel versehen wurden. Inzwischen entstand dort eine weitere aussichtsreiche Sitzgelegenheit – die Gemeinde stellte das Material, die Dorfgemeinschaft baute in Eigenleistung ein Sonnendeck und die Markt Erlbacher Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß ermöglichte durch ihre Verfügungsmittel noch die Anschaffung einer breiten Holzliege. Daneben wurde ein kleiner Naschgarten mit Maulbeeren, Szechuanpfeffer, Mirabelle und Pfirsich angelegt, neben den Sitzbänken wachsen Walderdbeeren und Heidelbeeren.

Das größte Sause in der Geschichte

Das zweite Extra wird ein großes Fest zum Abschluss der Dorferneuerung – die größte Feier der Geschichte des Dorfs. Am Anfang hätten nicht alle im Ort so groß feiern wollen, berichten Helm und Plog-Bell, die mit Sabrina Rost-Graf und Thorsten Graf das Orga-Team bilden. Inzwischen hätten sich aber sogar schon welche zum Küchle- und Rollen-Backen verabredet. „Die gibt’s doch normal nur zu Hochzeiten“, freut sich Plog-Bell.

Sie hoffen, dass das Fest auch die Dorfgemeinschaft weiter stärkt, die davor natürlich als Helferin kräftig gefordert ist. Im Winter hat am neuen Dorfplatz erstmals ein Wintergrillen stattgefunden – mit 65 Leuten. „Das war unsere Generalprobe für das große Fest.“ Die Gemeinde unterstützt auch hier: Dazu werden die Kontakte vieler Dorfbewohner genutzt – eine spielt in Lenkersheim im Musikverein, jemand anderes hatte Kontakte zum Faschingskomitee Markt Erlbach.

„Dörfer müssen sich etwas einfallen lassen”

„Früher hat hier nie jemand angehalten“, erinnert sich das Paar. Jetzt sieht man immer wieder Radel-Begeisterte auf den neu geschaffenen Plätzen rasten. Die Dörfer müssten sich, nachdem es kaum noch landwirtschaftliche Betriebe gibt, schon etwas einfallen lassen, um nicht zu reinen Schlafstellen zu werden, ist die Überzeugung der beiden. „Für uns ist es auch anders, wenn Leute zu Besuch kommen: Es gibt wieder eine Perspektive und einen Grund, stolz auf Wilhelmsgreuth zu sein.“

Festprogramm

Am Samstag, 28. Juni, feiert Wilhelmsgreuth den Abschluss der Dorferneuerung mit einem Sommerfest. Ab 14 Uhr ist die offizielle Einweihung mit Grußworten und Segnung, Kaffee und Kuchen, musikalischer Begleitung durch den Musikverein Lenkersheim und Kinderprogramm (Schminken und Hüpfburg) mit dem Team von „meet-a-wish“ geplant. Ab 16 Uhr werden Herzhaftes und Spezialitäten vom Grill, Cocktails, Fassbier und Co. serviert. Ab 19.30 Uhr spielt die „Aaschgrundbänd“ fränkischen Rock und Blues und ab 22 Uhr rundet eine Feuershow der Feuerspieler Franken den Tag ab.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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