Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erwägt in Scheinfeld ein Millioneninvestment. Der bayerische Landesverband will sein künftiges Schulungszentrum im Steigerwald errichten. Dies bestätigten sowohl Bürgermeister Claus Seifert als auch der mittelfränkische DLRG-Bezirksvorsitzende Steffen Mergenthaler.
Der Scheinfelder Stadtrat hat dazu am Montagabend im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung eine entscheidende Weiche gestellt. Das Gremium billigte, dass ein städtisches Grundstück im Taubenfeld an die DLRG verkauft werden kann. Es handelt sich um eben jenes Gelände, das die Stadt vor einiger Zeit erworben hatte, um darauf einen neuen Kindergarten zu bauen.
Die Kindergarten-Pläne waren jedoch an den Baukosten gescheitert. Die Stadt hat inzwischen umgeplant und bringt die evangelische Kindertagesstätte im ehemaligen Schwarzenberger Schlossgasthof unter. Die Nutzung des Taubenfeld-Grundstücks war seitdem eine offene Frage; allerdings war die Stadt stets zuversichtlich, dass es dafür eine Verwendung beziehungsweise einen Abnehmer geben werde.
Die DLRG kann es anscheinend gut gebrauchen. Ihre Pläne sehen vor, ein ehemaliges Einzelhandelsgebäude an der Geiselwinder Straße umzugestalten, das sich derzeit noch in Privatbesitz befindet. Dort waren einst der Lebensmittel-Discounter „Netto“ und der Textildiscounter „KiK“ untergebracht. Seit dem Umzug von Netto an die Nürnberger Straße vor über drei Jahren und der etwas später erfolgten Geschäftsaufgabe von KiK steht das Gebäude leer.
Das künftige Schulungszentrum soll auch Übernachtungsmöglichkeiten beinhalten, erläuterte Mergenthaler. Der Besitzer des Geländes sei zum Verkauf an die DLRG bereit. Auf dem angrenzenden, mit seinen rund 11.000 Quadratmeter fast doppelt so großen, bislang städtischen Grundstück würde neu gebaut: eine größere Halle, in der Rettungsboote für ganz Bayern konfiguriert werden, beziehungsweise in der Rettungsdienstmaterial eingelagert werden kann.
In dem Schulungszentrum sollen vielfältige Spezialausbildungen stattfinden, die bislang über Bayern verstreut angeboten werden, etwa im Rettungstauchen oder Bootsausbildungen – „die ganzen Spezialausbildungen, die die Absolventen brauchen, möchte die DLRG zentralisiert in Bayern anbieten“, erklärt Mergenthaler und verweist darauf, dass es beispielsweise bei den Feuerwehren ähnlich zentralisierte Ausbildungskonzepte gibt.
Zupass kommt dabei, dass Scheinfeld über ein Frei- und ein Hallenbad verfügt. Verkehrstechnisch liegen der Markt Bibarter Bahnhof und die Autobahn A3 in Reichweite; der Bahnhof sei für die Jugendlichen, die in Scheinfeld beschult werden sollen, ein wichtiger Standortfaktor. Mit dem von der Stadt erwerbbaren Grundstück hätte die DLRG gute Erweiterungsmöglichkeiten – eventuell auch, um die Landesgeschäftsstelle dort anzusiedeln, blickt Mergenthaler in die Zukunft. Die DLRG-Zentrale ist bislang noch im oberpfälzischen Neumarkt zu Hause.
Ein weiterer Grund war offenbar auch, dass die Region als vergleichsweise günstig gilt. „Wir haben insgesamt 25 Objekte angeschaut“, so Mergenthaler, hauptberuflich Bäckermeister in Scheinfeld. In der DLRG gehört er der Arbeitsgruppe an, die eine Lösung für die Schulungszentrumsfrage finden soll. Ehemalige Hotels, aufgelöste Tageshäuser – allerlei Optionen standen im Raum. Aber: „Alles in einem Preissegment, das überhaupt nicht geht“, gesteht der Bezirksvorsitzende.
Auf der anderen Seite nützt eine günstige Immobilie der DLRG nichts, wenn kein Bad in der Nähe ist. Die Preisfrage und die Badfrage – „die Faktoren haben zusammengespielt“, sagt Mergenthaler. Insgesamt legte die DLRG zwanzig Kriterien an, und bei deren Abarbeitung kam Scheinfeld in die engere Auswahl.
Mit dem Okay des Stadtrats von Montagabend steht ein wesentliches Signal auf Grün. Bürgermeister Seifert sieht nun die DLRG am Zug. Der Landesverband trifft, so kündigt Mergenthaler an, eine Entscheidung Mitte März. Zuvor, am 10. März, findet in Markt Erlbach noch die mittelfränkische Bezirkstagung des Vereins statt. Dort ist eine Kurzvorstellung des Scheinfelder Projekts durch den Landesverbandspräsidenten Dr. Manuel Friedrich vorgesehen.
Sofern alle Beteiligten und insbesondere Genehmigungsbehörden mitspielen, sieht Mergenthaler eine Chance auf eine rasche Umsetzung. „In einem Jahr sind wir fertig“, gibt er einen Tipp ab. Freilich sei man vor Unwägbarkeiten nie gefeit. Aber seitens des DLRG-Präsidiums sei man sehr zuversichtlich.
Der Rettungsverband wird einiges Geld in die Hand nehmen. Für konkrete Zahlen sind die Planungen noch nicht weit genug gediehen, aber: „Ein paar Euro fuchzig sind es schon“, sagt Mergenthaler, um auf Nachhaken dann doch eine Größenordnung von drei Millionen Euro zu nennen.
Dass Scheinfeld überhaupt ins Blickfeld gerückt ist, liegt zumindest zu einem Teil an der Bedeutung des Ortsverbands innerhalb der bayerischen DLRG. Mit seinen gut 800 Mitgliedern ist er der viertgrößte; in Mittelfranken ist einzig der Nürnberger Ortsverband mit knapp 1100 Mitglieder noch etwas größer.