Einmal im Bootshaus in Köln, einem der angesagtesten Clubs Deutschlands, auflegen, die Energie der feiernden Menschen spüren und für Ekstase sorgen. Dieser Traum ist für den Bad Windsheimer DJ Lukas Metzner nun wahr geworden.
Der 24-jährige Bauingenieur-Student bildet mit zwei Freunden die Kombo „ELECTRIC elephant“. Während der 28-jährige Christian Gärtner, der zum Zeitpunkt des Bootshaus-Gigs noch in Südkorea studierte und deshalb nicht dabei sein konnte, ebenfalls DJ ist, kümmert sich der 24-jährige Felix Beuter, Master-Student an der Hochschule Ansbach, um Social Media, das Merchandise oder auch Videos.
Vor etwa drei Jahren starteten sie ihr DJ-Projekt, streamten in der Corona-Zeit ihre Sets live im Internet. Seit etwa einem Jahr treten sie vor Publikum auf, spielten beispielsweise in Bars in Neustadt, Bad Windsheim oder Ansbach, an Kerwas oder auf Abipartys – teils vor 1000 Leuten. Um Bad Windsheim herum gebe es durchaus eine Community für ihre Kunst. Vor allem in Oberndorf und Schwebheim, erzählt Felix Beuter.
Und wie gelang nun der gewaltige Sprung ins Bootshaus nach Köln? Schon ein paar Mal hatte Lukas Metzner zuvor DJ-Sets bei Wettbewerben eingereicht. Dieses Mal versuchte er es bei der Pre-Party des World Club Dome, einem elektronischen Musikfestival. Mit Erfolg. Für eine Jury gehörte sein Set zu den zehn Besten – „ELECTRIC elephant“ schaffte es ins Online-Voting. Die vier meistgewählten DJs durften schließlich auf die Boothaus-Bühne. Umso dankbarer ist die Kombo allen, die fleißig für sie abgestimmt haben. „Das war ein Ziel da mal reinzukommen. Das hat schon einen Stellenwert“, sagt Lukas Metzner, der zuvor einmal als Gast dort war.
Über 1600 Menschen feierten dann also mit den beiden Franken und ihren DJ-Kollegen verteilt auf unterschiedlichen Stages, also Ebenen. „Völlig surreal“ war dieses Erlebnis, sagt Lukas Metzner, der selbst von 3 bis 4 Uhr am dritten Floor auflegte. Vor ihm war kein geringerer als der bekannte DJ Robin Schulz an der Reihe. „Für uns war es unser bestes Event bislang. Alles hat fehlerfrei funktioniert und alle sind mitgegangen“, bilanziert Lukas Metzner.
Auf den Auftritt im Bootshaus hätte nun noch einer beim World Club Dome in Frankfurt selbst folgen können. Eine Jury entschied, wer von den vier Auserwählten das beste Set hatte. Zwar hat es für ELECTRIC elephant nicht gereicht, wie Felix Beuter erklärt. „Aber hey, waren alles auch echt starke Sets und coole Typen, von daher gönnen wir es jedem.“
ELECTRIC elephant hofft nun, dass sich durch den Bootshaus-Gig auch andere Türen öffnen und sich weitere Gelegenheiten ergeben, auf Festivals oder in größeren Clubs außerdem des eigenen Dunstkreises aufzulegen. „Das heißt aber nicht, dass wir auf keiner Kerwa mehr spielen“, sagt Lukas Metzner und lacht. „Wir sind für alles offen.“
Dass es, um richtig in der Szene Fuß zu fassen, eine ordentliche Portion Geduld braucht, ist den Musikbegeisterten bewusst. „Es ist wichtig weiterzumachen und die Freude daran zu behalten“, sagt Felix Beuter. Leicht sei es nicht, in Locations hineinzukommen. Demo-Sets einzureichen reiche nicht. Beziehungen und eine gewisse Social-Media-Präsenz brauche es. Auch im Bootshaus hätten beide einige Kontakte knüpfen können, schließlich waren dort DJs aus verschiedenen Städten und Ländern vertreten.
Bestimmte Genres würden zudem eher gebucht als andere. Ihres beschreiben Beuter und Metzner als Electronic Dance Musik. „Bei uns läuft kein Rap, Schlager, Hip-Hop oder Malle-Musik“, erklärt Lukas Metzner. Sie wollen Musik für die breite Masse bieten. Oft mit hohem Tempo, mehr Push und bekannten Texten.
Wenn manche von ihrem Hobby hören, sagen immer wieder welche pauschal: Das ist nichts für mich, erzählt Lukas Metzner. Der DJ empfiehlt allerdings offen zu sein, „es ist mehr als nur Bum-Bum-Bum“.
Über 3000 Lieder befinden sich mittlerweile in ihrer Bibliothek. Die Songs für die Sets wählen alle gemeinsam aus. In einer Playlist sammeln sie Stücke, die ihnen gefallen. Sobald alle ihr Okay geben, landen sie im Einkaufskorb. Etwa 96 Prozent der Lieder, die sie spielen, seien gekauft, sagt Felix Beuter. Der Rest stammt von der Plattform Soundcloud, wo Künstler ihre Songs teils kostenlos zur Verfügung stellen, oder von Musikern direkt. „Für die ist das ja auch wieder Werbung“, sagt Lukas Metzner.
Ihr Anspruch sei es, einen technisch sauberen Mix zu präsentieren. „Das Publikum sieht oft nur den einen Auftritt“, sagt der DJ. Doch hinter den Kulissen laufen viele Fäden zusammen. Sets müssten erst konzipiert und Probe gespielt werden. Man müsse schauen, welcher Song an welche Stelle in welchem Set hineinpasst. „Wir wollen einen roten Faden haben, das ganze soll sich steigern und mit dem Höhepunkt enden“, so Lukas Metzner.
Ihre normalen Berufe an den Nagel hängen und in Zukunft als DJ so richtig durchstarten? Jegliche Chancen zu spielen und ihrer Leidenschaft nachzugehen würden die Musikbegeisterten zwar nicht ablehnen, doch ist ihnen bewusst, dass sie den Job nicht ewig machen könnten. „Er ist nicht zu unterschätzen.“