Privat hört er andere Musik. Aber: „Zum Arbeiten ist ABBA extrem dankbar“, sagt Andreas Harwath. Der 54-Jährige ist der musikalische Leiter der Produktion „Dancing Queen – Das große ABBA-Konzert“, die das Landestheater Dinkelsbühl in dieser Sommersaison auf der Freilichtbühne am Wehrgang spielt.
In Harwaths Generation dürfte fast jeder die Hits der schwedischen Pop-Gruppe kennen. „Fernando“, „Waterloo“ oder „Mamma mia“ – wer in den 1970er oder 1980er Jahren über ein funktionierendes Radiogerät verfügt hat, weiß, wie diese Stücke klingen.
Andreas Harwath setzte seinerzeit andere Prioritäten. Ihn reizte der klassische Gesang. Opernsänger wäre für ihn damals ein Traumberuf gewesen. Nach der Schulzeit studierte er aber Jazzgesang am Richard Strauss Konservatorium in München. Seit 2004 ist er am Landestheater Dinkelsbühl hauptsächlich als musikalischer Leiter engagiert. Daneben hat er im deutschsprachigen Raum auch Schauspielverpflichtungen angenommen, war als Musiker, Sounddesigner oder musikalischer Leiter unterwegs.
Jetzt also ABBA. Was er persönlich mit dieser Musik verbindet? Andreas Harwath überlegt lange. „Es ist für mich ein Kompromiss zwischen Schlager und Pop“, sagt Harwath. Je mehr er sich bei der Arbeit an der Theaterproduktion von „Dancing Queen“ mit den Stücken beschäftigte, desto mehr konnte er ihnen abgewinnen. Plötzlich fällt sogar das Wort „Meisterschaft“ im Hinblick auf die Kompositionen der schwedischen Popband.
Und diese besteht worin? „Wenn man genau hinschaut, entdeckt man – etwa in „Fernando“ – kleine rhythmische Verschiebungen“, sagt Harwath. Taktwechsel sorgen für kleine Überraschungen. „Da leuchtet mein Musikerherz“, kommt der 54-Jährige dann doch ein wenig ins Schwärmen.
Mit der Premiere des Stücks, die Ende Mai über die Freilichtbühne in Dinkelsbühl ging, ist die Arbeit des musikalischen Leiters weitgehend abgeschlossen. Zwar will er auch bei weiteren Aufführungen anwesend sein und bei Bedarf kleine Änderungen vornehmen, doch seinen eigentlichen Job hat er bereits erledigt. Von ihm stammen die musikalischen Arrangements, die in Dinkelsbühl zu hören sind. Selbstredend sollen sich diese möglichst nahe am Original bewegen. Denn das macht ja das Besondere der Musik von ABBA aus: Man erkennt sie bereits nach wenigen Takten.
Gleichwohl hat Andreas Harwath einige Veränderungen vorgenommen. So hat er immer wieder versucht, die beiden Männerstimmen etwas stärker als im Original einzubinden. In Dinkelsbühl bekommen auch die tiefen Stimmen mal ein kleines Solo, was man so von den Plattenaufnahmen nicht kennt.
Aber natürlich weiß auch Andreas Harwath, dass es die beiden Frauenstimmen sind, die den typischen Klang von ABBA ausmachen. Und schließlich gerät der musikalische Leiter dann doch noch einmal ins Schwärmen, wenn er beschreibt, „dass Agneta eine wahnsinnig schöne, hohe Sopranstimme hatte, die relativ einzigartig war und die sich mit der Stimme von Anni-Frid extrem gut gemischt hat“. Kombiniert mit einer entsprechend fetten „Wall of Sound“ macht diese den hohen Wiedererkennungswert von ABBA aus.
Üblicherweise arbeitet Andreas Harwath in seinem zwölf Quadratmeter großen Heimstudio in Fürstenfeldbruck. Dort stehen ein Klavier und ein Computer. Damit hat er einen Sound kreiert, der zwar hauptsächlich nach „ABBA“ klingen soll, aber auch ein kleines bisschen sein eigener ist.
Und wie sieht es mit eventuellen Lieblingsstücken aus? Andreas Harwath hat sie bei seiner Arbeit an der Dinkelsbühler Produktion tatsächlich für sich entdeckt. Es sind nicht die großen Hits, die jeder kennt, sondern einige weitgehend unbekannte Stücke der schwedischen Popgruppe. Auch diese sind auf der Freilichtbühne am Wehrgang zu hören.
Von 1. bis 6. Juli steht ABBA wieder auf dem Spielplan. Karten gibt es im Landestheater im Spitalhof oder über www.landestheater-dinkelsbuehl.de