Zahlreiche Hände schnellten in die Höhe, als Klaus Seeger die Frage stellte, wer denn schon in der Schule Rassismus, Mobbing oder böse Ungerechtigkeiten erlebt habe. „Das sind zu viele“, sagte der Programmleiter von Radio 8 zum Start des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Hans-von-Raumer-Mittelschule.
Am Freitag wurde die Dinkelsbühler Bildungsstätte in das Projekt aufgenommen. Das Netzwerk will sich dagegen stemmen, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden. Das entsprechende Hinweisschild wurde im Eingangsbereich der Schule angebracht.
Schulleiter Michael Reichenberg zeigte sich stolz, dass die Mittelschule dem Projekt beigetreten ist. An jeder Schule gebe es Diskriminierung oder Rassismus. Mit der Aufnahme in das Netzwerk seien die Probleme nicht gelöst. Aber: „Ein Anfang ist gemacht.“
Im Gespräch mit der FLZ sagte Reichenberg, dass man an der Hans-von Raumer-Mittelschule kein Rassismusproblem habe. Jedoch würden immer wieder rassistische Äußerungen, ohne nachzudenken, von Schülern in den sozialen Netzwerken eingebracht, was öfter zu Streitigkeiten führe. Die Schüler müssten lernen, dass auch flapsig dahingesagte Bemerkungen beim anderen etwas bewirken können.
Knapp 80 Schüler und Schülerinnen der Dinkelsbühler Mittelschule seien nicht deutscher Herkunft. „Wir haben 35 Nationen“, sagte der Schulleiter. Oft seien bei Streitigkeiten aber nicht die Nationalität das Problem, sondern etwa Homosexualität oder die Diskriminierung von Frauen. „Damit haben wir tagtäglich zu tun“, betonte Michael Reichenberg.
Der Regionalkoordinator des Projekts, Maurizio Schneider, erinnerte daran, dass die Idee zu „Schule ohne Rassismus“ bereits 1988 in Belgien geboren wurde. Mittlerweile seien 4500 Schulen dem Netzwerk beigetreten. Es gehe um Sensibilisierung und Vorbeugung gegen Homophobie, Antiziganismus, antimuslimischen Rassismus und Rechtsextremismus.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer erinnerte an die ersten zehn Artikel des Grundgesetzes, die ein Leitfaden seien, wie man miteinander umgehen sollte. Wichtig sei, für Freiheitsrechte und den Respekt dem anderen gegenüber einzutreten. Man könne nur gegen Rassismus sein, wenn man auch die Courage habe, bei entsprechenden Vorfällen aufzustehen und für den Respekt des Einzelnen einzutreten. Den Schülern und Schülerinnen wünschte der Oberbürgermeister, „dass sie immer den Mut haben, aufzustehen und gegen Ausgrenzung zu sein“.
Weitere Grußworte von Vertretern aus den Bereichen Politik und Kirche schlossen sich an. Als Moderatorinnen durch das Programm führten die Lehrerinnen Ariane Rösch und Anja Hofmann. Begeistert gefeiert wurden die Auftritte der Lehrerband mit der Sängerin Angel.