60 Jahre Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Neustadt: Wenn das kein Grund zum Feiern und zum Ausrollen des roten Teppichs ist. Über diesen stolzierte jedoch nicht, wie ein Schüler schmunzelnd vermutet hatte, der bekannte Kicker Cristiano Ronaldo, sondern Kultusministerin Anna Stolz. Auch darüber freute man sich sehr.
Wie die anderen geladenen Gäste – unter ihnen zwei Schülerinnen, die 1965 mit weiteren 169 jungen Leuten als erste Jahrgänge im Gebäude am Schlossplatz in vier Klassen unterrichtet worden waren, Politiker, andere Schulleiter, ehemalige und aktuelle Lehrkräfte und Schüler – lief Anna Stolz entlang des roten Teppichs an den lebendigen Standbildern vorbei. Diese symbolisierten die Profile, die die Mädchen und Jungen an der Realschule wählen können – darunter Forschung, IT und Robotik, Ernährung und Gesundheit, Sport sowie Kunst. Zu sehen waren ferner künstlerische Arbeiten von Ehemaligen, die die diese extra für den großen Festtag vorbeigebracht hatten.
Auch sonst war alles festlich im pädagogischen Zentrum geschmückt, wo in Grußworten und Filmbeiträgen auf sechs Jahrzehnte bewegte und erfolgreiche Schulgeschichte zurückgeschaut, aber auch ein Blick in die Zukunft geworfen wurde. Die Moderation übernahm Schülerin Natascha Romeis. Sie führte charmant durch das kurzweilige Programm. Bevor Anna Stolz das Wort ergriff, forderte Schulleiter Marco Kunkel die Prominenten dazu auf, ihren Beitrag zur Bestückung einer „digitalen Zeitkapsel” zu leisten, die bis zum nächsten Jubiläum vergraben werden soll.
Die Kultusministerin erinnerte daran, dass in sechs Jahrzehnten aus einem kleinen Samen ein farbenfroher Garten geworden sei, ein Garten des Lernens und Lebens. „Er steht auf einem starken Wertefundament. Denn an der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule werden Toleranz und Mitmenschlichkeit, Verantwortung und Zivilcourage lebendig, Werte, für die der Namensgeber ein starkes Zeugnis abgegeben hat.”
Das soziale Miteinander an der Schule beeindrucke sie. „Ehrenamt gehört hier zum Schulalltag.” Dies sei wichtig, denn Schulen seien „Orte der Herzensbildung”, an denen Kinder fürs Leben wachsen. Wichtig sei zudem, dass sich Bildung zeitgemäß weiterentwickelt. Der Schlüssel dafür seien die Lehrkräfte und das Schulteam.
Ihnen allen dankte auch Landrat Dr. Christian von Dobschütz, der auf die Anfänge der Realschule einging. Dies gehe mit 60 Jahren Bildung, Begegnung, Aufbruch und Zusammenhalt einher. Los ging es in den 1960er-Jahren in einer Zeit des Aufbruchs, der Hoffnung und des Neubeginns. „Es gab noch keine Tablets, kein ChatGPT oder WLAN, doch war der Geist der Bildung derselbe wie heute.” Man wollte jungen Menschen Mut machen, ihnen Perspektiven geben, sie befähigen, Verantwortung zu übernehmen – für ihr Leben, die Gesellschaft und die Zukunft.
Sie sollen lernen, Haltung zu zeigen, auch dann, wenn es unbequem wird. „Genau das verbindet diese Schule mit dem Namensgeber Dietrich Bonhoeffer.” Neustadts Bürgermeister Klaus Meier besuchte selbst die Realschule. Er erinnerte, wie später auch die Schülerinnen der ersten Stunden Ulrike Weisbach und Gertraud Rückert, an die Anfänge, an eine Zeit, an die sie alle gerne zurückdenken, so auch frühere Lehrkräfte wie Jürgen Katzenberger und Reinhard Bum.
Die Pädagogik habe sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt, junge Lehrkräfte brachten frischen Wind in den Unterricht. Gerade diese hoch motivierten Lehrerinnen und Lehrer sorgten, so Meier, heute noch dafür, dass der Jugend nicht nur Wissen vermittelt werde, sondern die Schüler auch mit Eifer und Vergnügen lernen. Meier wies darauf hin, dass die Absolventen der Realschüler gute Chancen haben, ihre Wunschausbildungsstelle zu finden. Nicht ohne eine Kugelstoßtrophäe ließ Marco Kunkel Klaus Meier von der Bühne, der früher ein erfolgreicher Kugelstoßer war.
Auf den Namensgeber der Schule gingen auch Pfarrerin Ulrike Werner und Religions- und Deutschlehrerin Verena Bedruna ein. Bonhoeffers Wirken präge die Schule bis heute. Gedacht wurde auch der verstorbenen Kolleginnen und Kollegen. „Ihr Wirken hat Spuren hinterlassen.” Für alle wurde jeweils eine weiße Kerze entzündet.
Lehrer Jürgen Weber ging am Schluss auf das soziale Engagement der Schule ein, das auch beim Sponsorenschwimmer wieder deutlich wurde. 49.000 Euro standen unter dem Strich. 28.000 Euro davon kommen der Organisation „Ambulance for Kids” zugute. Sie organisiert Krankentransporte für schwer verwundete oder erkrankte Kinder aus der Ukraine in europäische Spezialkliniken. Eine ehemalige Schülerin, Nicole Scherwinski, wirkt dort ehrenamtlich mit. Sie nahm gerührt den symbolischen Scheck entgegen. Auch diese Spende war sicherlich im Sinne von Dietrich Bonhoeffer.