Diese Golfer schlagen in Lichtenau die Bälle über 400 Meter weit | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.08.2025 11:00

Diese Golfer schlagen in Lichtenau die Bälle über 400 Meter weit

Timo Petrasch hat sich vom aktiven Profisport zurückgezogen, zeigt aber an Loch 1 in Lichtenau, dass er noch immer viel Dampf in den Armen hat. (Foto: Bastian Lauer)
Timo Petrasch hat sich vom aktiven Profisport zurückgezogen, zeigt aber an Loch 1 in Lichtenau, dass er noch immer viel Dampf in den Armen hat. (Foto: Bastian Lauer)
Timo Petrasch hat sich vom aktiven Profisport zurückgezogen, zeigt aber an Loch 1 in Lichtenau, dass er noch immer viel Dampf in den Armen hat. (Foto: Bastian Lauer)

Mit feinen Herren in Karohosen haben diese Sportler nicht viel gemein. Beim International Bavarian Bash am Samstag, 30. August, beherrschen großgewachsene und muskelbepackte Spieler den Golfplatz in Lichtenau. Hinter ihnen sollen hunderte bierselige Zuschauer irrwitzig weit fliegende Bälle bejubeln.

Mit der Etikette und den strengen Regeln, mit der Nicht-Golfer den traditionsbehafteten Sport verbinden mögen, scheint das wenig zu tun zu haben. Das ist auch so. Und das soll vor allem so sein, betont Peter Eichhorn. Er ist Präsident beim Golfclub Lichtenau-Weickershof. „Das ist eine Chance, den Club und den Sport für jüngere Menschen attraktiv zu machen. Es ist ein Schritt, den wir gehen wollen, um unser Image aufzuwerten”, so Eichhorn.

Golfvariante Long Drive soll neue Zielgruppen erschließen

Long Drive heißt die anerkannte Variante des Golfsports, die schon vor Jahrzehnten in den USA entstand und nun den Vereinen in Deutschland neue Zielgruppen erschließen soll. Der mehrdeutige Name des Turniers in Lichtenau fängt den Geist des Events gut ein: Das englische Wort „bash” lässt sich im Deutschen mit Prügel, aber auch mit Party übersetzen. Traditionelle Golfer stünden übrigens voll dahinter und halten es für eine gute Sache, betont Eichhorn.

Vielmehr sei es sogar so, dass die Weltspitze im Golfsport aktuell von Spielern beherrscht wird, die weit abschlagen können. Diese verpflichten sogar Long-Drive-Spezialisten als Trainer, ergänzt Timo Petrasch. Er ist der Mann, der hinter dieser für Nordbayern bisher einzigartigen Veranstaltung steht.

Timo Petrasch war jahrelang als Profi auf der Tour unterwegs

Petrasch war jahrelang als Profi auf der Long Drive Tour in aller Welt unterwegs. Vor ein paar Jahren gründete er mit den European Long Drive Games eine Firma, die solche Wettbewerbe noch professioneller aufziehen will als die schon länger etablierte Long Drivers European Tour, wie er erklärt. Da er in Burk im Landkreis Ansbach wohnt, kam bald der Kontakt nach Lichtenau zustande. Man verstand sich schnell und entschied: Die malerische Anlage, östlich von Ansbach gelegen, braucht ein Long-Drive-Event.

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Überall lässt sich so ein Weitenwettbewerb nicht durchführen, betont Petrasch. Rein logistisch seien schon einmal international erreichbare Flughäfen in der Nähe wichtig. Denn nur die wenigsten Spieler der Tour kommen aus Deutschland, die Mehrzahl aus England, Schottland und Wales.

Die Golfbälle fliegen um die 400 Meter weit

Außerdem ist natürlich eine lange, möglichst gerade Bahn nötig. Loch 1 in Lichtenau wäre gerade und läge direkt am Clubhaus, ist mit 350 Metern aber zu kurz. „Die Profis schießen dir da die Bälle auf die Autobahn”, sagt der Platzmeister im Club, Frank Fürhäuser. Die 14 sei mit etwa 560 Metern aber gut geeignet. Inklusive Ausrollen landen die Bälle der Weitenjäger um die 400 Meter-Marke. Entscheidend für die Messung ist die Stelle, an welcher der Ball liegen bleibt. Gemessen wird in Yards. Der Europarekord liegt bei 452 Yards.

Beim Long Drive geht es aber nicht nur darum, eine kleine Kugel durch das Gelände zu prügeln. Die Bälle müssen in einem etwa 50 Meter breiten Korridor liegen bleiben. Nicht einfach, denn schon kleinste Ungenauigkeiten beim Treffen des Balls haben bei solchen Distanzen drastische Auswirkungen.

Langer, steifer Schläger, Kraft und vor allem Technik

Gespielt wird mit Bällen, die eine relativ hohe Kompression haben und sich somit beim Schlag relativ wenig verformen. Die Schläger – alles Driver – sind nahezu handelsüblich: Sie sind maximal lang, möglichst steif und ihre Schlagfläche ist nur um wenige Grad geneigt, erläutert Petrasch. Der Rest ist Kraft und vor allem Technik. „Der Bewegungsablauf ist ganz anders als beim normalen Schwung. Um wirklich gut zu werden, ist jahrelanges Training nötig”, sagt der Ex-Profi. Irgendwann donnern die Bälle mit über 350 Kilometer pro Stunde durch die Luft.

Diese hohen Geschwindigkeiten sind ein Grund für den Aufbau des Zuschauerbereichs bei Long Drive-Turnieren. Die Beobachter befinden sich hinter dem Abschlag und können so zumindest kurz die Flugkurven verfolgen, ehe die Bälle am Horizont verschwinden. Visuelle Unterstützung gibt es durch eine Großleinwand, die Livebilder vom Zielkorridor zeigt. Über Markierungen im Rasen sind die Weiten erkennbar.

Musik für die Zuschauer im Biergarten

In der Zuschauerarena sorgen Musik und Verkostung für Biergarten-Stimmung. Party ist erwünscht. Alles soll durchaus an die boomenden Dart-Events erinnern, die mittlerweile für gute TV-Einschaltquoten sorgen, betonen alle Beteiligten. Mit etwa 500 Zuschauern, die auch gerne mal selbst einen Schläger ausprobieren dürfen, wäre der Golfclub absolut zufrieden, sagt Präsident Eichhorn.

Die Turniere – es gibt mehrere Klassen, auch eine Amateur-Klasse – beginnen um 9 Uhr und dauern bis zum späten Nachmittag. Durchgehend gutes Wetter wäre da natürlich wünschenswert. Oder wie es Timo Petrasch in der Sprache der Weitenjäger sagt: „Am besten Sonne und Rückenwind, dann knallt es richtig.”

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