Die Zwei von der Tanke: Wie die Auto-Liebe einer Familie Burghaslach prägt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.02.2025 13:00

Die Zwei von der Tanke: Wie die Auto-Liebe einer Familie Burghaslach prägt

Wolfgang (rechts) und Jan Bauer planen allerlei Neues für den Standort im Burghaslacher Ortsteil Niederndorf. (Foto: Johannes Zimmermann)
Wolfgang (rechts) und Jan Bauer planen allerlei Neues für den Standort im Burghaslacher Ortsteil Niederndorf. (Foto: Johannes Zimmermann)
Wolfgang (rechts) und Jan Bauer planen allerlei Neues für den Standort im Burghaslacher Ortsteil Niederndorf. (Foto: Johannes Zimmermann)

Der Familienname Bauer ist in Burghaslach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) eng mit dem Kfz-Wesen verbunden. Wolfgang Bauer (60) hat im Ortsteil Niederndorf nicht nur Opel-Autos repariert und verkauft, sondern betreibt dort auch eine Tankstelle. Mit der Übernahme durch Sohn Jan wird sich das Portfolio jedoch ein wenig wandeln. Wohnmobile spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Wer mit dem Auto in der jüngeren Vergangenheit Niederndorf passiert hat, dem werden die Luxus-Wohnmobile an der dortigen Tankstelle aufgefallen sein. Sie sind ein großes Standbein der Firma von Jan Bauer. Der 31-Jährige betreibt nicht nur eine Fahrzeugaufbereitung, sondern auch eine Keramikversiegelung für Wohnmobile. Neuerdings vermittelt er solche Luxus-Liner auch gebraucht auf dem Zweitmarkt.

So ein Modell in den höheren Preisligen ist durchaus mit einem Einfamilienhaus vergleichbar. Entsprechend nennt sich Jan Bauer selbst „Wohnmobilmakler“. Er richtet alles her, dreht Youtube-Videos und bietet die Gefährte dann zum Weiterverkauf samt Einweisung an. Entsprechend herrscht derzeit Umbaustimmung im Hauptquartier der Bauers. Neue Büros werden eingerichtet, das bisherige Chefzimmer verwandelt sich in eine Kundenlounge. Auf dem Außenareal werden bald Bagger anrücken und alles ein bisschen passender für die Wohnmobile gestalten. Dann soll Platz für bis zu 25 Exemplare sein.

Die Tradition beginnt bereits 1943

Jan Bauer ist die nunmehr vierte Generation, die das Geschäft übernimmt. Wir springen über 80 Jahre zurück, in den Burghaslacher Ortskern. Richard Bauer erwirbt 1943 von einem Juden – entgegen der zu dieser Zeit sonst oftmals üblichen Gepflogenheiten – zu einem fairen Preis das Areal. „Mein Opa hatte eine Schmiede“, so Wolfgang Bauer. Spezialisiert hatte er sich auf den Verkauf und die Reparatur von Mopeds und Fahrrädern. Nele Bauer, ebenfalls aus der vierten Generation, hat sich auf einem Trempelmarkt ein Winora-Rad gekauft – jene Marke handelte ihr Ur-Opa. Aus dessen Fundus fand sich dafür tatsächlich noch eine Klingel. Ein Mehrgenerationenrad.

Wolfgang Bauers Vater, der seinen Kfz-Meister an der Abendschule machte, hat das Grundstück in den 1960er Jahren zu einer Tankstelle umgebaut, samt Fiat-Betrieb mit Abschleppvertrag. Aber es mangelt an Platz. Der Standort ist nicht mehr geeignet. Die Gemeinde erwirbt ihn, nutzt ihn für den Bauhof und errichtet darauf 1999 die Kulturtankstelle – in Anspielung an die früher dort beheimatete Spritversorgungsstätte.

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Von Fiat zu Opel und mit ADAC

1980 wird die Tankstelle samt Werkstatt in Niederndorf gebaut – die erste Selbstbedienungstankstelle ohne Tankwart im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern, schätzt der 60-Jährige. Echte Pionierarbeit also. Aus Fiat wird Opel. „Wir sind dann Vertragswerkstatt geworden“ – mit ADAC-Abschleppvertrag. Das Moped ist damals übrigens noch das ADAC-Standardfahrzeug der Wahl.

Im Jahr 2000 übernimmt Wolfgang Bauer die Tankstelle, die Werkstatt und den ADAC-Abschlepper. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden Bereitschaft – mit drei Festangestellten und zwei Aushilfen. Ein Knochenjob. Aber die benachbarte A3 bringt viele Pannenwagen und somit Arbeit für die Werkstatt. Eine gute wirtschaftliche Grundlage. 700 Einsätze sind es im Schnitt pro Jahr, sagt die Statistik. Doch 2015 muss Bauer diesen Dienst aufgeben – die Gesundheit lässt die Pannenhilfe nicht mehr zu.

Kurz steht der Familienbetrieb der Bauers auf der Kippe

2017 löst sich dann der Kfz-Meisterbetrieb von der Opel-Vertretung. Zu viele Auflagen. „Wir haben dann den Vertrag zurückgegeben“, sagt Bauer – statt dessen entstand eine freie Werkstatt, die er weiter führt. Bis ein Brief die Stammkunden im Dezember 2024 überrascht: Der Kfz-Meister gibt seine Werkstatt auf. „Ja, das war wirklich sehr spontan“, gesteht Bauer. Doch die Nachwehen eines Arbeitsunfalls sind einfach zu groß. Plötzlich steht der Familienbetrieb auf der Kippe – bis Jan Bauer zusagt. „Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, mir eine Immobilie fest zu kaufen“, sagt der 31-Jährige. „Eine Immobilie macht ja immobil.“

Aber Niederndorf hat „standortmäßig gut reingepasst“. Der Hauptbetrieb mit dem Unterbodenschutz ist im Gleißenberger Gewerbegebiet angesiedelt – knappe zwei Kilometer Luftlinie entfernt. Perfekt. „Da war der Kauf für mich dann die logische Konsequenz.“ Und der Vater ist überglücklich.

Die Tanke ist aber eigentlich so gar nicht Jan Bauers Steckenpferd. Aber das kann ja die dritte Generation mit jahrzehntelanger Erfahrung übernehmen: So ist Wolfgang Bauer nun also beim Sohnemann angestellt. „Eine Win-Win-Situation.“ Und zu sehen gibt es bald noch mehr, wenn die 25 Wohnmobile Niederndorf erobern.

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