Eine Aufstellungsversammlung für eine Bezirkstagswahl ist kein Zuckerschlecken: Das wurde bei der Gruppierung Windsheimer und Ortsteilbürger ins Rathaus (WiR) am Dienstagabend deutlich. Das Verfahren ist komplex, Versammlungsleiter Gerhard Kosloswki war nicht zu beneiden. „Mein Gott, ist das ein Zirkus!“, lautete deshalb ein Zwischenruf.
Stadtrat Bad Windsheim: erledigt. Kreistag: check. Nun will die WiR in den Bezirkstag. Der Bad Windsheimer Bürgermeister und WiR-Gründer Jürgen Heckel sprach gar von einem Aufbruch in „eine neue Ära“. Wieso dieser Schritt? Das begründete vor allem Dr. Wolfgang Stadler gegenüber seinen Tischnachbarn: „Geld für die Region.“
Denn im Bezirkstag in Ansbach werde entschieden, wohin die Mittel des Bezirks fließen. In Windsheim schielt man vor allem auf zwei Themen: das Freilandmuseum, mit dem man weiter wuchern will und das unter Bezirksträgerschaft steht, und auf einen Hochschulstandort – wobei man bei diesem Wunsch nicht konkurrenzlos ist. Einer am Tisch fasste zusammen: „Es wär scho gut, wenn a Windsheimer drin wäre.“
Grund genug für die WiR also, ihr Glück auf Bezirksebene zu probieren. Besonders zwei Fragen standen in der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Fokus: Wer wird Direktkandidat für die WiR? Und welche Kandidaten kommen auf der Liste auf welche Position?
Koslowski befand: „Es ist ein Spiel, auf das wir uns einlassen.“ Die Prüfverfahren für die Zulassung zur Bezirkstagswahl seien „sehr aufwendig“. Und bald müssen die WiR-Mitglieder rund 1275 gültige Unterstützerunterschriften sammeln. Um auf Nummer sicher zu gehen, wollen sie 1800 Unterzeichner suchen, erläuterte Koslowski auf Nachfrage, damit am Ende auch wirklich rund 1275 gültige Unterschriften vorliegen.
Bei der Nominierungsveranstaltung gab es durchaus Fallstricke zu beachten: Wer auf der Liste kandidiert, durfte beispielsweise am Dienstagabend nicht in den Wahlausschuss. Der WiR-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Gerhard Koslowski, vertritt die Gruppierung dann gegenüber dem Wahlkreisleiter. „Deshalb habe ich mich von der Liste genommen“, um kein Risiko einzugehen, womöglich einen Formfehler zu begehen.
„Traurig“ fand das Heckel. „Das ist ein Verlust. Der Gerhard hätte es am meisten verdient. Ein wichtiger Baustein unserer Gruppierung fehlt auf der Wahlkreisliste.“ Bei der Bezirkstagswahl am 8. Oktober werden dann im hiesigen Stimmkreis elf Kandidaten darauf stehen. „Bei uns findet sich alles, was sich gesellschaftlich, politisch und im Vereinswesen engagiert“, so Heckel.
Drei Personen mit Doktor-Titel, Doctores also, „das bekommt man nicht irgendwo im Internet“, befand er. „Das zeigt, wie breit wir aufgestellt sind.“ Als es darum ging, wer auf Platz 1 der Liste stehen soll, schallte es wie im Chor: „der Jürgen“. So geschah es denn auch: Heckel führt die WiR-Wahlkreisliste an, im hiesigen Stimmkreis gefolgt von der Vorsitzenden Erika Löblein sowie Stadt- und Kreisrat Mathias Flory.
Direktkandidat wird – vorbehaltlich der WiR-Zulassung – Dr. Wolfgang Stadler. Ein Bad Windsheimer Stadtrats-Urgestein, Gründungsmitglied der WiR und ein sehr bekannter Arzt. Er opfert sich gewissermaßen, war zu vernehmen. Ein Märtyrer. Oder wie es Heckel ausdrückte: „Er macht für den Rest der Mannschaft Aufbauarbeit.“ Denn nur der beste Direktkandidat aus dem Stimmkreis 510 (Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Fürth-Land) zieht letztlich in den Bezirkstag. Und da könnten, so lautete die Einschätzung, andere durchaus stärker sein als die WiR.
Der Bürgermeister lobte in seiner Rede den Aufstieg der WiR. Deren erstmalige Kandidatur für den Bezirkstag wertete er als Mehrgewinn für die Region: „Die Bürger haben jetzt die Möglichkeit, gute, vertrauliche und kontinuierliche Politiker zu wählen.“ Keine anonymen Namen, sondern „Persönlichkeiten der Region“, mit denen sie sich identifizieren können, betonte Heckel. „Ich wähle regional.“ Und er hofft, dass es viele andere auch tun. Der Einzug der WiR in den Bezirkstag: „Das wäre das Coolste für die Region.“ Bald gilt es also, rund 1275 gültige Unterstützerunterschriften zu sammeln, sobald es grünes Licht vom Wahlkreisleiter gibt.