Sie sind extrem putzig, aber sie haben auch einen Hang zur Verwüstung: Waschbären. Die pelzigen Tiere breiten sich auch in Ansbach und Umgebung immer weiter aus, berichten Jäger. Bislang aber vor allem im Wald. Doch nun tauchte ein Exemplar im Wohngebiet in Eyb auf.
Im Garten eines leer stehenden Hauses in der Friedrich-Samhammer-Straße saß der Kerl, sichtlich angeschlagen. Entgegen des typischen Verhaltens lief er auch nicht weg, sondern blieb eher verstört sitzen. „Er muss krank oder verletzt gewesen sein“, beschreibt Rainer Baumüller. Er wurde als zuständiger Jagdpächter für Eyb gerufen. Im Wohngebiet herrscht Jagdverbot. Deshalb fing er das Tier ein und nahm es mit.
Selbst der Bund Naturschutz (BN) plädiert dafür, die Waschbären-Population nicht zu groß werden zu lassen. BN-Kreisgeschäftsführerin Christina Beckler erinnert daran: „Es handelt sich um eine invasive Art, die eine Gefahr für unsere Artenvielfalt darstellt.“
Denn die Waschbären sind entgegen ihres knuffigen Äußeren ziemlich heimtückisch. Sie räumen die Nester von Wiesenbrütern leer. Und sie gönnen sich an den Amphibien-Auffangeimern des BN gern ein Frühstück aus Kröten und Lurchen. „Vor allem am Scheerweiher ist das inzwischen ein echtes Problem“, sagt Beckler.
In den Wäldern sind die aus Nordamerika stammenden Kleinbären mit der markanten schwarzweißen Gesichtsmaske schon lange zuhause. „Meine Wildkameras machen jede Woche mehrfach Aufnahmen von Waschbären in meinem Jagdrevier“, schildert Jäger Patrick Lang. Sein Revier ist Lehrberg. Eine genaue Zahl, wie viele Waschbären es in und um Ansbach gibt, hat niemand. Aber einig sind sich sowohl Jäger als auch Naturschützer in dem Punkt: Es werden immer mehr.
Drei bis vier der nachtaktiven Tiere schießt alleine Peter Schmidt im Jahr. Der Vorsitzende der Hegemeinschaft Ansbach wertet alljährlich die Meldungen von 22 Revieren aus. In der jüngsten Statistik für 2021/2022 stehen 17 geschossene Tiere. Schmidt: „Die Tendenz ist steigend. Der Waschbär bürgert sich bei uns ein.“
Der Hegegemeinschaftsvorsitzende erinnert sich daran, wie sich bereits vor ein paar Jahren ein Waschbär in der neuen BRK-Zentrale in der Henry-Dunant-Straße einnisten wollte. „Der hat sich dann unter der Photovoltaikanlage versteckt. Da sind wir nicht rangekommen.“ Allerdings wurde es dem Bären dort bald zu warm, sodass er sich doch eine andere Bleibe suchte.
Doch generell sind die Tiere eine Plage, wenn sie sich einmal im Dach eines Hauses einnisten. „Die können tatsächlich Ziegel anheben und sich in der Dämmung breit machen“, schildert Jäger Rainer Baumüller. „Im Dach zerlegen sie einfach alles“, beschreibt es sein Kollege Patrick Lang.
Es wird nicht mehr so lange dauern, bis Sichtungen in Wohngebieten zum Alltag gehören, glaubt Peter Schmidt. „Der Müll lockt sie an.“ Waschbären ernähren sich grundsätzlich von allem, was sie leicht bekommen: Obst, Beeren, Vögel, deren Eier, Mäuse, Essensreste. Sie bevorzugen die Dinge, an die sie einfach herankommen. Pizzaschachteln mit Resten auf einer Mülltonne oder in einem öffentlichen Mülleimer zum Beispiel. Aber eben auch Vögel, die noch nicht richtig fliegen können. Oder ein kleines Rehkitz, das nicht davonlaufen kann.
„Sehr gerne nehmen Waschbären in der Stadt Tierfütterungen von Hunden, Katzen oder Igeln an“, schreibt das Bayerische Landwirtschaftsministerium auf seinem Wildtierportal im Internet. „Dies sollte verhindert werden, ebenso wie die aktive Fütterung der Kleinbären.“
Denn grundsätzlich scheuen die Waschbären den direkten Kontakt mit Menschen. Hat man sie durch das Füttern aber an Menschen gewöhnt, ändert sich das. Und wie Waschbären eine Küche verwüsten können, davon gibt es aus den USA sehr viele Videos im Internet. „Der Schaden, denn sie anrichten können, ist enorm“, sagt auch BN-Kreisgeschäftsführerin Christina Beckler.
Bayern sei „ein potenzielles Waschbärenland“, heißt es im Wildtierportal. Die Ausbreitung laufe anfangs zögerlich, weil zuerst nur junge Männchen kommen. Sobald die Weibchen folgen, geht es dann ganz schnell mit dem Nachwuchs. Die Paarungszeit der Kleinbären liegt zu Beginn eines Jahres. „Nach einer Tragzeit von rund 65 Tagen bringt die Waschbärin in der Regel 2 bis 4 (bis zu 7) blinde Junge zur Welt.“
Der Waschbär gilt seit 2016 auf EU-Ebene als invasive Art. Die Tiere haben in Deutschland keine Schonzeit und dürfen „ohne Einschränkung bejagt werden“, schreibt das Ministerium. Aber natürlich achten die Jäger darauf, dass sie wenn möglich keine Muttertiere mit jungem Nachwuchs erlegen, betonen Baumüller, Lang und Schmidt.