Die Wähler in Stadt und Landkreis Ansbach strömten gestern sehr eifrig an die Urnen. In einigen Wahllokalen bildeten sich teilweise sogar Schlangen. Das schlug sich in einer hohen Wahlbeteiligung von 84,7 Prozent nieder. Das Direktmandat holte erneut Artur Auernhammer (CSU).
Das Rennen um die schnellste Auszählung im Landkreis Ansbach gewannen diesmal die Gemeinden Schopfloch, Adelshofen und Bruckberg, die praktisch zeitgleich um 18.57 Uhr ihr Ergebnis an die Wahlleitung meldeten.
Artur Auernhammer freute sich im Gespräch mit der FLZ, dass es ihm erneut gelungen ist, besser als seine Partei abzuschneiden. Sein Ergebnis lag bei 41,8 Prozent, die CSU kam im Bundeswahlkreis auf 37,3 Prozent. Damit konnte er sich gegenüber 2021 um mehr als drei Prozentpunkte verbessern.
Nachdem lange unklar war, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, sei es „noch zu früh“ um über mögliche Koalitionspartner zu sprechen, meinte der Weißenburger Landwirtschaftsmeister. Aus Auernhammers Sicht ist es aber wichtig, „dass wir schnell wieder ins Handeln kommen“. Denn das starke Abschneiden der AfD zeige, dass die Menschen das Gefühl hatten, ihre Sorgen würden zu wenig ernst genommen.
Zweitplatzierter der Direktkandidaten im Wahlkreis ist Stefan Wigler von der AfD. Mit 21,2 Prozent fuhr er ein fast doppelt so starkes Ergebnis wie vor gut drei Jahren Daniel Lösch ein. Für eine Stellungnahme war Wigler gestern Abend allerdings nicht erreichbar.
SPD-Direktkandidat Daniel Mirlach sagte, das Ergebnis seiner Partei sei etwas besser als es die Umfragen erwarten ließen. Mit dem Wahlkampf seiner Partei in der Region zeigte er sich ebenso zufrieden wie mit seinem persönlichen Abschneiden von 13,2 Prozent: „Viele fanden es gut, dass ein Pflegefachmann zur Wahl antritt.“ Für wenig Freude sorgten bei der SPD-Wahlparty im Café Rosenbad in Ansbach die Koalitionsaussichten. „Eigentlich würden wir hier am liebsten in gar keine Koalition gehen“, schilderte Mirlach die Stimmungslage der Ansbacher Sozialdemokraten.
Sebastian Amler (Grüne) hat im Vergleich zum Ergebnis von Dr. Herbert Sirois vor gut drei Jahren Federn lassen müssen. Sirois kam damals auf 11,2 Prozent. Amler lag gestern bei 9,0 Prozent und zeigte sich entsprechend „enttäuscht“. Aus Amlers Sicht litten gerade die Grünen unter falschen Behauptungen, die über die Partei in den vergangenen Jahren verbreitet worden seien. Er habe versucht an Infoständen viel Aufklärungsarbeit zu leisten, doch in dem extrem kurzen Wahlkampf und in dem großen Wahlkreis sei das nicht überall möglich gewesen. Er kündigte aber an, weiterhin in der Politik aktiv bleiben zu wollen.
„Phänomenal“ findet Nadja Gschwendtner, die Direktkandidatin der Linken, das Abschneiden ihrer Partei. Sie kam auf 4,7 Prozent der Erststimmen. In der Region habe man das eigene Ergebnis annähernd verdoppelt. „Ich bin sehr dankbar, dass uns viele Menschen nicht abgeschrieben haben“, sagte die Treuchtlingerin. In Berlin werde die Linke „der Stachel im Fleisch der nächsten Bundesregierung sein und an ihren Themen wie soziale Gerechtigkeit, Wohnen und Lebenshaltungskosten dranbleiben“.
Die Strategie der Freien Wähler, über drei Direktmandate den Einzug in den Bundestag zu schaffen, ging nicht auf. Direktkandidat Markus Mooser, der gestern bei der Wahlparty der FW in München war, sagte, er sei „betrübt über das Gesamtergebnis“. Mit seinen eigenen 5,4 Prozent kann er aber ganz gut leben, auch wenn das ein Minus gegenüber 2021 darstellt, als Sylvia Bogenreu- ther 8,7 Prozent holte. Das sei sicher auch eine Folge des extrem kurzen Wahlkampfs. „Ich habe gemacht, was möglich war.“ Außerdem mache sich bemerkbar, dass die Freien Wähler oft medial „unter dem Radar“ fliegen würden, weil sie zu Diskussionsrunden nicht eingeladen werden.
Franziska Kremer, Direktkandidatin der FDP im Wahlkreis Ansbach, findet es schade, dass die FDP höchstwahrscheinlich auf Bundesebene in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr vertreten sein wird. Allerdings sei das nach den Umfragen in den letzten Wochen keine größere Überraschung mehr gewesen. Mit ihrem persönlichen Abschneiden ist sie hingegen „sehr zufrieden“. 2,6 Prozent der Wählerinnen und Wähler entschieden sich für sie. „Ich bleibe dran“, versprach sie am Wahlabend und nimmt die Kommunalwahl 2026 ins Visier.
Für den ÖDP-Direktkandidaten Kevin Settler gab es mit 1,1 Prozent ein etwas schlechteres Erststimmenergebnis als für seinen Vorgänger 2021. Den bundesweiten Erfolg der AfD findet er „erschreckend“. Nun ist Settler gespannt, welche Parteien sich zu einer Koalition „zusammenraufen“ werden. Dabei würde er es persönlich begrüßen, wenn auch die Grünen Regierungsverantwortung übernehmen würden. Settler selbst hat ebenfalls bereits die Kommunalwahlen 2026 im Blick, bei denen er antreten will.
Der Direktkandidat der Partei Volt, Markus Wolff, bekam mit 1,0 Prozent die wenigsten Stimmen und war gestern Abend nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Eine Zitterpartie war der Abend für Milan Schildbach vom BSW. Der Ansbacher trat zwar nicht als Direktkandidat an, steht aber auf der Landesliste seiner Partei. „Wir haben in Ansbach unser Bestes gegeben“, ist er überzeugt. Bei seinen zahlreichen Wahlkampfeinsätzen auf dem Martin-Luther-Platz habe er eine „vorwiegend positive“ Resonanz bekommen, was er auf die thematischen Schwerpunkte Frieden, Soziales und Gesundheitssystem zurückführt.
Wer am Wahlabend die Übersichtskarte mit den Ergebnissen des Bundeswahlkreises im Blick behielt, sah immer wieder blaue Flecken. Das signalisierte, dass in diesen Orten die AfD stärkste Kraft war. Schillingsfürst, Bechhofen, Dentlein oder auch Diebach waren ein paar dieser Gemeinden. Nachdem die Briefwähler ausgezählt waren, färbte sich die Gemeinde dann doch schwarz.
Das Briefwahlergebnis der CSU war mit 46,2 Prozent deutlich stärker als das Urnenwahlergebnis mit 37,6. Bei der AfD hingegen das umgedrehte Bild: 16,0 Prozent bei den Briefwählern, 27,8 im Wahllokal. Bei allen anderen Parteien waren beide Wahlwege in etwa gleich stark.