Die heute noch weitgehend erhaltene Wehranlage der historischen Altstadt von Dinkelsbühl nimmt in diesem Jahr nicht nur im kulturellen Programm des Hauses der Geschichte eine besondere Rolle ein. Das Baudenkmal prägt auch die Investitionen der Stadt. Denn die Mammutaufgabe der Sanierung geht 2026 in die nunmehr vierte Etappe.
Vom Umfang her ist die Stadtmauer mit ihren 2,5 Kilometern Länge das größte Denkmal der Stadt. Dabei geht die heute noch sichtbare Befestigungsanlage im Wesentlichen auf das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Wie aus einer Präsentation der Stadtverwaltung zum Sanierungsprojekt ersichtlich ist, hatte man im frühen 19. Jahrhundert damit begonnen, die Dinkelsbühler Stadtmauer abzubrechen. Die Steine wurden offensichtlich an anderer Stelle als Baumaterial eingesetzt.
Gestoppt wurde diese Entwicklung 1826, als König Ludwig I. per Verordnung in Bayern den Abbau von Wehranlagen untersagte. Dieser vor 200 Jahren erfolgte „Festungserlass” sorgte letztlich dafür, dass die Befestigung im heutigen Umfang erhalten ist. Diesem besonderen Ereignis trägt das Haus der Geschichte in seinem Jahresprogramm Rechnung.
Parallel dazu wird 2026 der Erhalt des Mauerrings auch baulich weiter vorangebracht. Nach der Fertigstellung der Abschnitte eins im Jahr 2023, zwei im Jahr 2024 und drei im zurückliegenden Jahr (unter dem Strich ein Bereich vom Kapuziner-Kloster bis zum Oberen Mauerweg 16) läuft nunmehr die vierte Etappe, wie die Pressestelle des Rathauses auf FLZ-Anfrage mitteilte. Betroffen ist der Abschnitt ab dem Oberen Mauerweg 16 in Richtung Berlinsturm. Stadt- und vorgelagerte Zwingermauer würden dabei in einem Zug instandgesetzt, um die dazwischen liegenden Gärten nicht zweimal aufgraben zu müssen.
Ziel des Sanierungsprojektes ist es laut Stadtverwaltung, „die Stabilität der Mauer nachhaltig zu gewährleisten, Sicherheitsrisiken zu minimieren und gleichzeitig den historischen Charakter der Anlage bestmöglich zu erhalten”. Die beauftragte Firma nimmt dabei teilweise die alten Sandsteinquader ab und ersetzt sie durch neue. Die Steinfugen werden erneuert und die Mauer erhält eine neue Abdeckung, um ein Eindringen von Wasser zu verhindern. Zur Sicherung der Zwingermauer werden Erdanker eingesetzt, damit die Mauer nicht Richtung Stadtgraben wegbrechen kann.
Die Stadt arbeite, wie es aus dem Rathaus heißt, eng mit Denkmalpflegern, Fachplanern und lokalen Handwerksbetrieben zusammen. Ausgeführt werden die Arbeiten von einer Firma mit Sitz in Markt Berolzheim.
Für die Bauabschnitte der Jahre 2024, 2025 und 2026 fallen laut Kostenberechnung 2,3 Millionen Euro an, wie die Stadt weiter informierte. Diese Abschnitte würden vom Freistaat Bayern aus dem Denkmalrechtlichen Entschädigungsfonds mit einer Förderquote von 75 Prozent, also mit 1,7 Millionen Euro, unterstützt.
Wegen der Stadtmauersanierung ist der Obere Mauerweg zwischen der Nummer 16 und dem Berlinsturm bis zur Kinderzeche voll gesperrt. Bis zum Jahresende ist der Stadtgraben zwischen Segringer Tor und dem Schattengebäude nicht zugänglich.
Diejenigen, die sich für die Geschichte der Dinkelsbühler Wehranlage interessieren, können am Sonntag, 26. April, an einer Führung teilnehmen, die das Haus der Geschichte unter dem Motto „200 Jahre Festungserlass – Wenn Mauern sprechen könnten“ anbietet. Treffpunkt dazu ist um 15 Uhr vor dem Touristik Service am Altrathausplatz.