Die Stadt Ansbach sucht nach Unterkünften für Geflüchtete | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.01.2024 08:05

Die Stadt Ansbach sucht nach Unterkünften für Geflüchtete

So wie hier im Distlersaal werden Trennwände in den ehemaligen Klassenzimmern in der alten Schalkhäuser Schule für eine etwas wohnlichere Atmosphäre sorgen. (Foto: Irmeli Pohl)
So wie hier im Distlersaal werden Trennwände in den ehemaligen Klassenzimmern in der alten Schalkhäuser Schule für eine etwas wohnlichere Atmosphäre sorgen. (Foto: Irmeli Pohl)
So wie hier im Distlersaal werden Trennwände in den ehemaligen Klassenzimmern in der alten Schalkhäuser Schule für eine etwas wohnlichere Atmosphäre sorgen. (Foto: Irmeli Pohl)

Die Stadtverwaltung stellt sich darauf ein, in diesem Jahr weitere Asylbewerber unterbringen zu müssen. Weil die vorhandenen Notunterkünfte voll sind, geht es gleich um mehrere neue Quartiere. Und Sozialreferent Holger Nießlein machte gegenüber der FLZ deutlich: „Wir sind weiter auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten.“

Der vergangene Oktober hat die Ansbacher Sozialverwaltung tatsächlich an ihre Grenzen gebracht. In der Woche ab 9. Oktober wies ihr die Regierung von Mittelfranken auf einen Schlag 40 Geflüchtete zu. Eine Woche später folgten weitere 19 Asylbewerber, und in der letzten Oktoberwoche kamen noch einmal elf Flüchtlinge nach Ansbach.

Das Ankerzentrum in Zirndorf war überfüllt

Das war der Tatsche geschuldet, dass das Ankerzentrum in Zirndorf – die frühere zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber Nordbayern – komplett überfüllt war. „Eine echte Notlage“, wie Nießlein einräumt. Vor allem viele Türken kamen damals nach Ansbach. Die schlechte wirtschaftliche Lage, die hohe Inflation und auch das autoritäre Regime Erdogan veranlasste viele Türken, ins Ausland zu gehen.

Das sei aber dann ab November „wie abgeschnitten“ gewesen, sagt der Sozialreferent. In Ansbach kamen „nur“ noch 22 Asylbewerber an. „Im Dezember haben wir gar keine Geflüchteten mehr bekommen“, erklärt Nießlein. Das sei der insgesamt entspannteren Flüchtlingslage geschuldet, aber auch der „jetzt angemessenen Berücksichtigung der Zuweisungsquote“, wie es Nießlein formuliert. Heißt: Mit einer Quote von 170 Prozent hat die Stadt Ansbach – im Gegensatz zum Landkreis Ansbach – ihre Unterbringungspflicht weit übererfüllt.

Bis Mitte Januar würden keine neuen Flüchtlinge kommen, ist sich Nießlein sicher. Doch ab Februar rechnet er wieder mit Zuweisungen der Regierung.

24-Stunden-Security im Flüchtlingsheim

Darauf will die Stadt vorbereitet sein. Deshalb sind die Umbauarbeiten in der alten Schalkhäuser Schule in vollem Gange und sollen spätestens bis Ende des Monats beendet sein. Die vier ehemaligen Klassenräume bekommen – ähnlich wie im Distlersaal – durch Trennwände mehr Aufenthaltsqualität, pro Stockwerk wird es eine Gemeinschaftsküche geben.

Im ehemaligen Pausenhof wird ein Sanitär-Container aufgestellt. Etwa 45 Asylbewerber sollen hier ab Februar unterkommen – vor allem Familien, die zurzeit noch im Quartier an der Draisstraße leben.

Außerdem gibt es einen Aufenthaltsraum für die 24-Stunden-Security. Die Sicherheitsleute haben eine doppelte Funktion: Erstens sicherzustellen, dass es friedlich zugeht in der Unterkunft, aber zweitens auch die Geflüchteten vor Aggressionen von außen zu schützen – auch wenn die Sicherheitsleute deshalb bisher in keiner der Ansbacher Unterkünfte eingreifen mussten.

Unterkunft auf dem Messegelände geplant

Eine zweite Asylbewerber-Unterkunft für etwa 50 Personen wird auf dem ehemaligen Messegelände entstehen. Dort werden – wie bereits in den Jahren 2015 und 2016 – Wohn-Container aufgestellt. Die sind bereits bestellt und im Frühjahr bezugsfertig. Für ein Objekt in der Innenstadt, wo 25 Personen unterkommen könnten, sei man in konkreten Gesprächen, erklärt der Sozialreferent.

„Wir suchen aber natürlich weiter nach Unterbringungsmöglichkeiten. Wenn das alles belegt ist, wird’s spannend.“ Nießlein macht eine einfache Rechnung auf: Sollten ab Februar monatlich „nur“ 22 Geflüchtete zugewiesen werden, reichten diese neuen Unterkünfte schon nicht mehr aus. Wie sich die Flüchtlingslage in Ansbach im kommenden Jahr entwickelt, „dazu bekommen Sie keine Prognose“, auch wenn man regelmäßig in Besprechungen mit der Regierung und Video-Konferenzen mit dem Innenministerium sei, so Nießlein.

Den Freistaat stärker in die Pflicht nehmen

Schulturnhallen in Asylunterkünfte umzufunktionieren, dürfe nur das allerletzte Mittel sein, hat Oberbürgermeister Thomas Deffner immer wieder betont. Die Akzeptanz in der Bevölkerung müsse man immer im Blick haben, sagt dazu sein Sozialreferent. Deshalb möchte er stattdessen lieber den Freistaat stärker in die Pflicht nehmen: „Es gibt in Ansbach staatliche Liegenschaften, die wir für geeignet erachten.“

Was die Kosten angeht, bleibt die Stadt allerdings weitgehend außen vor. Sämtliche Investitionskosten wie der Umbau, der Hausmeister und die Security werden vom Freistaat bezahlt. Die Stadt kann sogar eine angemessene Miete – zum Beispiel für die städtischen Immobilien Distlersaal oder alte Schule Schalkhausen – dem Freistaat in Rechnung stellen. Nur die Personalkosten in der Verwaltung bleiben bei der Stadt hängen.

Kaum auszudenken, wie sich die soziale Lage darstellen würde, wenn die rund 400 ukrainischen Kriegsflüchtlinge, die inzwischen in Ansbach leben, nicht auf dem freien Wohnungsmarkt vermittelt worden wären.

Kommunale Unterkünfte im Stadtgebiet gibt es derzeit in der Draisstraße (ehemalige OSA-Druckerei mit 187 Asylbewerbern), im Distlersaal (35 Flüchtlinge) und im Reiterzentrum (12 Geflüchtete). Staatliche Unterkünfte gibt es in Ansbach in der Naglerstraße (100 Asylbewerber), in der Endresstraße (115) und in der Feuerbachstraße (50).


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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