Anita Bibelriether-Helm war 15 Jahre lang als Wanderwegewartin in Dietersheim aktiv. Ihre Nachfolger sind nun Dorothea Stern und Michael Wolf. Das Duo hat sich mittlerweile gut eingearbeitet und ist viel in seinem Wandergebiet unterwegs. Denn Stern und Wolf wollen, dass sich die Besucher gut zurechtfinden und wohlfühlen.
Damit das garantiert ist, muss die Beschilderung passen – und die Wege müssen gut begehbar sein. Darauf achten Dorothea Stern (69) und Michael Wolf (66) nun ganz genau. Doch wer denkt, das sei ganz ohne Fortbildung möglich, der irrt. Denn gleich zu Beginn ihres neuen Ehrenamtes sind die beiden geschult worden. Auf dem Programm stand ein Seminar in Scheinfeld, bei dem ihnen Vertreter des Naturparks Steigerwald viel Wissenswertes zu ihrer neuen Aufgabe vermittelt haben. Und sie wurden über den aktuellen Stand des Projekts „Wanderwegeregion Steigerwald“ informiert.
Ziel des Projekts ist es, eine einheitliche Beschriftung sämtlicher Wanderwege umzusetzen, die sich im Gebiet des Naturparks Steigerwald befinden. Zuvor war das gesamte Wegenetz überarbeitet worden. Dabei war seit 2021 noch einmal jeder Weg unter die Lupe genommen und sein Verlauf kontrolliert worden. 70 Gemeinden in sechs Landkreisen und 3000 Kilometer Wanderwege umfasst das Projektgebiet.
Stern und Wolf haben bei der Schulung eines schnell gemerkt: Dass die korrekte Umsetzung der einheitlichen Beschilderung durchaus „eine Wissenschaft für sich“ sei. Auf die beiden Dietersheimer Wanderwegewarte wartet nun noch einiges an Arbeit, denn sie müssen dafür sorgen, dass die einheitlichen Wegweiser korrekt und sichtbar errichtet werden.
Zuvor waren sie schon damit beschäftigt, die jeweiligen Streckenverläufe noch einmal ganz genau anzuschauen und bei dem ein oder anderen ein bisschen nachzubessern. Stern hat zu diesem Zweck den Blick gewechselt. Sie hat sich vorgestellt, wie es wäre, wenn sie als Ortsunkundige auf den Wegen in und um Dietersheim unterwegs wäre. Dabei hat sie gemerkt: „Das ist gar nicht so leicht, ich kenne ja alles und muss eigentlich überhaupt nicht mehr gucken, wo ich lang muss.“
Wolf hat sich ebenfalls in die Routen vertieft. Er ist dazu allerdings aufs Rad gestiegen und ist sie an einem Tag komplett abgefahren. Dabei hat er auch Bilder von außergewöhnlichen Ausblicken gemacht. Schließlich soll auch im Internet für die Wege geworben werden.
Aktuell gibt es vier Hauptwanderwege im Dietersheimer Gebiet. Ihrer Nummerierung ist jeweils der Buchstabe D vorangestellt. Er steht – natürlich – für Dietersheim. Der Weg „D 2“ existiert laut Wolf und Stern aber momentan nicht. Langfristig würden sie einen solchen jedoch wieder ausweisen wollen. Sie sinnieren bereits darüber, welcher Streckenverlauf sich dafür anbieten würde.
Für Stern und Wolf liegt das Besondere an den Wanderwegen in Dietersheim vor allem an den atemberaubenden Ausblicken. „Vom Hausenhof her zum Beispiel hat man einen wunderbaren Blick auf den Aischgrund“, sagt Wolf. Bei guter Sicht seien zudem Blicke bis nach Burgbernheim oder auch bis hin in die Fränkische Schweiz möglich. Für Stern liegt ein weiterer Reiz in der landschaftlichen Vielfalt.
So laufe man entlang von Bächen, Wäldern, auf die Höh’, entlang von Trampelpfaden, Wiesenwegen und Forstwegen. Und es gebe immer wieder etwas zu entdecken, beispielsweise die Gruppe von 15 Rehen, die immer mal wieder „rechts vor Altheim in der Wiese“ zu entdecken ist. Faszinierend sei auch die Wanderung, bei der man in der Ferne langsam die Turmspitze der Dottenheimer Kirche auftauchen sehe. Mit jedem Schritt erhebe sie sich ein Stück weiter aus der Landschaft empor.
Was den beiden Dietersheimer Wanderwegewarten besonders am Herzen liegt: Dass sie bei ihrer Aufgabe stets auf die gute Zusammenarbeit mit dem gemeindlichen Bauhof zählen können. Denn mitunter muss schweres Gerät zum Einsatz kommen. Zum Beispiel, wenn ein stattlicher Baum nach einem Sturm quer über einem der Wege liegt. Dann informiert das Duo zwar, ausrücken müssen aber letztlich die Bauhof-Mitarbeiter. Sie unterstützen auch beim Setzen neuer Pfosten zur Befestigung von Beschilderungen.
Stern und Wolf haben ihr neues Ehrenamt gerne übernommen. Sie sind seit vielen Jahren fest in Dietersheim verankert. Dorothea Stern war 29 Jahre lang Vorsitzende des Gartenbauvereins. Michael Wolf indes engagiert sich bei der Flugsportgruppe Neustadt in der Abteilung „Modellflug“.
Wie lange sie nun als Wanderwegewarte aktiv sein werden, ist offen. Es gibt dafür keine festgelegte Dauer. „Es besteht auch kein Zwang, dass wir ständig etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben müssten“, sagt Wolf. Dadurch könnten sie sich ihr Engagement zeitlich flexibel einteilen. Und da sie ohnehin ständig im Dietersheimer Wald und in den Fluren unterwegs seien, würden sie ihre Aufgabe als Wanderwegewarte quasi ganz nebenbei als großes Hobby erledigen können.